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Hotel, Werdenfelserei, Garmisch-Partenkirchen, Stampfbeton, Holz

Holz und Stampfbeton für ein Hotel in Garmisch-Partenkirchen

In Bayern erstreckt sich von Mittenwald bis nach Farchant die Region Werdenfelser Land, der Name geht auf die Burg Werdenfels zurück und nun lehnt auch ein 2017 fertiggestelltes Hotel daran an: die Werdenfelserei. Bauherren- und Gastgeberfamilie Erhardt ließ ihre neue Herberge auf dem Gelände eines ehemaligen Kneippkurheimes errichten, das vormals einer historischen Hofanlage aus den 1940er Jahren angehörte und bis heute unmittelbar an den Michael-Ende-Park in Garmisch-Partenkirchen angrenzt. Die beauftragten Architekten w2 Manufaktur aus dem österreichischen Leogang erinnern mit ihrem Entwurf und der Bauweise bewusst an traditionelle regionale Heu-Scheunen und bäuerliche Nutzbauten an.

Alte Bauweise, neu interpretiert
Eines der besonderen Merkmale des Neubaus ist die hier verwendete »Stampfbetonwand«, die das Gebäude rahmt. Dabei wurden verschiedene Betonarten mit unterschiedlichen Betonfarben und -körnungen gemischt. Stampfbeton ist eine Jahrhunderte alte Bauweise, wird traditionell schichtweise eingefüllt und quasi gestampft, also per Hand verdichtet. So entsteht die mit Abstufungen strukturierte Form. Erdgeschoss sowie Keller und Tiefgarage sind aus dem Betonwerk umgesetzt.

Elementierter, vorgefertigter Holzbau
Alle Wände und Decken des fünfgeschossigen Gebäudes sind in Massivholzbauweise errichtet. Die Holzbauweise über so viele Geschosse erforderte gemäß BayBo die Gebäudeklasse 5. Alle tragenden Wände, Pfeiler und Stützen mussten die bauaufsichtliche Anforderung »feuerhemmend« erfüllen. Der spezielle Wandaufbau beginnt von außen nach innen mit einer Lärchenholz-Boden-Deckelschalung, sägerau gebürstet und vertikal aufgebracht, die aus brandschutztechnischen Vorgaben ohne Hinterlüftung und mit horizontalen Brandschürzen ausgeführt wurde. Davor gelegt wurde eine Winddichtungsbahn und eine kreuzweise verlegte Wärmedämmung aus Mineralwollplatten mit sehr hohem Schmelzpunkt. Die Massivholzdeckenkonstruktionen wurden durch spezielle Schallschutzeinlagen von den Wandkonstruktionen getrennt.

Dominierendes Holz innen und außen
Mehrere heimische Holzarten wurden für den Bau verwendet: Fichte in den Vollholzwänden, Lärche für die Fassade, und im Inneren Zirbe für die Betten und den Wellnessbereich. Das Material hat sogar symbolischen Charakter: Herzstück des Hotels in der Lobby ist ein Baum, der mit den Wurzeln nach oben zeigt und dadurch auf die Aspekte Heimat und örtliche Verwurzelung anspielt. Im Inneren legten die Architekten besonderen Augenmerk auf die Ausrichtung der offenen Sichtachsen. So wird der Blick von allen Räumen und Gängen aus immer wieder gezielt zur umliegenden Bergwelt, zu den Kirchtürmen und in den angrenzenden Kurpark gelenkt.

Natur auch in der Innenarchitektur
Den Architekten war es wichtig, die Massivholzwände im Innenbereich ohne weitere Vorbehandlung sichtbar zu belassen. Die Oberflächen der Wände wurden nur gehobelt und geschliffen, die Untersicht ist als unbehandelte Massivholzdecke ebenfalls sichtbar. In den Studios und Suiten dominieren die duftende Zirbe, die Farben Naturweiß und Grau sowie Akzente in Weinrot. Der Boden ist durchgängig mit großformatige Eichendielen belegt. Dazu wurden etwa Lampenschirme mit getrocknetem Bergheu sowie einige Wände mit Rinde oder Moos verkleidet.

Raumangebot und Energiekonzept
Zwei barrierefreie Studios gehören zum Haus, wobei die halböffentlichen Bereiche des Hotels von der Tiefgarage bis zum Wellnessbereich durchgehend barrierefrei ausgeführt sind. Ein rund 900 m2 großer, zweigeschossiger Spabereich mit Rooftop-Pool und Blick zur umliegenden Gebirgslandschaft sowie ein Konferenzbereich sind ebenso Teil der Anlage. Ein umfassendes Energieeffizienzkonzept sorgt dafür, dass das Hotel den Energiebedarf des vorgegebenen EnEV-Wertes um ein Vielfaches unterschreitet. Angeschlossen ist das Gebäude an das Fernwärme-Netz der Stadt Garmisch-Partenkirchen, darüber hinaus bezieht es Ökostrom. Auf dem Dach befindet sich zudem eine 43,8 kWp Photovoltaikanlage, die mindestens 10 % der gebrauchten elektrischen Energie selbst zu erzeugt.

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