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Hotel Kameha Grand in Bonn

Wie eine Welle aus Glas und Stahl steht das 2009 eröffnete Fünf-Sterne-Hotel am Bonner Rheinbogen und heimste seither etliche Preise ein. Einen ganz neuen Grandhotel-Stil entwickelte Designer Marcel Wanders für die Inneneinrichtung.

Nicht nur der renommierte Hotel-Führer »Schlummer-Atlas« hat das Fünf-Sterne-Haus mit Lorbeeren überhäuft und ihm den Titel » Hotel des Jahres 2011« verliehen. Für den Diners Club Magazin Award ist das Kameha Grand gar das »Hotel des Jahres weltweit«. Dazu gesellen sich der Location Award 2011 »Bestes deutsches Hotel«, der Mipim-Award 2010, das Best Business Hotel 2010 und der International Property Award 2010.

Die Auszeichnungen sprechen natürlich nicht nur für das Hotel-Management, sondern auch für sein Interior-Design und vor allem für den Bonner Architekten Karl-Heinz Schommer. Er gestaltete des Kameha Grand wie eine Welle des Rheins, an dessen rechtem Ufer es steht. Ein nachhaltiges Konzept und eine klare Formensprache waren ihm wichtig. »Mit den sich zum Rheinufer verjüngenden Gebäudespangen und den großen eingeschnittenen Dachterrassen haben wir eine unverwechselbare, weiche Gebäudeform geschaffen«, sagt Schommer.

Hotel Kameha Grand in Bonn
Quelle: Kameha Grand
Lageplan: Architekturbüro Schommer
Lageplan: Architekturbüro Schommer

Da sich die beiden Hotelspangen trapezförmig zum Rhein hin verjüngen, stehen die Außenseiten der Hotelzimmer schräg zum Rhein und ermöglichen den Hotelgästen den Blick auf das Rheinufer. Die beiden Spangen umfassen von der Eingangsseite bis zur Rheinterrasse eine offene, transparente Zone. Darin befinden sich die Lobby, das nach oben offene Atrium und die nach oben komplett verglaste Eventhalle. So blickt der Gast schon vom Eingang aus durch das gesamte Gebäude und über die Freiterrasse zum Rhein.

Hotel Kameha Grand in Bonn
Quelle: Kameha Grand

Das Herz des Kameha Grand bildet der Kameha Dome, eine große, multifunktionale Veranstaltungshalle. Diese weitet sich trapezförmig zum Rhein hin auf und bietet einen atemberaubenden Bilck auf die Rheinlandschaft. Mit ihren Ausmaßen erinnert sie an die Großzügigkeit der englischen Glashallen und der Passagen des 19. Jahrhunderts: Höhe 21 m, Länge 55 m, Breite zwischen 24 m und 30 m. Die gläserne Halle fällt dynamisch zum Rhein hin ab.

Schnitt der Halle von Architekturbüro Schommer
Schnitt der Halle, Zeichnung: Architekturbüro Schommer

Das Fünf-Sterne-Hotel steht zwischen den zwei Ziegelbauten, der »Rohmühle« und dem rheinseitigen Baukörper des Bauteils C. Das Kameha Grand sollte im Dialog dazu vollkommene Transparenz und Leichtigkeit ausdrücken, deshalb kam der äußeren Ausformung des Hotels besondere Bedeutung zu:

Die straßen- und rheinseits zunächst schräg nach oben aufstrebende und zum Rhein hin gekrümmte, abfallende Gebäudesilhouette verfolgt zum einen das Ziel der Orientierung zum Rhein, zum anderen sollte die gewählte Form zum unverwechselbaren Erscheinungsbild werden. Um die Orientierung zum Rhein hin zu gewährleisten, fällt die Geschossigkeit straßenseitig von 6 Geschossen bis zu 3 Geschossen rheinseitig ab. Eine elegante Ausstrahlung erhält das Hotel durch seine Verkleidung mit rollverformten Profiltafeln aus silbergrauem Aluminium und die filigrane Glaskonstruktion der Halle.

Kameha Grand Hotel in Bonn
Quelle: Kameha Grand
Kameha Grand Hotel in Bonn
Kameha Grand

Auf der einen Seite war es das architektonische Ziel, die Innenräume großzügig miteinander zu verschmelzen, auf der anderen Seite sollten in vielfältigster Weise Wohlfühloasen in der »Wohnung auf Zeit« entstehen: die Lobby mit dem Kamin, das Atrium mit seinen übergroßen, 5 m hohen goldfarbenen Blumentöpfen mit 12 m hohen Bäumen, die Eventhalle in Verbindung mit dem Restaurant, sowie die Rheinbar.

Zeichnung vom Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss, Zeichnung: Architekturbüro Schommer
Zeichnung vom Grundriss 1. OG
Grundriss 1. OG, Zeichnung: Architekturbüro Schommer
Zeichnung vom Grundriss 2. OG
Grundriss 2. OG, Zeichnung: Architekturbüro Schommer
Zeichnung vom Grundriss 3. OG
Grundriss 3. OG, Zeichnung: Architekturbüro Schommer
Zeichnung vom Grundriss 4. OG
Grundriss 4. OG, Zeichnung: Architekturbüro Schommer
Zeichnung vom Grundriss 5. OG
Grundriss 5. OG, Zeichnung: Architekturbüro Schommer

Kameha Dome

Das Tragwerk der Halle besteht aus geschweißten Hohlkastenprofilen aus Stahl. Alle Träger haben die gleichen Außenabmessungen, weisen aber je nach Beanspruchung variable Wandstärken auf. So wird ein homogenes Erscheinungsbild bei gleichzeitiger Gewichtsminimierung gewährleistet. Die jeweils nur 140 mm breiten Profile sind optimal auf die Anforderungen der Gebäudehülle abgestimmt. Neben ihrer tragenden Funktion dienen sie auch als Kabeltrassen.

Das Haupttragwerk des Hallendachs wird durch sechs Träger gebildet, die durch Doppelseile (Durchmesser: 36 mm) und runde Luftstützen unterspannt sind. Diese parallel zum Rhein liegenden Hauptträger haben einen Abstand von jeweils 8,1 m zueinander. Die letzten beiden Träger auf der vom Rhein abgewandten Seite sind durch sich x-förmig kreuzende Zugstäbe (Durchmesser: 36 mm) miteinander verbunden. Diese von der Rheinseite nicht wahrnehmbare Verbindung dient der horizontalen Aussteifung der Dachkonstruktion. Die Hauptträger sind an einem Ende gelenkig an der angrenzenden Stahlbetonkonstruktion des Hotels gelagert. Am anderen Ende sind sie mittels Kulissensteinen entlang der Trägerachse beweglich gelagert. Temperaturzwängungen können so minimiert werden.

Im rechten Winkel zu den Hauptträgern verlaufen neun Sekundärträger. Diese Sekundärträger sind im Bereich der dem Rhein zugewandten Fassade gebogen und gehen schließlich in die Fassadenpfosten über. Gleiches gilt im Bereich der Innenhoffassade, dort allerdings ohne vorherige Krümmung der Sekundärträger. Die Sekundärträger wurden auf der Baustelle mit den Hauptträgern verschweißt. Die Verbindungen zwischen den einzelnen Tragelementen konnten so sehr filigran und mit minimalem Materialeinsatz gestaltet werden.

Die Fassadenpfosten sind an beiden Seiten der Halle durch Bolzen gelenkig gelagert. Um die Montage zu vereinfachen, wurde darüber hinaus auch der biegesteife Anschluss der Sekundärträger an die Fassadenpfosten im Bereich des Innenhofs durch vier Bolzen konstruiert. Dieses Detail weicht gestalterisch dank der Verwendung einer 68 mm dicken Mittellasche nur minimal von den regelgeschweißten Knoten ab. Das einheitliche, sehr zurückgenommene Erscheinungsbild des Stahltragwerks wurde so auch hier gewahrt.

Tragwerk Kameha Grand

Das Tragwerk des Kameha Grand ist als Stahlbetonbau in Schottenbauweise errichtet worden. Durch die außergewöhnliche Architektur und die besonderen Anforderungen aus der Nutzung weist die Konstruktion einige Besonderheiten auf:

Die gekrümmte Außenhaut wurde über alle Geschosse als tragendes Element genutzt und als Schalentragwerk bemessen. Eine weitgehende Stützenfreiheit vor allem im Erdgeschoss erforderte die Ausbildung von wandartigen Trägern und Abfangekonstruktionen mit Verbundträgern und Verbundstützen. Für die Einleitung der Lasten in die Verbundstützen wurden besondere Anschlussdetails in Stahlbauweise konstruiert.

Um den Eventsaal stützenfrei ausbilden zu können, wurden in den darüber liegenden Geschossen zwei Flurtrennwände als wandartiger Träger genutzt und die Fassade als tragendes Element (Vierendeelträger) in die Konstruktion integriert. Die Stützweite dieser Bauteile beträgt ca. 28 m.

Die Brücke, die sich zur Verbindung der Gebäudeflügel im dritten Obergeschoss befindet, wurde als unterspannte Stahlkonstruktion mit einer Stützweite von 28 m ausgebildet.

Für die Auflagerung der Stahlträger des Glasdaches über dem Atrium auf dem Massivbaukörper wurden spezielle Details in Stahl- und Stahlverbundbauweise entwickelt. Dabei musste auch berücksichtigt werden, dass Verformungen des Glasdaches und Toleranzen aus Fertigung und Montage ausgeglichen werden müssen.

Das sehr anspruchsvolle Tragwerk erforderte ein besonders Bauablaufkonzept, das auch umfangreiche Hilfsabstützungen im Bauzustand bis zum Zeitpunkt der Tragfähigkeit der Konstruktionen beinhaltete.

Nachhaltigkeit / Klima

Für das Glasdach im Bereich der Halle ist ein Sonnenschutzglas zur Ausführung gekommen. Zusätzlich wurde auf der Rauminnenseite ein Blendschutz /Sonnenschutz zwischen den Stahlbindern der Konstruktionsachsen angeordnet.

Zur Erreichung komfortabler Klimabedingungen wurde die Fassadenkonstruktion mit wassergefüllten Systemen zum Heizen und Kühlen zur Ausführung vorgesehen, so dass in Verbindung mit den Fußbodenheiz- und -kühlflächen angenehme Klimabedingungen entstehen. Die Profile werden über eine Geothermieanlage mit einem akquiferen Speichersystem mit Wasser gespeist, so dass die Energieausbeute durch eine Trennung zwischen Sommer- und Winterbetrieb optimiert wird.

Inneneinrichtung vom Kameha Grand Hotel
Quelle: Kameha Grand

Inneneinrichtung

Die Einrichtung des Hotels hat der niederländische Interior-Designer Marcel Wanders inszeniert. Er verzichtete auf noblen, aber sich doch immer wiederholenden Business-Luxus. Stattdessen gibt es Zimmer zu bestimmten Themen, etwa mit Boxhandschuhen, Kitsch in pink, Dart-Scheibe oder Schminktisch. Wanders verschrieb den riesigen Räumen überdimensionierte Kronleuchter, Sessel und Säulen und setzt damit historische Vorlagen überspitzt ein.

Inneneinrichtung vom Kameha Grand Hotel
Quelle: Kameha Grand

Warmtönige Materialien im Innenbereich setzen sich ab von der technischen Aluminiumkonstruktion des Daches und der Fassade sowie der Stahlkonstruktion der Glashalle. Marcel Wanders entwickelt sein Design von innen nach außen. Ein wesentliches Motiv, mit dem er spielt und das er vielfach variiert, ist die »Kameha Blume«.

Einrichtung im Kameha Grand
Quelle: Kameha Grand
Zimmer im Kameha Grand Hotel
Quelle: Kameha Grand

Die Zimmer

Das Kameha Grand verfügt im 1. bis 5. OG über 190 Doppelzimmer mit einer Durchschnittsgröße von 30 m² und einer durchgängigen lichten Raumhöhe von 3,10 m. Die bodentiefen Fenster mit den sich zum Rhein hin verjüngenden Hotelspangen sichern den Blick in die Landschaft. Hinzu kommen jeweils 30 Junior Suiten und Suiten mit einer Durchschnittsgröße von ca. 45 m² und 55 m², drei King Suiten mit einer durchschnittlichen Größe von 125 m² und einer Royal Suite mit einer Größe von 240 m².

Mit der Abkehr von weißem Minimalismus, mit lebendigen Farben und einem Ausdruck von Lebenslust vermittelt das Kameha ein ganz neues Bild vom Begriff »Grandhotel«. Der Designer bezeichnete das Hotel als »Ort, der sexy und cool ist«. Architekt Karl-Heinz Schommer: »Gerade die Kombination unserer Architektur zusammen mit dem Design von Marcel Wanders wird sicher in der Erinnerung der Gäste bleiben.«

Bar im Kameha Grand
Quelle: Kameha Grand

Der Kameha Dome fasst 850 Sitzplätze, der große Tagungsraum 500, drei weitere 300 bzw. 100 Plätze. Dazu kommen mehrere kleinere Besprechungsräume. Neben dem großen Restaurant an der Rheinterrasse gibt es drei weitere Bars und im Dachgeschoss eine Soushi-Bar mit Dachterrasse.

Wellness-Bereich im Kameha Grand Hotel
Wellness-Bereich, Quelle: Kameha Grand
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