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Holzstapel am Ruhestein: Wettbewerb für Nationalparkzentrum entschieden

Vor rund einem Jahr wurde nach langen kontroversen Diskussionen der Nationalpark Nordschwarzwald eröffnet. Bis 2018 soll in dem Naturreservat nun auch ein adäquates Besucherzentrum entstehen. Den Wettbewerb dazu gewann eine interdisziplinäre Arbeitsgemeinschaft unter Federführung der Architekten Sturm + Wartzeck.

Besucherzentrum Nationalpark Nordschwarzwald, Ansicht Süd
Ansicht Süd

160 Teilnehmer, insgesamt 212.000 Euro Preisgelder und eine auf 20,5 Millionen Euro gedeckelte Bausumme – das sind die wichtigsten Eckdaten des zweistufigen Realisierungswettbewerbs für das neue Besucherzentrum im Nationalpark Nordschwarzwald. Standort wird der Ruhestein sein, eine 900 Meter hoch gelegene Passhöhe unweit von Baden-Baden an der Schwarzwaldhochstraße.

Am 12. Februar tagte die Jury zum zweiten Mal, um aus den 22 Einreichungen für die zweite Wettbewerbsphase Sieger und Platzierte auszuwählen. Mit den Architekten Jörg Aldinger, Andreas Cukrowicz und Johannes Kaufmann, dem Tragwerksingenieur Jan Knippers sowie dem Energieplaner Matthias Schuler war sie ähnlich interdisziplinär besetzt wie die Bewerbergemeinschaften, die um den Wettbewerbssieg wetteiferten. Ihnen mussten je ein Architekt, ein Tragwerksplaner, ein Energieplaner und ein Landschaftsarchitekt angehören.

Besucherzentrum Nationalpark Nordschwarzwald, Lageplan
Lageplan

Die voraussichtlichen Architekten des neuen Nationalparkzentrums kommen aus Osthessen und haben bereits einschlägige Erfahrungen im Holzbau: Dreimal gewannen Jörg Sturm und Susanne Wartzeck mit ihrem Büro aus Dipperz bereits den Hessischen Holzbaupreis. Zum Ruhestein-Wettbewerb waren sie mit den Tragwerksplanern Schlaich, Bergermann und Partner aus Stuttgart, den Energieplanern EWT Ingenieure aus Grebenhain sowie dem Büro [f] landschaftsarchitektur aus Bonn angetreten.

Besucherzentrum Nationalpark Nordschwarzwald, Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss

Ihr Siegerentwurf für den 3000 m² großen Neubau ist von einem Totholzstapel inspiriert, wie er in naturbelassenen Wäldern häufiger anzutreffen ist. Selbstredend besteht auch die Tragkonstruktion des Gebäudes weitgehend aus Holz – genauer: aus Brettsperrholzwänden sowie im Bereich der Fensterbänder aus Brettschichtholzbalken, die zwischen den Auflagerpunkten große Distanzen überspannen müssen. Mit einer Außenverkleidung aus Holzschindeln führt der Entwurf die Totholz-Analogie auch bei der Oberflächenstruktur des Neubaus fort. Die Flachdächer sollen mit Holzhackschnitzeln und Holzbohlen belegt werden und mit der Zeit vermoosen. Im Gegensatz hierzu sollen die Innenoberflächen der Riegel aus glatt gehobeltem und geschliffenem Holz bestehen.

Besucherzentrum Nationalpark Nordschwarzwald, Blick vom Skihang auf das Besucherzentrum
Blick vom Skihang auf das Besucherzentrum

Das Raumprogramm des Neubaus umfasst ein Kino für 100 Personen, Dauer- und Wechselausstellungsflächen, museumspädagogische Räume, einen Laden sowie Lagerflächen. Nur an zwei Stellen wird das Holztragwerk durch Stahlträger ergänzt oder ersetzt: im oberen Ausstellungsriegel sowie in dem markanten Ausstellungsturm, der den Gebäudekomplex auf der Talseite im Süden überragt. Zwischen ihm und dem Hauptgebäude soll sich ein offener »Skywalk« spannen, der über die Baumwipfel hinaus talwärts der Aussicht entgegen führt.

Besucherzentrum Nationalpark Nordschwarzwald, Skywalk
Skywalk

Einige Meter tiefer soll inmitten der Baumwipfel ein zweiter »Baumkronenpfad« entstehen. Seine Realisierung ist jedoch vorerst noch unsicher; möglicherweise wird er auch noch zu einem späteren Zeitpunkt gebaut. Sicher hingegen scheint, dass das Nationalparkzentrum im Passivhausstandard realisiert wird. Dafür erhalten die Brettsperrholzwände eine zusätzliche, außen liegende Dämmung. Zur Beheizung schlagen die Energieplaner die wohl nahe liegendste Lösung vor: eine Holzhackschnitzelanlage, versorgt mit Brennstoff direkt aus dem Schwarzwald. Die Abwässer aus dem Neubau sollen in eine Pflanzenkläranlage gelangen, die als sichtbares Lehrobjekt für ökologische Gebäudetechnik fungiert. Die Ausstellungsräume erhalten zwar eine mechanische Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung, aber keine aktive Kühlung. Die Energieplaner rechnen damit, hierauf verzichten zu können, indem sie die Frischluft direkt aus dem Wald ansaugen und so die natürliche Verdunstungskühlung durch die Bäume ausnutzen.

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