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Foto: Erick Saillet

Hinter Gittern: Umspannwerk in Lyon

Der Vorsatz der Architekten war es von Anfang an, ihr Bauwerk sofort zu verstecken. Geradezu verschwinden soll es über die Jahre. Das klingt unüblich und wird erst verständlich, kennt man die Geschichte des Umspannwerkes in Lyon. 1991 wurde es auf dem damals brach liegenden Grundstück errichtet. Zehn Jahre später entstanden Pläne, die Gegend etwas außerhalb von Lyon für Wohnungsbau zu nutzen. So kam es, dass sich in einem Block soziale Wohnbauten, Eigentumswohnungen und Büros um das bestehende Haus voller Transformatoren formten.

Rue royale architectes nahmen die Aufgabe an, sowohl den Bau um eine gasisolierte Schaltanlage (GIS) zu ergänzen, als auch ein Konzept für die Landschaftsplanung im Block zu entwickeln. Die Bebauung umschließt den Block ringförmig. Auch das Umpannwerk hat eine Fassade zur Straße hin. Dahinter verläuft es wie ein Riegel, der das Grundstück in zwei Hälften teilt. Obwohl der nahezu fensterlose Bau mit 9 Metern wesentlich niedriger bleibt, als die umgebende Bebauung, lässt sich eine gewisse Massivität nicht abstreiten. Ein Teil des neuen Anbaus nimmt diese Höhe wieder auf während das neue Verteilerhaus sogar mit etwa sechs Metern Höhe auskommt. Genauso hoch ist auch die zweite Hülle, die dem Umspannwerk verliehen wurde.

Erst wurde durch eine ähnliche Farbigkeit für einen einheitlichen Hintergrund gesorgt. Das Bestandsgebäude erhielt einen schwarzen Anstrich, was auch den Vorgaben des Versorgungs-Unternehmens geschuldet ist. Die Fassade sollte in ihrer Struktur unverändert bleiben und die Kosten so gering, wie nur möglich. Der Neubau passt sich mit einer Hülle aus verzinkten Stahlplatten an, ohne es zu imitieren. Dieser einheitliche Hintergrund scheint durch die Hülle aus gestapelten Gabaionen. Zum Teil sind die Gitterkästen leer, zum Teil mit blauem Kalkstein befüllt oder bepflanzt. Sie fassen das Gebäude von zwei Seiten ein und sorgen dafür, dass die kargen Fassaden verschwinden. Vom Straßenraum betrachtet treten nunmehr lediglich die drei Tonnengewölbe deutlich in Erscheinung, die dem Altbau seine besondere Silhouette verleihen. Doch auch diese könnten bald schon hinter einem Wald aus Bambus verschwunden sein. Zwischen Gebäude und Gabaionen besteht ein schmaler Gang, der zusätzlich bepflanzt wurde. Da Bambus pflegeleicht und sehr robust ist, war die Wahl schnell getroffen. Ein mit Fetthennen bepflanztes Dach komplettiert das Begrünungskonzept für das Umspannwerk.

Öffentliche Führungen und das Versteckspiel hinter Pflanzen konnten die meisten Bürger von ihren Sorgen befreien. Davor herrschte eine große Unsicherheit über die Auswirkungen einer solchen Anlage inmitten von Wohnungsbauten. Neben der Beruhigung der Bürger hat die zweite Hülle aber auch eine positive Auswirkung auf die Energiebilanz. Da die schwarze Fassade so sonnegeschützter ist, wird weniger Energie für die Kühlung der Räume benötigt.

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