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Hybride Konstruktionen, München, Zukunft des Bauens 2019

»Hybride Konstruktionen«, München // Rückblende

Die Definition des Themenspektrums einer »hybriden« Bauweise war dabei ein Aspekt, der zu Beginn der Veranstaltung unter den Experten diskutiert wurde. Neben den geladenen Referenten nahmen noch Brigitte Fiedler, Messe München, und Patrick Schaaf, Peikko, als Vertreter der Partnerunternehmen an der Diskussion teil. Hybride Konstruktionen haben eine lange baugeschichtliche Tradition. Schon Fachwerkhäuser mit ihrem konstruktiven Schichtaufbau aus Holz, Stroh und Lehm sind hybrid, zeitgemäße Tragwerke bestehen aus einem Verbund verschiedener Materialschichten (wie Holz, Stahl und Beton). Die Gründe hierfür sind vielfältig: Gewichtseinsparung, tragfähigere Konstruktionen, Kosten- und Energieeffizienz – oder auch eine beachtliche Ressourcenoptimierung und Nachhaltigkeit. Es ist jedoch zu kurz gedacht, das Hybride nur auf die Konstruktion zu beschränken. Hybride Konstruktionen lassen sich auch auf Funktionen und Nutzungen des Gebäudes bis ins Quartier übertragen, neben der Verwendung von tradierten Baustoffen arbeiten Forschungsteams an neuen Technologien und Fügungen. Doch hybride Systeme stellen die Bauschaffenden auch vor Herausforderungen. Technisch optimierte Konstruktionen in mehreren Schichten funktionieren nur im Verbund, sind nicht in Teilen zu austauschbar und müssen im Sinne des Materialkreislaufmodells und ihrer Recyclingfähigkeit aufwendig getrennt werden.

Die Einführung von Wencke Haferkorn, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Bonn, gab Einblicke in die aktuellen Projekte der Forschungsinitiative Zukunft Bau. So gibt es im Forschungsfeld »Hybride Konstruktionen« große technische Potenziale, die im Sinne eines nachhaltigen Gebäudesektors Antworten auf die heutigen Herausforderungen suchen. Beispielhaft wurde hierfür das Projekt »RE-USE – Systematische Wieder- und Weiterverwendung von Baukomponenten« der Hochschule Konstanz (Bereich Technik, Wirtschaft und Gestaltung, Fachgebiet Energieeffizientes Bauen) vorgestellt, welches die Generierung einer umfassenden Bewertungsgrundlage zum Potenzial der systematischen Wieder- und Weiterverwendung von Baukomponenten im regionalen Kontext zum Ziel hat.

Wie mit einer Bioenergiefassade große Gebäudeflächen für die nachhaltige Produktion von biogenen Rohstoffen und Wärme bei gleichzeitig hoher Rentabilität, erschlossen werden können, zeigte der Vortrag von Dr. habil. Martin Kerner, Geschäftsführer der Strategic Science Consult GmbH, Hamburg. Die Bioenergiefassade als Hybridsystem aus Photosynthese und Solarthermie stellt ein technisch ausgereiftes System dar, das in klassische Fassadensysteme integriert werden kann. Neben den fassadenspezifischen Funktionen wie Schallschutz, Sonnenschutz und thermische Isolation bietet sie hohe Ästhetik und neue gestalterische Möglichkeiten. Inwieweit Vorteile durch hybride Bauteile dazu beitragen können, die Dauerhaftigkeit von Konstruktionen zu steigern und gleichzeitig eine sortenreine Entsorgung zu gewährleisten, gab der Beitrag von Prof. Jutta Albus, Fakultät für Architektur und Bauingenieurwesen an der TU Dortmund, Einblicke. Im Rahmen der Zukunft-Bau-Forschungsstudie »Prefab Housing« wurden unterschiedliche Herangehensweisen zum Thema Material, Konstruktion und Herstellungsart sowie Konstruktionen aus Verbundmaterialien im vorgefertigten Wohnungsbau vor dem Hintergrund der Effizienzsteigerung und Kostensenkungspotenzialen untersucht.

Der Vortrag von Prof. Gerd Jäger, gesellschaftender Geschäftsführer von Baumschlager Eberle Architekten in Berlin, zeigte auf, worin die Entscheidung für eine hybride Konstruktion aus dem Städtebau resultieren kann. Der erwünschte Hochpunkt des Projekts »Green Office® ENJOY« für den Eingang des neuen Stadtquartiers in Paris über den Bahntrassen konnte nur mit einer maximalen Gewichtsreduzierung der Konstruktion aus einem Stahlbetonsockel und Holz für die Obergeschosse erreicht werden. Deutschlands erstes Wohnhochhaus in Holz-Hybridbauweise, das im Rahmen der BUGA in Heilbronn 2019 eingeweiht wurde, war Thema des Vortrags von Tabea Huth, Kaden + Lager, Berlin. Getreu dem Motto »Stadt des 21. Jahrhunderts« wurde mit dem Projekt SKAIO ein urbaner Holzbau entwickelt, der in mehrerlei Hinsicht Vorbildcharakter hat: Das reicht von der intelligenten Kombination von Material und Vorfertigungsprozessen, über Brandschutz bis hin zu Maßnahmen zum sortenreinen Rückbau des Gebäudes.
   
Das Publikum erfuhr damit abwechslungsreiche Impulse zu den Perspektiven hybrider Konstruktionen und hatte im anschließenden Get Together die Möglichkeit, den Dialog mit den Referenten, den Veranstaltern sowie den Partnern BAU 2021 und Peikko fortzusetzen.

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Zukunft des Bauens 2019, München
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