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Hungerhonorare ade: Projektentwicklung bringt das Geld

Warum soll ein Planer mit Auftraggebern über meistens noch unauskömmliche Honorare streiten? Andreas Becher, freiberuflicher Architekt und Generalplaner aus Berlin, hat auf diese Frage irgendwann seine persönliche Antwort gefunden. Er hat sich entschlossen, als Projektentwickler tätig zu sein. Mit dem Ergebnis ist er so zufrieden, dass er im folgenden Interview alle Kollegen dazu ermuntert, es ihm gleichzutun. Das Interview führte Günter Göbel, stellvertretender Chefredakteur von Planungsbüro professionell.

Andreas Becher, freiberuflicher Architekt und Generalplaner aus Berlin
Andreas Becher: „Machen Sie <br>Projektentwicklung und verdienen <br>Sie endlich gerechte Honorare!“

Redaktion: Herr Becher, Projektentwicklung betreiben einige, wenige Kollegen. Noch viel weniger reden darüber. Sie sind eine Ausnahme. Sie brechen eine Lanze dafür und raten Kollegen öffentlich, es Ihnen nachzutun. Was war bei Ihnen eigentlich der Anlass, sich mit dem Thema Projektentwicklung zu befassen?

Herr Becher: Die Fertigstellung der Atelierhäuser am Königsweg in Berlin, die ich mit meiner Familie und Freunden geplant und gebaut habe und auch heute noch bewohne.

Redaktion: Wie würden Sie beschreiben, was ein Projektentwickler tut bzw. Ihrer Meinung am besten tun sollte?

Herr Becher: Der Projektentwickler nimmt die klassischen Zutaten für eine Projektentwicklung: Grundstück, Idee und Kapital – mischt diese zusammen und formt daraus ein Projekt.

Redaktion: Viele Kollegen wollen sich mit dem Thema nicht befassen, weil sie befürchten, als Projektentwickler nicht mehr ihre originären Architektenrolle als „Treuhänder des Bauherrn“ wahrnehmen zu können. Teilen Sie diese Meinung?

Herr Becher: Nein, diese Meinung teile ich nicht. Warum sollte ich nur „Treuhänder des Bauherrn“ sein, wenn ich selbst die Position des Bauherrn einnehmen kann?

Redaktion: Wie haben Sie sich zum Projektentwickler „entwickelt“? Was mussten Sie dazu lernen?

Herr Becher: Learning by Doing – Das Handwerkszeugs der klassischen Architektenleistungen sollte vorhanden sein. Daneben sollte man die vier Grundrechenarten beherrschen und ein paar ganz einfache kaufmännische Regeln beherzigen. Mehr Einnehmen als zuvor Ausgeben, wäre so eine Regel.

Redaktion: Wie lange hat diese Lernphase gedauert?

Herr Becher: Die Lernphase dauert noch an. Das verzwickte ist, je tiefer ich in die Thematik einsteige, desto mehr habe ich das Gefühl, keine Ahnung zu haben. Es lauern formale, steuerrechtliche und oder juristische Fallstricke zu jedem Zeitpunkt eines Projekts.

Redaktion: Welche Kernkompetenzen braucht ein Projektentwickler, die ein Architekt oder Ingenieur nicht hat?

Herr Becher: Ich wüsste keine Kernkompetenzen für einen Projektentwickler, die ein freischaffender, selbstständig arbeitender und kaufmännisch denkender Architekt nicht ohnehin schon hat.

Redaktion: Wie leben Sie die Zweiteilung in Ihrem Büro?

Herr Becher: Mal übernehme ich die Bauherrenrolle und mal die des Architekten. Ganz ehrlich: Manchmal fällt man dabei auseinander. Angenehm ist es, wenn man einen gleichberechtigten Partner hat, mit dem man diese Rollenverteilung abwechseln kann. Aber das Schöne ist, das wir alleine entscheiden können, wo wir unser Geld verbraten: Weniger Honorar einnehmen, mehr Rendite als Bauträger erwirtschaften oder das Geld in die Qualität unserer Produkte stecken.

Redaktion: Hat das Auswirkungen auf Ihre Außendarstellung? Trennen Sie die beiden Sachen im Büro und / oder bei der Leistungsdarstellung nach Außen?

Herr Becher: Die strikte Trennung nach Innen und Außen ist eine ganz wichtige Angelegenheit. Nicht nur wegen potenzieller Auftraggeber/Geschäftspartner, sondern auch für die schnöde Buchhaltung und die Belange der Finanz- und Aufsichtsbehörden.

Redaktion: Werden Sie von bisherigen klassischen Auftraggebern anders (skeptischer) wahrgenommen, seit sie auch Projektentwickler sind?

Herr Becher: Das Gegenteil ist richtig. Wir empfehlen inzwischen jedem potenziellen Auftraggeber in Akquisegesprächen, die Kollegen zu fragen, ob sie schon einmal für sich selbst gebaut haben und die Schmerzen kennen, wenn das Geld knapp wird. Das zieht meistens immer, weil sich jeder Bauherr freut, wenn sein Architekt auf die Kasse aufpasst.

Redaktion: Wie hat sich die Honorarsituation entwickelt: Einnahmen aus Projektentwicklung versus solchen aus dem Architekturbüro?

Herr Becher: Wenn wir die Einnahmen aus der Projektentwicklung einschließlich des Bauträgergewinns zugrunde legen, wage ich gar nicht, einen solchen Vergleich anzustellen. Dies nicht etwa deshalb, weil ich der Meinung wäre, das Architektenhonorare viel zu hoch seien. Im Klartext: Der Projektentwickler erzielt deutlich höhere Renditen, mit weniger Personal als dies ein Architekt jemals könnte.

[…]

Das vollständige Interview mit weiteren Fragen unter anderem zur Risikosteuerung lesen Sie bei Planungsbüro professionell.

Quelle: Planungsbüro professionell, Ausgabe 01/2013, Seite 18

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