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Inseln auf Asphalt: Campus Hoogvliet von Wiel Arets

Sechs kubisch geschnittene Baukörper unterschiedlicher Nutzung gruppieren sich in Rotterdam zu einem Campus-Ensemble mit klarer Raumaufteilung und einheitlich gestalteter Erschließungsdramaturgie: Mit einem „Cluster“-artigen Gesamtkonzept greift Wiel Arets die Großzügigkeit räumlich vorherrschender Strukturen auf und bettet die entstehenden Freiräume in eine ausgeklügelte Systematik zwischen privat, halböffentlich und öffentlich – ein willkommene Maßnahme in dem durch vorwiegend großmaßstäbliche Wohnbebauung aus der Nachkriegszeit definierten Gebiet.

Architekten: WAA Wiel Arets Architects, Amsterdam
Standort:
Lengweg, NL–3192 BM Rotterdam

Rotterdam gliedert sich in elf Teilgemeinden. Hoogvliet wurde 1934 zum Stadtgebiet erklärt. In den Geschichtsbüchern taucht der Name erstmals 1326 auf. Einen alten Ortskern sucht man hier jedoch vergeblich. Hoogvliet ist gekennzeichnet durch eine überwiegend großmaßstäbliche Zeilen- oder Blockbebauung aus der Nachkriegszeit – zwar durchsetzt mit viel Grün, aber eben auch etwas abweisend.

Der neue Campus besteht aus sechs einzelnen, kubisch geschnittenen und in der Höhe moderat gestaffelten Baukörpern. Dazu gehören ein Wohnheim mit 100 Plätzen, eine Sicherheitsakademie, ein Kunststudio, ein Sportzentrum, sowie zwei Schulen. Eine asphaltierte Fäche bindet die Einzelgebäude zusammen und markiert die Grenzen des Campus.

Jedes Gebäude wird von einem geschosshohen Sichtschutz umgeben, der die orthogonal sich verästelnden Gebäudekörper in eine jeweils rechteeckige Gesamtform bindet und dabei räumlich definierte Freibereiche ausbildet. Bedruckt mit den pixelig abstrahierten Mustern einer Efeu-Pflanze sollen diese Außenterrassen einen zu gleichen Teilen privaten als auch transparenten Charakter ausstrahlen. Ein sich vom jeweiligen Gebäude lösendes weißes Fassadenband bildet den oberen Abschluss der halböffentlichen Freibereiche und kennzeichnet den Übergang zu den öffentlichen Arealen. Jeder der sechs Gebäudekörper soll außerdem mit einem sich als Bodenbelag abzeichnenden „weißen Band“  hervorgehoben werden – hier werden sich zukünftig Fahradstellplätze und Spielflächen befinden.

Die Gebäude sind massiv ausgebildet: die Fassaden funktionieren als tragende Wände, Betonkerne und Spannbetondecken sorgen für aussteifende Stabilität. In modifizierter Form taucht das Pflanzenrelief auch an den Außenfassaden und am Sichtbeton der Treppenhauskerne auf.

Als größtes der sechs Gebäude soll die 300 Zuschauer fassende Doppelsporthalle nicht nur für den Hochschulsport, sondern auch für lokale Events und Sportvereine zur Verfügung stehen. Der Baukörper wurde zu großen Teilen um ein Geschoss angehoben, um auf Erdgeschossniveau ebenerdiges Parken für 80 Fahrzeuge zu ermöglichen. Auf dem Dach befindet sich außerdem ein Basketballfeld, dass über eine ausladende Freitreppe erschlossen wird. Von hier aus kann man einen Blick über das Campus-Gelände werfen.

Der Zugang zu den einzelnen Gebäudekörpern folgt einer einheitlich choreografierten Erschließungsdramaturgie: beim Betreten der glasumzäunten Terrassen werden die Räume zunächst enger, weiten sich vorübergehend beim Durchqueren der öffentlichen Bereiche im Erdgeschoss, ehe die Erschließungselemente wie Treppe und Rampen zu einer erneuten Dynamisierung des Bewegungsflusses beitragen und den Besucher zum Ziel führen. Verschiedenfarbige Geländer tragen zur Unterscheidbarkeit der einzelnen Gebäude bei.

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