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Here We Are! Frauen im Design von 1900 bis heute

Heute sind die führenden Köpfe in vielen Bereichen des Designs weiblich. Aber auch die Entwicklung des modernen Designs haben Frauen in der Geschichte maßgeblich beeinflusst – und doch sind ihre Namen nicht ganz so präsent wie die ihrer männlichen Kollegen. Das möchte das Vitra Design Museum mit der Ausstellung „Here We Are! – Frauen im Design 1900 bis heute“ ändern und präsentiert Exponate von rund 80 Protagonistinnen aus den Bereichen Design, Architektur, Mode und Wirtschaft. Vor dem Hintergrund des Kampfs um Gleichberechtigung wird die Designgeschichte der letzten 120 Jahre vielstimmig beschrieben. Auch zeitgenössische Positionen mit Blick in die Zukunft sind vertreten.

Die Ausstellung ist chronologisch in vier Abschnitte aufgeteilt. Um 1900 beginnt der erste Zeitabschnitt mit der Entwicklung des Designs in Europa und den USA, wo Design und Innenarchitektur als neue Berufsbilder entstehen. Politisches Mitspracherecht und Arbeitsbedingungen bilden hier neben den Werken der Gestalterinnen den Schwerpunkt. Emanzipation und Design fließen etwa in den Arbeiten der Sozialreformerinnen Jane Addams und Louise Brigham unter dem Begriff „Social Design“ ineinander. Der Abschnitt thematisiert auch Werke des Bauhaus, der russischen Wchutemas-Schulen und der Deutschen Werkstätten in Dresden-Hellerau.

Den 1920er- und 1950er-Jahren widmet sich der zweite Teil der Ausstellung. Patriarchalisch ist die Gesellschaft noch immer, doch zu den bekanntesten Stilikonen zählen Eileen Gray, Clara Porset, Jeanne Toussaint und Charlotte Perriand. Letztere entwickelte mit ihrem Kollegen Le Corbusier legendäre Möbelentwürfe – ihr Anteil daran wurde in den letzten Jahren völlig neu bewertet. Andere Designerinnen arbeiteten unabhängig von einem Partner: Die Keramikerin Eva Zeisel stellte schon im Jahr 1946 alleine im New Yorker Museum of Modern Art aus.

Der dritte Bereich beleuchtet die nächsten drei Jahrzehnte. Eine zweite Welle des Feminismus richtet ab den 1960er-Jahren die Aufmerksamkeit auf Frauen im Design, die trotz traditioneller Rollenbilder durch ihre Arbeiten hervorstechen. Die Resultate dieser turbulenten Ära sind das Marimekko-Design oder postmoderne Objekte italienischer Designerinnen wie Nanda Vigo, Gae Aulenti oder Cini Boeri.

Die Werke der Ausstellung münden in der Gegenwart mit Designs internationaler Protagonistinnen. Ihr Erfolg ist heute selbstverständlich gleichwertig mit dem der Männer. Den Blick in die Zukunft und eine neue Definition des Designs liefern Julia Lohmann und Christien Meindertsma mit ihrer Materialforschung und Kritik an Produktionsprozessen. Das Kollektiv Matri-Archi(tecture) ist eine von aktuellen Initiativen, die existierende Muster von Autorenschaft, Ausbildung und Anerkennung hinterfragt. Für „Here We Are“ hat das Team die Arbeit „Weaving Constellations of Identity“ erstellt – eine Arbeit über persönliche Erfahrungen afrikanischer und Schwarzer Designerinnen. Die Ausstellung des Vitra Design Museum gibt somit eine zeitgemäße Perspektive auf die moderne Gestaltung, ihre Geschichte und ihre Intention.

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