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Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum in Cottbus (2005)


Folge 14

Architekten: Herzog & de Meuron, Basel

bibliothek cottbus

Die neue Bibliothek der Technischen Universität Cottbus überrascht in vielerlei Hinsicht. So erscheint ihr offenbar homogenes Volumen aus jeder Perspektive anders, einmal zeigt sie sich als schlanker Turm, ein andermal als massige Festung. Das achtgeschossige gläserne Gebäude nimmt den Buchbestand der TU-Cottbus auf, der zuvor auf zahlreiche Lagerflächen sowie den wesentlich kleineren Vorgängerbau verteilt war. Der kurvenreiche neue Kubus steht leicht erhöht auf einem kahlen Hügel, das Grundstück soll jedoch in naher Zukunft in eine dicht mit Bäumen bestückte Parklandschaft verwandelt werden. Sie wird der Erscheinung viel von seiner Dominanz nehmen und den Kontrast zur umliegenden Bebauung mildern. Im Inneren der Bibliothek erstaunt die Komplexität des Raumes, und es handelt sich tatsächlich um eine einzige Raumeinheit vom ersten Untergeschoss bis zum sechsten Obergeschoss. Diese Durchgängigkeit ist jedoch kaum wahrnehmbar, da die Lufträume, die die vertikale Verbindung herstellen, in jedem Geschoss versetzt angeordnet und unterschiedlich hoch sind, sich aber immer direkt an die Fassade anlehnen. In den Ausbuchtungen entstehen farbneutrale Leseräume unterschiedlicher Größe, die nur vom einfallenden Tageslicht geprägt sind. Die farbig gestaltete niedrigere Mittelzone nimmt dagegen die Bücherregale auf. Zwei massive vertikale Kerne, mit Versorgung, Treppe und Aufzug verbinden alle Geschosse miteinander und tragen zu einer leichten Orientierung bei.

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Haustechnikkonzept

Eine Reihe von energetischen Maßnahmen machte es möglich, die Bedingungen des Förderprogramms SolarBau, trotz des achtgeschossigen Raumes und des hohen Verglasungsanteils der Fassade, zu erfüllen. Das Energiekonzept für Heizung und Kühlung berücksichtigt die vertikale Temperaturschichtung, den Kälteabfall an den Glasflächen und die großen Raumtiefen. Zwei Blockheizkraftwerke, ein Spitzenkessel, eine Absorptionskältemaschine, eine Wärmepumpe und vier Erdsondenfelder ermöglichen die Balance zwischen regenerativer Energieversorgung und der Gewährleistung eines komfortablen Raumklimas. Die doppelte Fassade aus einer vorgehängten Einfachverglasung und einer inneren Isolierverglasung ist nur in den Büroräumen im siebten Obergeschoss mit Lüftungsflügeln versehen. Den Sonnenschutz bilden ein textiler Screen im Fassadenzwischenraum und die Siebbedruckung der Gläser mit überlagerten arabischen, lateinischen und kyrillischen Schriftzügen, die zum reinen Ornament verwischen. Doch auch hier täuscht die scheinbare Willkür: Die unterschiedliche Dichte der Bedruckung reagiert exakt auf den je nach Himmelsrichtung variierenden erforderlichen g-Wert der Fassade.

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DETAIL 9/2018, Schulen

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