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Individuell gebogen - Museum und Kulturzentrum in Aomori

Wie ein Vorhang verhüllen rote Stahlbänder das Nebuta-Museum in der nordjapanischen Hafenstadt Aomori. Behutsam entwickelten die Architekten die Fassade des Gebäudes ohne Einsatz von CAD-Programmen. Ein 1:50-Modell aus ­Papier diente als Vorlage für die 748 Bänder, die maßstäblich in Stahl übertragen und individuell gebogen wurden.

Architekten:
molo design, Vancouver, Stephanie Forsythe, Todd MacAllen
Frank La Rivière Architects, Tokio, Frank La Rivière
d/dt Arch, Tokio, Yasuo Nakata
Standort:
Yasukata 1-1-1, J–030-0803 Aomori

Museum und Kulturzentrum in Aomori
Foto: Frank La Rivière, Tokio

Hinter den umlaufenden, roten Stahlbändern des Nebuta-Museums verbergen sich Ausstellungshalle, Theater, Proberäume und Restaurant. Das Kulturzentrum widmet sich dem Nebuta-Matsuri-Fest, einem der größten Festivals in Japan. Auf großen Festwagen werden die Nebuta – handgefertigte, farbenprächtige, von innen beleuchtete ­Figuren aus Papier, die Kriegshelden, Tiere und Dämonen darstellen – durch die Stadt gezogen.

Museum und Kulturzentrum in Aomori
Foto: Frank La Rivière, Tokio

Die Fassade des Gebäudes wurde ohne Einsatz von CAD-Programmen entwickelt:

Museum und Kulturzentrum in Aomori
Mithilfe eines Papiermodells wurde die individuelle Biegung der einzelnen Stahlbänder experimentell ermittelt.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Durch unterschiedliche Biegung wirken manche Fassaden­abschnitte geschlossen, während andere durchlässig erscheinen und Blickbezüge nach außen ermöglichen.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Am Modell wurden verschiedene Varianten durchgespielt sowohl in Bezug auf Licht- und Blickführung, als auch auf das äußere Erscheinungsbild.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Studium der Lichtführung in Skizzenform...........
........und am Modell.


Ein Film dokumentiert die Überprüfung der vielfältigen Entwurfsparameter am Modell:



Museum und Kulturzentrum in Aomori
Die Westansicht im Modell.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Die Abwicklung der Fassaden von Nord über Ost (mit Haupteingang) und Süd nach West.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Jedes einzelne Band wurde individuell mithilfe einer speziell entwickelten ­Maschine gebogen.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Foto: Frank La Rivière, Tokio

Die einzelnen Stahlbänder sind im oberen Bereich parallel zum Dachrand ausgerichtet und fächern sich zum unteren Ende in unterschiedlichen Winkeln auf, abhängig vom Einfall des Sonnenlichts im Tagesverlauf. Zwischen diesen Fixpunkten sind die Bänder um die eigene Achse verdreht, wobei manche durch eine zusätzliche Biegung zur Seite Öffnungen schaffen. Zugleich demonstrieren sie die Leichtigkeit des Materials, indem sie wie vom Wind bewegt wirken. Die zwölf Meter hohen, 30 Zentimeter breiten und neun Millimeter dicken Stahlbänder sind von oben abgehängt und an drei weiteren Punkten flexibel fixiert, um thermische Ausdehnung und Biegung durch Windlasten aufnehmen zu können.

Museum und Kulturzentrum in Aomori
Die Ausrichtung der einzelnen Stahlbänder parallel zum Dachrand.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Im mittleren Bereich sind die Bänder flexibel fixiert, um thermische Ausdehnung und Biegung durch Windlasten aufnehmen zu können.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Die Bänder laufen in den Boden und sind dort unsichtbar befestigt.
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Mit der Fassadenhülle entsteht ein umlaufender Zwischenraum, der auf die traditionelle japanische »engawa«, die Veranda, anspielt. Foto: Frank La Rivière, Tokio
Museum und Kulturzentrum in Aomori
Eintritt ins Unbekannte: Der Zwischenraum bildet die Schwelle für den Übergang von der Gegenwart in die Welt der Geschichten und Mythen der Nebuta. Foto: Stephanie Forsythe / molo design

Ein Beitrag von Peter Popp.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2012

Fassaden

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