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Historische Bauten sanieren – Energieeffizienz für Denkmäler und Kirchen


Historische Bauten stellen Nutzer und Planer bei Sanierungskonzepten vor besondere Herausforderungen. Häufig werden die Begriffe Energieeffizienz und Denkmalschutz sogar als Gegensätze in ihren Interessen missinterpretiert. Welche Relevanz auf europäischer Ebene dieses Forschungsthema hat, erläutert Dr. Christoph Franzen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dresdner Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen Anhalt e.V (IDK). Im Rahmen des Forschungsprojekts der Europäischen Union 3ENCULT – Efficient Energy for EU Cultural Heritage sind die Tätigkeiten von 21 Forschungspartnern in 10 Ländern gebündelt. Gemeinsam erarbeiten sie Strategien zur Steigerung der Energieeffizienz für den historischen Gebäudebestand.

Bildrechte alle: IDK

Am Beispiel zweier kleinerer Sanierungsprojekte, der Klosterkirche Marienstern sowie dem Beamtenhaus an der Zisterzienserinnenabtei Kloster St. Marienthal, erläutert Dr. Franzen Problemstellen und Lösungsansätze bei Energieeinsparmaßnahmen für historische Gebäude. Die Aufgabe des Dresdner Instituts war dabei die interdisziplinäre Entwicklung, Beobachtung und Auswertung von Konservierungs- und Restaurierungskonzepten. Wie sich Baumaßnahmen im weiteren Nutzungsbetrieb auswirken können, zeigt das Klosterkirche Marienstern. Hier führte u.a. der Einbau von Heizkörpern zu Verunreinigungen in Form von Schmutzfahnen an den Wänden. Zudem hatte der Umbau des Chorgestühls massive Auwirkungen auf die Nutzerbehaglichkeit. Thermografische Untersuchungen zeigten, dass die Nutzer Auskühlungen ausgesetzt waren, während das historische Chorgestühl vor Zugluft schützte.

Schmutzfahnen Klosterkirche Marienstern
Chorgestühl Klosterkirche Marienstern

Anhand des Beamtenhauses an der Zisterzienserinnenabtei Kloster St. Marienthal verdeutlicht Dr. Franzen die Notwendigkeit von Analyse und Konzeptentwicklung als gemeinsame Aufgabe des Planerteams. Hier wurde die Nordfassade 2010 als praxisbezogenes Forschungsprojekt mit einer Wärmedämmung revitalisiert. Allerings kam kein herkömmliches WDVS-System zum Einsatz, sondern es wurde eine Kombination von Denkmal- und Wärmeschutz umgesetzt. Die von Seiten des Denkmalamts zu erhaltenden Restputzflächen wurden gesichert und mit einem 4-5 cm starken Dämmputz ergänzt. Den Abschluss bildet die Herstellung des historischen Kalkputzes. Thermografische Aufnahmen von Nordfassde und den ohne energetische Maßnahmen sanierten Fassaden zeigen die deutliche Verbesserung.

Beamtenhaus des Klosters St. Marienthal

Auf EU-Ebene hat sich das Forschungsprojekt 3ENCULT das Ziel gesetzt, praxisorientierte Lösungen für die energetische Ertüchtigung von historischen Gebäuden im urbanen Kontext zu finden. Ein internationales Team von 22 Partnern aus den Bereichen Denkmalschutz, Stadtentwicklung, Gebäudeplanung und Industrie entwickelte in acht Fallstudien Methoden und Monitoring-Instrumente. Bei den Fallstudien bezogen sich die Forscher auf Gebäude und Gebäudeensembles aus dem 13. bis 19. Jahrhundert. Zunächst wurden die Gebäude untersucht und analysiert, um im zweiten Schritt die sowohl beste technische und energetische als auch nutzerspezifische und denkmalpflegerische Handlungsstrategien ermittelt. Zudem wurden die Resultate als Grundlage sowohl für planerische Werkzeuge und Methoden als auch für Monitoring- und Kontrollsysteme genutzt. „Ein maßgebliches Instrument stellt das Raumbuch dar“, erläutert Dr. Franzen. Hier werden nicht nur alle planungsrelevanten Daten kontinuierlich gesammelt, sondern auch energetische Aspekte eingebracht sowie historische Befunde aufgenommen und dokumentiert. Durch die heute gängige digitale Verwaltung ist eine ortsunabhängige und fächerübergreifende Nutzung möglich.

Fallstudien des Forschungsprojekts 3ENCULT
Screenshot aus dem neuartigen internetbasierten Raumbuch

Im Ergebnis sieht Dr. Franzen in der Integration energetischer und ganzheitlicher Aspekte bei der Sanierung historischer Gebäude einen erheblichen Mehrwert. Zwar fällt der Planungsaufwand größer aus, dafür erziele das Zusammenarbeiten des Planungsteams neben der Energieeinsparung maßgeschneiderte, angepasste Lösungen mit Risikoeinschätzungen aller Folgen der Sanierung. Für die Zukunft sorgen weitere Forschungsprojekte wie Co2olBricks oder Horizon 2020 für neue Erkenntnisse und Strategien für den nachhaltigen und energieeffizienten Umgang mit historischer Bausubstanz.

Vortrag von Dr. Christoph Franzen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dresdner Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen Anhalt e.V (IDK), im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Zukunft des Bauens“ von Detail research und der Forschungsinitiative Zukunft Bau des BMUB und BBSR am 10. April 2014 in der Freie Akademie der Künste in Hamburg zum Thema „Innovationen im Bestand“.  

Weitere Informationen

Dresdner Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen Anhalt e.V (IDK)
Forschungsinitiative Zukunft Bau

 

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