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Foto: Jannes Linders

‘High Line’ in den Niederlanden: Paleisbrücke in ‘s-Hertogenbosch

Die 250 Meter lange Paleisbrug verbindet das Zentrum der niederländischen Stadt ‘s-Hertogenbosch mit dem neuen Stadtteil Paleiviertel. Sie überspannt das Gleisbett des dortigen Bahnhofs und bildet zugleich den Abschluss des bebauten Stadtgebiets. Weiter südlich schließt sich ein großes, offenes Grüngebiet an.

Aus diesem Standort heraus begründet sich auch die besondere Architektur der Brücke: Mit ihren kräftigen, cortenstahlverkleideten Volumina nimmt sie Bezug auf zu den Bahnanlagen ringsum; mit ihren begrünten Pflanzbeeten hingegen verlängert sie den angrenzenden Grünzug gewissermaßen ins Stadtzentrum hinein. Der Begrünungsplan wurde in Zusammenarbeit mit Piet Oudolf erstellt. Der Landschaftsarchitekt hat sich bereits mit der Umgestaltung der New York High Line einen Namen gemacht. Auf der Paleisbrug teilte Oudolf die Baum- und Pflanzbeete in drei Zonen ein: Richtung Stadtzentrums erhielt die Brücke eine savannenartige Begrünung mit niedrigen Pflanzen und freistehenden Bäumen. Oberhalb der Bahngleise wurde die Brücke nur mit niedrigen Pflanzen begrünt, um einen weiten Ausblick über die Stadt und die Landschaft zu ermöglichen. Auf der Seite des Paleisviertels wurden ebenfalls Bäume gepflanzt.

Zum Wohl der Pflanzen: die CO2-neutrale Brückenheizung

Und noch eine Besonderheit weist diese Brücke auf: Um sie im Winter schnee- und eisfrei zu halten, verfügt sie über eine Fußbodenheizung. Das hört sich nach gnadenloser Energieverschwendung an – ist es aber nicht, denn die sieben Kilometer Heizungsröhren unter dem Fliesenbelag der Brücke dienen im Sommer als gigantischer Sonnenkollektor. Bei Außentemperaturen ab 18 Grad füllt ein Pumpensystem die Röhren mit einem Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel. Sobald es sich auf einen voreingestellten Wert – zum Beispiel 21 Grad – erwärmt hat, wird das Wasser abgepumpt und in einen nahe gelegenen Saisonalspeicher geleitet, wo es sich auf 16 Grad abkühlt. Dann beginnt der Kreislauf aufs Neue.

Die im Speicher „zwischengelagerte“ Wärme steht im Winter nicht nur für die Fußbodenheizung zur Verfügung. Nach Berechnungen der Ingenieure soll der Brückenkollektor sogar mehr Wärme liefern, als für den Eigenbedarf der Brücke notwendig wird. Die Überschüsse stehen dann zur Beheizung der benachbarten Gebäude zur Verfügung. Die Fußbodenheizung ist im Übrigen keine Spielerei, sondern hat auch einen ökologischen Sinn: Sie macht den Einsatz von Streusalz verzichtbar, das ansonsten den Pflanzen auf der Brücke geschadet hätte.

Pflanzen, Bäume, Brückenbelag, die Möblierung und die Beleuchtung sind in gefaltete Elemente aus wetterfestem Baustahl integriert. Auch die Stützen der Paleisbrug sind mit Paneelen aus dem gleichen Material verkleidet, sodass sie mit den übrigen Brückenteilen eine Einheit bilden.

Die primäre Tragstruktur besteht aus horizontalen Hohlprofilen aus Cortenstahl, die mit einer aufliegenden Betonplatte in der Druckzone verbunden sind. Je länger die Spannweite, desto höher die Hohlprofile. Die größte Spannweite der Brücke erstreckt sich mit 60 Metern über die Bahngleise. In diesem Bereich ersetzt ein Fachwerksträger oberhalb der Brückenplatte die Hohlprofile, da eine Konstruktion unterhalb der Brückenplatte hier nicht möglich war.

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