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Haushalte werden energieeffizienter

Deutschlands Haushalte, Industrie- und Gewerbebetriebe verbrauchen immer weniger Energie, während der Personen- und Güterverkehr immer mehr davon verschlingt. So lautet das wichtigste Ergebnis des Berichts „Energieeffizienz in Zahlen“, den das Umweltbundesamt im Juli herausgebracht hat.

haushaltsgeld.net

Der Bericht „Energieeffizienz in Zahlen“ gibt Antworten auf diese Fragen. Er wurde bereits im Herbst 2010 gemeinsam vom Öko-Institut in Berlin, dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (FhG-ISI) in Karlsruhe und Hans-Joachim Ziesing in Berlin verfasst und jetzt vom Umweltbundesamt publiziert. Der Bericht betrachtet die Entwicklung der Energieverbräuche in den einzelnen Sektoren für den Zeitraum von 1991 bis 2007.

Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Haushalte
Rund 27 % des gesamten Endenergieverbrauchs (und nicht 40 Prozent, wie oft behauptet) entfallen in Deutschland im Jahr 2008 auf die privaten Haushalte.
Der temperaturbereinigte Endenergieverbrauch der Haushalte stieg von 1996 bis 2000 zunächst um 8,8% an und fiel dann wieder. Im Jahr 2007 lag er bei 721 TWh und damit um 2,3 % unter dem Wert des Jahres 1996. Der mit Abstand größte Anteil ist hierbei der Endenergieverbrauch für die Raumwärme, deren Anteil im betrachteten Zeitraum mit etwa 75% gleich blieb.

Eine noch stärkere Verringerung des Energieverbrauchs scheiterte vor allem daran, dass immer mehr Wohnungen in Deutschland mit Energie versorgt werden müssen. Von 1991 bis 2007 stieg die gesamte Wohnfläche in Wohn- und Nichtwohngebäuden um 23 %, die Anzahl der Wohneinheiten nahm um 17 % zu. Das Bevölkerungswachstum im gleichen Zeitraum betrug aber nur 4 Prozent.

Das Bemühen um verbesserte Wärmedämmung und effizientere Heizanlagen schlägt sich in der Statistik des Bundesumweltamts deutlich nieder: Der temperaturbereinigte Raumwärme-Endenergieverbrauch (bezogen auf die Wohnfläche) ist von 200 kWh/m2a im Jahr 1998 auf 161 kWh/m2a im Jahr 2007 gesunken. „Dass trotz des fortgesetzten Trends steigender Wohnflächen und zunehmender Ein-Personen-Haushalte seit dem Jahr 2000 der Endenergieverbrauch der Haushalte sinkt, lässt auf einen zunehmend effizienteren Energieeinsatz schließen“, heißt es dazu in der Studie.

Gleichzeitig, so die Autoren, hat die Technik der Heizkessel erhebliche Fortschritte gemacht. Neue Modelle ermöglichen eine bis zu 35 % bessere Ausnutzung der eingesetzten Energie. Dennoch ist das Erneuerungspotenzial in diesem Bereich sehr hoch: Durchschnittlich sind die Öl- und Gasfeuerungsanlagen in Deutschland stattliche 24 Jahre alt. „Der Anteil Erneuerbarer Energien hat im Bereich der Raumwärme erheblich zugenommen und lag im Jahr 2007 bei 11 %, was dazu beigetragen hat, dass die CO2-Emissionen in diesem Segment um 18 % gesunken sind“, heißt es in der Studie weiter.

Deutlich gestiegen ist hingegen der Endenergieverbrauch für das Kochen (1996-2007: plus 27%) sowie der Stromverbrauch für große Elektrogeräte (Kühlschränke, Gefrierschränke und Waschmaschinen) und Pumpen (plus 24%). Als Hauptgrund für den Anstieg machten die Autoren die steigende Zahl der Ein-Personenhaushalte aus. „Hauptsächlich damit verbunden ist der kontinuierlich gestiegene Bestand an Elektrogeräten. Die Stromverbräuche pro Gerät sind im Allgemeinen gesunken, bei den meisten Elektro-Großgeräten gefördert durch die Einführung der Effizienzklassen“, heißt es dazu in der Studie. Nur bei den Fernsehgeräten ist seit etwa 2005 (also zeitgleich mit der Einführung großer Flachbildschirme) wieder ein steigender Verbrauch zu verzeichnen. Dagegen hat der Endenergieverbrauch für die Beleuchtung pro Wohneinheit im betrachteten Zeitraum konstant abgenommen, trotz stetig steigender Wohnflächen pro Wohneinheit.

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Industrie
Mit 735 TWh verbraucht die deutsche Industrie in etwa ebenso viel Endenergie wie die Haushalte. Das bedeutet einen geringfügigen (ca. 2%) Rückgang seit 1992. Allerdings lag der Endenergieverbrauch der deutschen Industrie im Jahr 2002 bereits einmal fast 10% niedriger als heute. Gleichzeitig ist jedoch die Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie von 1991 bis 2007 um 35% gestiegen. Eine Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energieverbrauch ist in diesem Bereich also durchaus erkennbar.

Die Studie des Umweltbundesamts führt den Verbrauchsrückgang vor allem auf Verbesserungen der Energieeffizienz in den einzelnen Industriezweigen zurück. Aber auch der industrielle Strukturwandel, der leicht zu Lasten überdurchschnittlich energieintensiver Branchen (Papier, Steine-Erden, Ernährung, Glas, Stahl) verlief, hat seinen (wenngleich geringeren) Teil zum Rückgang des Energieverbrauchs beigetragen. „Ohne diese verbrauchsmindernd wirkenden Faktoren wäre der Verbrauch allein aufgrund des Produktionswachstums zwischen 1991 und 2007 um knapp 220 TWh gewachsen“, heißt es dazu in der Studie.

Verkehr
Im Verkehrssektor ist der Endenergieverbrauch zwischen 1990 und 2008 um rund 8 % von 2.379 PJ auf 2.575 PJ angestiegen. Dies liegt vor alle an den ständig steigenden Verkehrsleistungen im Personen- und Güterverkehr. Denn die Energieeffizienz hat in diesem Zeitraum deutlich zugenommen: Pro Personenkilometer werden heute rund 12 % weniger Energie verbraucht als noch 1995. Dabei hat die Bahn mit 30% die höchsten Effizienzgewinne zu verzeichnen. Der spezifische Verbrauch des Pkw-Bestandes hat seit 1990 um rund 18 % abgenommen.
Auch im Güterverkehr waren in den letzen 20 Jahren deutliche Effizienzgewinne (bezogen auf die pro Kilometer transportierte Tonne) zu verzeichnen. Auf der Straße lagen sie im Betrachtungszeitraum bei 33 %, auf der Schiene bei 29 %. Konterkariert wird diese Entwicklung allerdings dadurch, dass immer mehr Güter auf der Straße und immer weniger per Bahn transportiert werden. Im gesamten Güterverkehr sank der Energieverbrauch pro Tonnenkilometer daher lediglich um 20 Prozent.


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