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Hoch hinaus mit Energiecontracting

Energiecontracting ist, wenn man es richtig betreibt, ein „Spiel“ ausschließlich mit Gewinnern – mit Ausnahme vielleicht des jeweiligen Gas- oder Erdöllieferanten. Besonders erfolgreiche Projekte hat nun der Dienstleister german contract im Rahmen seines „UmWeltmeister“-Awards ausgezeichnet, der Anfang März auf der Zugspitze verliehen wurde.

Stark verkürzt, funktioniert Energiecontracting so: Ein unabhängiger Dienstleister optimiert Heizanlagen in Liegenschaften oder tauscht sie aus mit dem Ziel, Heizenergie zu sparen. In der Regel übernimmt der gleiche Dienstleister anschließend für mehrere Jahre auch die Wartung und Instandhaltung der Anlagen. Einen Teil der eingesparten Energiekosten behält das Contracting-Unternehmen ein, um die neue Heizanlage, die Projektierungskosten und die Wartung zu finanzieren. Am Ende, so die Idee, sollen alle Seiten profitieren: der Gebäudebesitzer von der Wertsteigerung seiner Immobilie, die Mieter von geringeren Nebenkosten sowie natürlich das Contracting-Unternehmen selbst.

Energiecontracting, german contract

Wie überall, wo es Geld zu verdienen gibt, existiert jedoch auch im Bereich des Contracting die Gefahr des Missbrauchs und der Intransparenz. Der Verein „wohnen im eigentum e.V.“ kommt in seiner 2008 erschienenen „Marktübersicht Energiecontracting für Wohnungseigentümergemeinschaften und Hauseigentümer“ zu folgender Einschätzung der Lage: „Während Contracting in gewerblichen Immobilien und öffentlichen Liegenschaften schon lange anerkannt ist, treten Wohnungseigentümer dem Contracting eher mit Zurückhaltung entgegen. Ursache dafür ist zum einen das Mietrecht, das zurzeit für Vermieter noch eine große Hürde bei der Umstellung auf Contracting darstellt. Hinzu kommt, dass „schwarze Schafe“ unter den Contracting-Anbietern ihren Kunden in der Vergangenheit überteuerte Wärmepreise mit auch sonst nachteiligen Vertragskonditionen verkauft haben.“

Allerdings sähen mittlerweile selbst ehemalige Kritiker den Nutzen des Contractings, so die Studie. „Sein Potenzial, den Sanierungsstau in größeren Wohnanlagen abzubauen und Energie effizienter zu nutzen, ist heute unumstritten.“

Nach Aussage des Verbandes für Wärmelieferung e.V. zeichnen sich „saubere“ Contracting-Dienstleistungen unter anderem dadurch aus, dass der Anbieter das Risiko der effizienten Verwendung der Endenergie übernimmt. Ist dies der Fall, wird er aus purem betriebswirtschaftlichem Eigeninteresse die Energieeffizienz ständig verbessern. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Anbieter Einspargarantien abgegeben hat oder sich zur Erfüllung von Leistungsparametern in Bezug auf die zu liefernde Nutzenergie verpflichtet hat.

Wie vielfältige Contracting-Modelle inzwischen üblich sind, verdeutlicht das Beispiel des Dienstleisters german contract. Das 2005 gegründete Unternehmen, eine Tochter der Stadtwerke Neuss, bietet insgesamt vier Vertragsmodelle an: Beim Typ „Sanierung“ wird die alte Heizungsanlage demontiert, eine neue installiert und mit einem Fremdüberwachungssystem versehen, das Störungen jederzeit schnell identifizierbar machen soll. Das Modell „Neubau“ setzt dagegen bereits in der Planungsphase mit der Konzeption der Anlage. Später schließt sich ein Servicepaket durch den Dienstleister an, der dem Auftraggeber eine bestimmte Energieeinsparung garantiert.

Eine dritte Alternative bietet das „Abkaufmodell“, bei dem der Contracting-Dienstleister die Anlagen käuflich erwirbt und sie auf eigenes Risiko für bis zu zehn weitere Jahre betreibt. Beim „Betreibermodell“ schließlich bleibt der Gebäudeinhaber Eigentümer der Anlagentechnik, während der Dienstleister den Betrieb der Heizungsanlage übernimmt und optimiert. Nach Ablauf der Vertragslaufzeit wird gemeinsam ein Folgekonzept erarbeitet.

Alle Dienstleistungsmodelle umfassen Wartungen und Reparaturen, einen Notdienst sowie Schornsteinfegergebühren. Der Kunde zahlt lediglich einen Wärmegrundpreis sowie den reinen Wärmeverbrauch, wobei der Dienstleister die Einhaltung eines Jahresnutzunsgrades garantiert.

Energiecontracting, german contract


Einsparpotenziale durch Energiecontracting

Eine Reihe beispielhafter Contracting-Projekte hat german contract nun Anfang Mai mit dem erstmals verliehenen „UmWeltmeister“-Award ausgezeichnet. In der Altenwohnanlage „Parkresidenz Rahlstedt“ in Hamburg etwa übernimmt fortan ein Blockheizkraftwerk mit 82 kW thermischer Leistung die Grundversorgung mit Wärme; Spitzenlasten decken zwei 690-kW-Niedertemperaturkessel ab. Bei dieser Anlagenkonfiguration erreicht das BHKW eine Betriebsdauer von mehr als 8000 Stunden pro Jahr und amortisiert sich durch die eingesparten Stromkosten besonders schnell.

In der Wettbewerbskategorie „Wohnungsbau“ ging der Preis unter anderem an drei Mehrfamilienhäuser in Leipzig. Hier zeigte sich, welche Synergieeffekte durch die gemeinsame Wärmeversorgung mehrere Objekte möglich sind: Die insgesamt 35 Wohneinheiten erhielten ein gemeinsames Mini-Blockheizkraftwerk mit 12,5 kW thermischer Leistung sowie zwei 80-kW-Brennwertgeräte zur Spitzenlastabdeckung.

Auch die Vorschriften der EnEV 2009 und des neuen Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) zwingen viele Bauträger, die kostengünstig Wohnraum schaffen wollen, über die Wärmeversorgung ihrer Objekte neu nachzudenken. Das EEWärmeG schreibt für Neubauten vor, einen bestimmten Prozentsatz des Wärmebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Hier lassen sich erhebliche Einsparungen erzielen, indem z. B. eine gesamte Häuserzeile an einen gemeinsamen Wärmeerzeuger angeschlossen wird. Realisiert wurde ein solches Konzept von der Lechner Projectbau GmbH, dem Preisträger in der Kategorie „Neubau“. In ihrem Auftrag stattete german contract eine Gruppe von Einfamilienhäusern mit einem gemeinsamen Blockheizkraftwerk aus. Die Hauskäufer profitieren hierbei vor allem von Einsparungen durch den Wegfall individueller Gas- und Wasseranschlüsse.

Energiecontracting, german contract

Bislang, so Dirk Hunke, Geschäftsführer von german contract, sei auf dem Markt für Wärmedienstleistungen von Wettbewerb noch wenig zu spüren: „Wir erhalten lediglich 10 Prozent unserer Aufträge in einer Wettbewerbssituation mit einem anderen Dienstleister. Unser größter Mitbewerber ist noch immer das Modell „Eigenbetrieb durch den Bauherren.“ Dabei seien die Einsparpotenziale durch Contracting erheblich: Allein durch die Anlagensanierung ließen sich bis zu 40% Energieeinsparung erreichen, durch das ebenfalls angebotene Nutzungsgradmanagement mindestens 10%.

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