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Interview, NordBau 2019, Dietmar Walberg

Infrastrukturstrategien für den Wohnungsbau

DETAIL: In wie weit spielen beim Wohnungsbau Mobilitätskonzepte eine Rolle?
Dietmar Walberg: Mobilitätskonzepte sind zunehmend wichtig. Bei den Gestehungskosten von Gebäuden spielt die Unterbringung des ruhenden Verkehrs die größte Rolle. Insbesondere dann, wenn man PKW unter dem Gebäude unterbringen muss. Auf verdichteten Grundstücken ist es nicht immer möglich, PKW Stellplätze oberirdisch anzubieten, sondern man muss Tiefgaragen bauen. Das bedeutet, dass fast ein Viertel der Bauwerkskosten dafür aufgewendet wird, um PKW unterzubringen und das ist weder zeitgemäß noch zukunftsfähig. Ich muss an jeder Stelle überlegen, wie man den Bewohnern etwas anbieten kann. Das kann Car-Sharing sein, aber natürlich auch vernünftiger ÖPNV. Und das ist im Wohnungsbau untrennbar mit übergeordneten Mobilitätskonzepten verbunden. Wenn Städte entlastet und Wohnraum im Umland oder auch entfernteren Gemeinden geschaffen werden soll, muss auch überlegt werden, wie die Menschen da hin und auch wieder wegkommen.

DETAIL: Wie kann man das realisieren? Hier sind ja mehrere Akteure im Spiel?
Dietmar Walberg: Das ist genau der Punkt. Wohnungsbau und Stadtplanung und Landesplanung funktioniert eben nicht mit Scheuklappendenken. Die Landesentwicklungsplanung befreit Kommunen und Gemeinden von der Wachstumsbegrenzung, die sich nicht weiter entwickeln sollten, weil sie die Obergrenze dessen erreicht haben, was landesplanerisch als sinnvoll erachtet wurde. Nun haben sie die Möglichkeit, Neubaugebiete zu erschließen. Neue Baugebiete bestehen aber eben nicht nur aus einem Platz, an dem ich Wohnraum schaffe, sondern ziehen einen Rattenschwanz an Infrastrukturnotwendigkeiten nach sich. Soziale Infrastrukturen, wie Kindergärten, Schulen, ärztliche Versorgung, aber eben auch Infrastrukturen, die ermöglichen, dass die Menschen dorthin kommen. Hier müssen Infrastruktur, Verkehr, Bildung, Wohnungsbau ineinandergreifen, sonst funktioniert das nicht.

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Interview, NordBau 2019, Dietmar Walberg

Portrait Dietmar Walberg; © ARGE e.V.

DETAIL: Wie soll das konkret aussehen? Wie schafft man ein Ineinandergreifen aller Beteiligten?
Dietmar Walberg: Schleswig-Holstein hat in den Boom Zeiten des Wohnungsbaus, nach den großen Flüchtlingsströmen der 40er, in den 50er und 60er Jahren, jährlich 21.000 Wohnungen gebaut. Und die sind nicht entstanden, ohne dass genau darüber nachgedacht wurde, wie diese unter den damaligen Aspekten versorgt werden. Das ist heute genauso wieder gefragt. Es muss Querschnittsdenken stattfinden. Nur weil Kiel es alleine nicht schafft, das Wachstum zu beherrschen, können wir nicht in beliebigen Städten im 30 km-Umkreis Wohnungen entstehen lassen, ohne dort entsprechende Infrastrukturen vorzuhalten. Ich muss Bahnstrecken reaktivieren, ich muss über Busverkehre nachdenken, ich muss aber vor allen Dingen Geld in die Hand nehmen, um den Kommunen die Infrastruktur wie z. B. die Kindertagesstätten zu bezuschussen, die sie brauchen, um überhaupt jungen Familien angemessenen Wohnraum überhaupt anbieten zu können.

 

Lesen Sie hier das komplette Interview mit Dietmar Walberg zu:
Baukostenreduzierung im Wohnungsbau
Alternativen zum Neubau bei Baulandmangel

 

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