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Interdisziplinär: Audi Urban Future Award 2014

Am 10. November wurde in Berlin der mit 100.000 Euro weltweit höchst dotierte Preis für innovative Mobilitätslösungen vergeben. Wie werden wir uns in den Metropolen der Zukunft bewegen? Wie können die Städte von neuen Mobilitätskonzepten profitieren? Und wie kann die Auto-Mobilität als Traum der unbegrenzten Freiheit des Individuums noch attraktiver werden – Autofahren ohne im Stau zu stehen, ohne einen Parkplatz zu suchen und ohne selbst lenken zu müssen?

Gewinner des Audi Urban Future Award 2014: IT-Experte Carlos Gershenson, Architekt und Stadtplaner Jose Castillo, sowie die Leiterin des Innovationslabors von Mexiko City, Gabriella Gomez-Mont.
Gewinner des Audi Urban Future Award 2014: IT-Experte Carlos Gershenson, Architekt und Stadtplaner Jose Castillo, sowie die Leiterin des Innovationslabors von Mexiko City, Gabriella Gomez-Mont.

Der renommierte Preis wurde in diesem Jahr zum dritten Mal vergeben. Die Konzeption entwickelt sich dabei ständig weiter: Während 2010 und 2012 innovative, weltweit agierende Architekturbüros wie J. Mayer H., BIG, Urban Think Tank oder Howeler Yoon ihre Recherchen mit eigenem Know-how durchführten, haben die Kuratoren von Stylepark Strategies dieses Jahr von vornherein Teams aus Architekten, Stadtforschern und Datenspezialisten zusammengestellt. Deren Aufgabe war es, die Metropolen Mexiko City, Boston, Seoul und Berlin auf Zukunftspotenziale der individuellen Mobilität zu untersuchen.

Mexiko City
Gewonnen hat das Team von Mexiko City. Der international renommierte Architekt und Stadtplaner Jose Castillo und sein mexikanisches Team sind überzeugt, »dass das Automobil genau die Probleme lösen kann, die es selbst verursacht hat«. Gemeinsam mit dem IT-Experten Carlos Gershenson und der Leiterin des Innovationslabors von Mexiko City, Gabriella Gomez-Mont, hat Castillo ein »Betriebssystem für urbane Mobilität« entwickelt.

Das Team setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe und macht Pendler zu Datenspendern, um die stundenlangen Staus zu verkürzen. Eine erste Version der neuen Datenplattform ist seit September online. Pendler können über eine Webseite und eine App ihre eigenen Bewegungsdaten mit anderen Nutzern teilen. Nach und nach entsteht so eine valide Datenbasis für eine nachhaltige Stadt- und Verkehrsplanung.

Datensammlung per App, um Verkehrsströme zu optimieren.

Berlin
»Unsere Vision ist es, durch Zielsteuerung die Mobilität in der Stadt in ein flexibles System zu verwandeln, in dem alle Transportmittel nahtlos ineinandergreifen. Die Bewohner erhalten damit stets das für sie individuell beste Angebot«, erklärt der Architekt und Teamleiter Max Schwitalla, der seine Ideen bei der Anbindung der Urban Tech Republic auf dem Flughafen Tegel an das Mobilitätsnetz von Berlin bis 2017 umsetzen will.

In einer ersten Phase sollen Autos mit dem selben Ziel aneinandergekoppelt fahren, um Raum und Treibstoff zu sparen. Als zweite Phase seiner Zukunftsvision hat er das »Skywheel« entwickelt: eine fahrbare Einheit, die aneinandergekoppelt einen Zug ergibt oder mit der sich der Reisende in ein Flugzeug verladen lassen kann, um bei Ankunft direkt als gleitendes »Auto-Mobil« individuell sein Ziel zu erreichen.

Konzept Flying Wheel
Mit dem Flying Wheel direkt aus dem Flugzeug...
Konzept Flying Wheel
...in die City rollen.
Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer

Boston
Das Wettbewerbs-Team aus Boston rund um den Stadtplaner und ehemaligen Harvard-Dekan für Planung Philip Parsons konzipiert einen »multimodalen Marktplatz für Mobilität«. Grundlage ist eine hoch komplexe Simulationssoftware, die Chancen neuer Technologien für Städte berechenbar macht und eine transparente Grundlage für Investitionsentscheidungen liefert. Wenn der Bauherr eines Parkhauses erkennt, wie viel kleiner er seine Immobilie dank selbstparkender Autos planen kann, wird dies zum Fundament für neue Geschäftsbeziehungen.

Parkahus im Zentrum von Boston
Parkhaus im Zentrum von Boston
Automatisiertes Einparken spart 50 % Fläche ein.
Automatisiertes Einparken spart 50 % Fläche ein.

Seoul
Die vielfältigen Möglichkeiten, die autonom fahrende Autos bieten, haben den Designer Sung Gul Hwang und sein Team aus Seoul zu ihren Ideen inspiriert. Ihre Entwürfe basieren auf ethnographischen Erhebungen im Szeneviertel Gangnam. Das Auto verwandelt sich wahlweise in ein rollendes Interface zur Stadt, in einen virtuellen Erlebnisraum oder in ein Social Urban Device, das den Fahrer für umweltfreundliches oder soziales Verhalten belohnt.

Ressource Raum
Auffallend war, dass ein Thema, das noch 2011 die gesamte Automobilbranche aufschrecken lies, mit keinem Wort erwähnt wurde: Die Frage der Energieversorgung. Benzin, Diesel, Elektro oder Hybrid? Die Forschungsteams haben einhellig die Verknappung der wichtigsten Resource der künftigen Metropolen identifiziert: die des öffentlichen, halböffentlichen und privaten Raums.

Umsetzung in die Praxis
Werden die Erkenntnisse des Audi Urban Future Awards in die Praxis umgesetzt? Viele dieser Ideen sind heute noch Zukunftsmusik. Doch manches ist bereits möglich. So dient »Audi Connect« schon jetzt als Kommunikationszentrale im Auto. Und der Audi Staupilot, der kurz vor der Serienreife steht, übernimmt auf der Autobahn bei zähflüssigem Verkehr schon bald bis zu 60 km/h das Steuer. Parkhäuser können auf gleichem Raum zweieinhalb Mal mehr Autos unterbringen, wenn diese selbständig einparken. Die Technologie des pilotierten Parkens hat Audi bereits zur Marktreife gebracht.

Die Erkenntnisse aus dem dritten Audi Urban Future Award sollen direkt in die neue »Urbane Agenda« des Automobilherstellers einfließen. Der vielleicht größte Verdienst der Initiative liegt in der Vernetzung internationaler Player aus den verschiedensten Disziplinen. Denn darin sind sich alle einig: Um die Herausforderungen der Metropolen in Zukunft zu bewältigen, muss Mobilitätsplanung und Stadtplanung noch stärker als Einheit verstanden werden.

Ob bei nachhaltigen Konzepten das »Automobil« die dominierende Rolle spielen kann, sollte bei einer ganzheitlichen Betrachtung weiterhin hinterfragt werden. Die Potenziale von Fahrädern und Rikschas, die wenig Platz benötigen und keine Emmisionen verursachen, sollten verstärkt in Mobilitätssysteme integriert werden. Rupert Stadler hat es aber zu Beginn seiner Rede auf den Punkt gebracht: Es geht nicht nur um lebenswerte Städte, sondern um den Fortbestand eines Wirtschaftszweigs, von dem der Wohlstand der deutschen Gesellschaft in hohem Maße abhängig ist.

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