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"Holcim Award" in Gold geht nach Marokko


Derzeit finden in mehreren Ländern der Welt die Preisverleihungen für einen der größten Wettbewerbe nachhaltiger Architektur statt: Der im dreijährigen Turnus verliehene Holcim Award wird 2009 an Projekte aus Marokko, Vietnam, China und den USA vergeben.

Nachhaltigkeit ist ein weltweites Anliegen. Entsprechend breit angelegt hat die Schweizer Holcim Foundation auch den 2004 von ihr ins Leben gerufenen Holcim Award for Sustainable Construction. Über 5000 Projekte von Teilnehmern aus 90 Ländern wurden zum zweiten Wettbewerbszyklus 2007-2009 eingereicht. Diese wurden zunächst von regionalen Wettbewerbsjurys bewertet und die Preisträger der einzelnen Regionen Ende 2008 bei Veranstaltungen in Madrid, Montreal, Mexico City, Marrakesch und Neu Delhi gekürt.

In der zweiten, weltweiten Runde des Wettbewerbs fielen im Mai 2009 die Würfel. Die Jury unter dem Vorsitz des indischen Architekten Charles Correa vergab unter den 52 regionalen Preisträgern je einen Preis in Gold, Silber und Bronze sowie einen Innovationspreis.


Holcim Award in Gold: Plan zur Fluss-Wiederherstellung und Stadtentwicklung in Fez, Marokko
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Ein internationales Team unter Leitung der Architektin Aziza Chaouni (Marokko) und der Städteplanerin Takako Tajima (USA) will den stark verschmutzten Fluss Fez sanieren und die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Altstad von Fez, die Medina, neu beleben: Traditionelle Gerbereien werden umgenutzt, neue Plätze und Fussgängerzonen geschaffen, Feuchtzonen am Flussufer konzipiert.
Die Jury zeigte sich beeindruckt vom ganzheitlichen Programm, welches das wirtschaftliche und soziale Leben im Stadtzentrum sowie die Ökologie des Flusses verbessert: „Es handelt sich um ein vielfältiges, multifunktionales Projekt, das die Architektur der historischen Medina wiederherstellt und ein lebendiges Stadtviertel schafft“, heisst es im Jury-Kommentar.


Holcim Award in Silber: Neubau eines Universtitätscampus in Ho Chi Minh City, Vietnam
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Der Entwurf für einen neuen Universitätscampus stammt von den Architekten Kazuhiro Kojima (Japan), Daisuke Samuki (Japan) und Trong Nghia Vo (Vietnam). Der Campus ist mitten im Mekongdelta angesiedelt. Er beansprucht wenig Land und steht im Einklang mit seiner natürlichen Umgebung, die von überfluteten Reisfeldern, Mangrovenwäldern, Wind und Wasserströmungen geprägt ist. Tageslicht und Regenwasser werden genutzt, natürliche Belüftung und Beschattung ersetzen Klimaanlagen weitgehend, eine Photovoltaik-Anlage liefert Energie. Für optimale Ventilation sorgt die traditionelle lokale Bauweise: Die mit Backsteinen ausgefüllte Betonstruktur wird mit einer Fassade aus Bambusgeflecht oder Mangrovenholz verkleidet.
Die Jury urteilte: „Sanft gebogene Ovale charakterisieren die Gebäude; die Überschneidungen schaffen eine Vielzahl grosser Hallen und kleiner Räume. Sie erlauben der Universität, sich organisch einzurichten und sich an neue Ideen und Bedürfnisse anzupassen.“


Holcim Award in Bronze: Planung ländlicher Siedlungen bei Beijing, China
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Das umfassende Konzept der Architekten Yue Zhang (China) und Feng Ni (China) soll verhindern, dass noch mehr Leute aus dem Dorf in die Stadt ziehen. Es vereint Denkmalschutz, traditionelles Wissen, moderne Technologie und professionelles Projektmanagement. Das Projekt verbessert die öffentliche Infrastruktur; es bietet wirksame Instrumente gegen Umweltverschmutzung und Zersiedelung und gegen den Verlust von Kulturland. Die Planung gilt als vorbildlich für die nachhaltige Entwicklung ländlicher Gemeinden in boomenden Wirtschaftsregionen.
Als eine der herausragenden Eigenschaften des Projekts bezeichnete die Jury „die sorgfältige Analyse der bestehenden materiellen und kulturellen Gegebenheiten der gegenwärtigen Siedlungen, ihrer Bevölkerung, der baulichen Dichte und Biodiversität.“


Innovationspreis: Unterstand für Tagelöhner in San Francisco, USA
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Das Konzept für den modular aufgebauten Unterstand wurde von Liz Ogbu (USA) und John Peterson (USA) von Public Architecture entworfen. Die flexible Struktur bietet Regenschutz, Sitzgelegenheiten, sanitäre Anlagen und eine Küche. Mit wenigen Handgriffen lässt sich der Unterstand in ein Schulungszimmer verwandeln. Ökologische und wieder verwertbare Materialien reduzieren Umweltbelastung und Kosten.
Die Jury zeigte sich von seinem weit reichenden Einfluss auf die Gesellschaft beeindruckt: „Das Gebäude entschärft eine Situation, die von Nachbarn als störend und von Ordnungskräften als kaum zu bewältigend wahrgenommen wird. So dehnt sich der Nutzen weit über den Kreis der Tagelöhner hinaus.“

Die Holcim Awards for Sustainable Construction
Die Holcim Awards zeichnen herausragende Beiträge zum nachhaltigen Bauen aus allen Disziplinen (Architektur, Landschaftsarchitektur, Ingenieurwesen, Stadtplanung) und in allen Größenordnungen aus. Zugelassen sind ausschließlich noch nicht realisierte Projekte.

In jedem dreijährigen Wettbewerbszyklus werden insgesamt 2 Millionen US-Dollar Preisgeld ausgeschüttet. Es gibt zwei Wettbewerbskategorien: eine Hauptklasse, die für alle Einreicher offen ist und in der Bauvorhaben prämiert werden, deren Realisierung bereits absehbar oder zumindest wahrscheinlich ist. In einer zweiten Kategorie werden visionäre Projekte ohne Rücksicht auf eine beabsichtigte Umsetzung bewertet.

Noch in diesem Sommer plant die Holcim Foundation die Herausgabe einer Buchdokumentation „The Second Holcim Awards“ (ISBN 3-7266-0084-1) über den Wettbewerb.
zur Website der Holcim Awards

zur Website der Holcim Foundation


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