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Terra Sustainability Pavilion in Dubai, Grimshaw, Rice Perry Ellis, Foto: Phil Handforth

Im Energiewald: Terra Sustainability Pavilion in Dubai

Kein Zahlendreher: Anfang Oktober 2021 eröffnete in Dubai die Weltausstellung Expo 2020 – solche Verschiebungen von Großveranstaltungen sind in Corona-Zeiten zur Normalität geworden. Zu den größten Neubauten auf dem Ausstellungsgelände zählt mit 17 000 m2 Bruttogrundfläche der Terra Sustainability Pavilion von Grimshaw. Nicht nur inhaltlich dreht sich bei ihm alles um Energieeffizienz und Nachhaltigkeit – das Gebäude sollte auch selbst energieneutral und unabhängig von externer Wasserzufuhr funktionieren. Schattenspender, Lüftungsantrieb und Energiequelle Nummer eins ist ein riesenhafter Sonnenschirm mit Stahlkonstruktion, dessen Oberfläche mit rund 6000 m2 Photovoltaikmodulen belegt ist. Er erhebt sich aus dem zentralen, ins Gelände eingetieften Innenhof des Gebäudes, der ringförmig von 6000 m2 Ausstellungsflächen sowie Nebenräumen und einem Auditorium umgeben ist. Auch sie sind größtenteils ins Terrain eingegraben und mit Gründächern versehen, um sie bestmöglich von dem heißen Wüstenklima ringsum abzuschirmen. Wo dennoch oberirdische Außenwände erforderlich waren, sind diese mit einer Vorsatzschale aus Gabionen versehen. Einzige Ausnahme: die geneigten Ganzglasfassaden, die die Innenräume vom Hof trennen.
Die pilzartige Stahlkonstruktion dient nebenbei als Sammeltrichter für Regen- und Tauwasser, das im Gebäude und den Freiflächen verwendet wird. Letztere wurden mit trockenheitsresistenten Spezies aus der Region bepflanzt. Der Stahlschirm ist so geneigt, dass er kühle Südwestwinde in den Hof lenkt, die heißeren Luftströmungen aus den anderen Richtungen jedoch fernhält. Im Hohlraum seines Stamms soll durch den thermischen Auftrieb ein Kamineffekt entstehen, der die natürliche Entlüftung des Hofs und der umliegenden Räume unterstützt.
Der Stromertrag des großen Schirms wäre allein aber nicht ausreichend, um das Gebäude zu versorgen. Daher errichteten die Architekten ringsum 19 weitere „Solarbäume“ mit je 15 bis 18 m Durchmesser, die ebenfalls mit Solarmodulen belegt sind. Der Clou dabei: Sie drehen sich im Tagesverlauf um die eigene Achse und bleiben so stets in Richtung Sonne ausgerichtet, um die maximal mögliche Energiemenge zu „ernten“. Um die Drehbewegung möglichst energieeffizient zu gestalten, war ein leichtes Gewicht gefragt. Die Äste der Baumstrukturen bestehen daher nicht aus Stahl, sondern aus carbonfaserverstärktem Kunststoff. Sie kragen bis zu 9 m frei vom zentralen Mast aus.
Ein derart aufwändig konstruiertes Gebäude nach der Expo wieder abzureißen, wäre fraglos ein ökologischer Frevel. Dieses Schicksal bleibt dem Terra-Pavillon daher erspart – er soll als Wissenschaftsmuseum weitergenutzt werden.

Weitere Informationen:

Landschaftsarchitektur: Desert Ink
Ausstellungsgestaltung: Thinc Design
Bauingenieure, Wassermanagement: Sherwood Design Engineers
Medientechnik, IT, Akustik- und Sicherheitsplanung: Cerami

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
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