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OMA, London Design Museum, John Pawson, Reinier de Graaf, Holland Green

Holland Green: Wie Luxusapartments das London Design Museum finanzieren

Ermöglicht wurde die äußerst kostspielige Sanierung der kühnen Stahlbetonkonstruktion durch einen findigen Investor. Nach jahrelangem Leerstand, bot er der Stadt an, das Gebäude zu retten – unter der Bedingung drei Blocks mit Luxusapartments auf dem attraktiven großzügigen Grundstück südlich des Holland Parks zu errichten. Den Wettbewerb für den Masterplan gewann 2007 OMA gemeinsam mit den Landschaftsplanern West 8. In der Ausführungsphase kamen Allies Morrison dazu, den Innenausbau des Design Museum schließlich entwarf John Pawson.

Die unkonventionelle Symbiose aus Luxusapartments und Museum in unmittelbarer Nähe scheint sich bereits jetzt bezahlt zu machen. Allein in den ersten vier Wochen seit der Eröffnung am 24. November haben 100 000 Besucher das Museum besucht, das sind bereits halb so viele Besucher wie im gesamten Jahr am alten Standort. Die Betreiber rechnen mit 650 000 Ticket-Verkäufen im ersten Jahr.

Im Gegensatz zu den einst geschwungenen Brüstungen der Ausstellungshalle um die ovale Öffnung, hat John Pawson das heutige Interior streng orthogonal organisiert. Die große Halle kann für Veranstaltungen gemietet werden und ist daher neutral gestaltet, fast ohne Exponate. Versatzstücke des Altbaus wurden in die Oberflächen integriert: der weiße Marmorboden ist wie ein Fries über die gesamte Wand der ersten Galerie gelegt. Historische, farbige Glasfenster finden sich im Erdgeschoss und das gewölbte, dem Erdball nachempfundene Relief der Erdkugel mit sämtlichen Commonwealth-Staaten ziert den Flur im Untergeschoss. Einst war das Gebäude zur Präsentation der Commonwealth-Staaten errichtet worden, Geldnot des Instituts und zunehmende Verwahrlosung und ein unzureichender bauphysikalischer Standard führten 2002 zum Leerstand.  Dass das Gebäude ausgerechnet im Jahr des Brexit eröffnet werden würde und damit eine neue Phase britischer Isolation markiert, war allerdings nicht geplant.

Der vorderste der drei hellen Wohn-Würfel mit Kalksteinfassade schiebt sich bis vor an die Kensington High Street und nimmt im Erdgeschoss den Museumsshop bildet das Eingangsportal zum Gelände: Unter dem ausgehöhlten Würfel wird der Besucher in die Tiefe des Grundstücks geführt, in dessen Mitte das geschwungene Kupferdach aus dem Jahr 1962 steht. Dem äußeren Anschein nach ist es unverändert. Tatsächlich konnte aber nur die Dachkonstruktion, die auf vier diagonalen Pfeilern aufliegt, erhalten werden. Jeweils zwei der vier Eck-Pfeiler liegen außen sichtbar, die zwei anderen verlaufen im Inneren des Gebäudes. Diese Assymmetrie gibt dem Dach eine zusätzliche Dynamik. Komplett neu ist jedoch die bläuliche Glasfassade. Einst war hier nur ein mit Einscheibenverglasung belichteter Umgang an der Außenseite komplett geschlossener Massivwände, der aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war. Die neuen Anforderungen an Tageslicht in den um die zentrale Halle gelegenen Räumen machte die Öffnung der massiven Wände erforderlich. Die neue Isolierverglasung ist mit einem Punktraster bedruckt, das außen blau eingefärbt ist und auf der Innenseite schwarz. So tritt es beim Ausblick in den Park visuell in den Hintergrund. An den zwei Fassaden des Museums, die unmittelbar gegenüber der Wohnhäuser liegen, sind die Scheiben transluzent gehalten, um die Privatsphäre der nur wenige Meter entfernten Wohnungen nicht zu stören.

Die drei Wohngebäude sind unterirdisch mit einer großzügigen Tiefgarage verbunden, von der aus die Besucher auch in den unterirdischen Spa-Bereich gelangen. Die Oberlichter des grottenartigen Raums treten an der Oberfläche als Bullaugen in Erscheinung. Den besten Blick auf die komplex geschwungene Dachform des Museums hat man von den oberen Wohnungen aus und den auskragenden Erkern.

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