You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Salone del Mobile 2018, Mailand, Möbelmesse, Interview, Konstantin Grcic, Big-Game, Anderssen & Voll

Interviews mit Designern zur Salone del Mobile 2018

Ein Industriemöbel wird domestiziert – Interview mit Konstantin Grcic

Der Designer Konstantin Grcic, mit Sitz in Berlin, hat seit der Gründung seines Studios in München im Jahr 1991 Möbel und Leuchten für zahlreiche Unternehmen entworfen, darunter Classicon, Flos, Magis, Mattiazzi, Plank und Vitra. Auf dem Salone del Mobile haben wir ihn zu seinen neuesten Projekten befragt.

Wie kam es zu dem Projekt Chess und zur Zusammenarbeit mit in diesem Fall zwei Firmen?
Die Zusammenarbeit ging von Magis aus. Fami ist eine sehr spezialisierte Firma, die Blechschränke in großen Stückzahlen für die Industrie herstellt. Das ist eine Industrie, die für die Industrie produziert. Unsere Vorstellung war, dass man dieses Produkt durch gewisse Interventionen domestizieren kann. Entscheidend für unsere Arbeit war, den Prozess, wie diese Schränke gebaut werden, nicht zu stören. Denn diese Industrie, so spezialisiert sie ist, ist sehr effizient. Unsere Eingriffe bestanden eher darin, Dinge wegzulassen anstatt zu sagen: können wir das nicht anders machen?

Wie war der Designprozess bei Cup, der neuen Stuhlserie für Plank?
Ich hatte den Gedanken, die Technologie der Schalenkoffer aus Kunststoff in ein Möbel umzusetzen. Die Idee und das Material sind auch für unsere Industrie interessant: eine sehr dünne, sehr leichte Polycarbonat-Kunststoffplatte, die in eine dreidimensionale Form gebracht wird, die dann eine gewisse Stabilität hat. Es gibt zwei weitere interessante Elemente bei diesen Schalenkoffern: Der Reißverschluss wird direkt an diese Schale angenäht. Die Verbindung der Kunststoffschale mit dem Polsterteil – könnte man das über einen direkt angenähten Zipper machen? Eine andere Technologie ist die Verbindung von Griffen oder Rollen, die durch ein Spritzguss-Kunststoffteil angesetzt werden. Daraus sind bei uns diese runden Teller entstanden, mit denen wir die Sitzschale aus Polycarbonat mit dem Untergestell verbinden.

Gibt es ein Lieblingsprojekt, das hier vorgestellt wurde?
Für die Firma Kettal haben wir Sonnenschirme gemacht. Eigentlich sind es Mikroarchitekturen, die wir da bauen. Wenn man sich den Schirm anschaut, sieht er vielleicht aus wie viele andere, aber auch hier war der Prozess ziemlich intensiv. Wie ein Re-Design mit vielen Interventionen. Viel mehr noch als bei den Schränken ging es darum, Dinge zu vereinfachen, zu optimieren, neu zu denken.

Das Interview mit Konstantin Grcic führte Brigitte Bernhardt

 

Großes Design für die Kleinen – Interview mit Big-Game

Der Franzose Augustin Scott de Martinville, der Belgier Elric Petit und der Schweizer Grégoire Jeanmonod gründeten Big-Game 2004. Das Produkt- und Interior Design-Studio befindet sich in Lausanne. Über spezielle Möbel für Kinder sprachen wir mit ihnen in Mailand.

Was sind die Herausforderungen beim Entwerfen von Kindermöbeln?
Little Big ist Teil der me too-Kollektion von Magis. Hierfür sollten wir einen in der Höhe anpassbaren Stuhl entwerfen – für Kinder von 2–6 Jahren – aus einem Materialmix mit Holz und Kunststoff. Auf Grund der ergonomischen Vorgaben und der vielen Vorschriften, die es hierbei zu beachten gilt, wenn solche Möbel in Kindergärten oder Schulen eingesetzt werden sollen, dauert ein solcher Designprozess meist mehrere Jahre. Dieses Jahr konnten wir die Kollektion um einen Tisch ergänzen, der genau auf den verstellbaren Stuhl abgestimmt wurde.
 
Wie lief die Zusammenarbeit?
Die Ansprüche von Eugenio Perazza waren hoch, was gut ist, und so mussten wir ihn immer wieder von jedem Detail des Entwurfs überzeugen, um letztendlich zu einem optimalen Ergebnis zu kommen. Die Uniqueness des Produkts war ihm sehr wichtig.

Wodurch unterscheidet sich Little Big von anderen Kindermöbeln?
Uns war es wichtig, etwas eigenständiges zu entwickeln und nicht eine Kinderversion eines vorhandnen Möbelstücks vorzunehmen. Deswegen stand die Anpassbarkeit an das Wachstum der Kinder im Fokus des Entwurfs.

Gibt es weitere Produkte für dieses Segment?
Ja, wir haben noch einen Entwurf für Ikea gemacht. Und für Magis noch eine Serie von »Laughing Mirrors«.

 

Norwegen trifft Italien – Interview mit Anderssen & Voll

Das norwegische Designstudio Anderssen & Voll wurde 2009 gegründet. Seitdem entstanden viele Entwürfe für  renommierte Hersteller, die dem neuen skandinavischen Design zuzuordnen sind. Auch unter italienischen Herstellern wird der nordische Touch immer beliebter. So entwarfen Anderssen & Voll im letzen Jahr den Hocker Sequoia für Magis. Wir sprachen mit ihnen in Mailand über die Modifikationen und weitere Entwürfe für 2018.

Warum wurden an Sequoia nochmals Modifikationen vorgenommen?
Die Inspirationsquelle für diesen Entwurf waren Fahrradrahmen. So dachten wir zunächst an eine hochglänzende Oberfläche, sichtbaren Schweißverbindungen und Schriftzügen. Leider hat sich gezeigt, dass diese Optik nicht so gut rüberkam, wie wir es uns vorgestellt hatten. Vor allem die glänzende Oberfläche wirkte nicht so hochwertig wie gewünscht und die Relationen von Rahmen und Sitzfläche waren noch nicht optimal. Das haben wir nun etwas präzisiert. Vor allem durch die neue matte Oberflächenbehandlung konnten wir erreichen, dass das Gestell etwas kräftiger wirkte und die Proportionen harmonischer wurden. Dazu kommt, dass die matte Oberfläche robuster ist.

Was zeigen Sie sonst noch in Mailand?
Wir haben ein Sofa für die schwedische Firma Hem entworfen, das wir im Showroom in Brera zeigen. Bei diesem Entwurf lag der Fokus auf der Logistik. Da die meisten Möbel weltweit verschifft werden, wollten wir eine möglichst kompakte Transportform kreieren. Das Sofa besteht aus ineinandergesteckten Stahlrohren, in den Zwischenräumen können die Polster untergebracht werden. Dies lässt sich kompakt verpacken und leicht, ohne Werkzeug aufbauen.

Auch immer mehr italienische Hersteller arbeiten jetzt mit skandinavischen Designern, warum?
Ich glaube, das hat viel mit dem globalen Geschmack der Zeit zu tun – ein Mega-Design-Trend, der nun adaptiert wird. Woher dieser Trend kommt, kann ich aber nicht sagen. Aber der skandinavische Markt ist auch für die italienischen Firmen größer geworden.

Haben Sie denn auf der Messe noch etwas besonders interessantes entdeckt.
Leider noch nicht, bis jetzt hatte ich nur Meetings, aber es bleiben mir noch zwei Stunden Zeit...

Die Interviews mit Big-Game und Anderssen & Voll führte Katja Reich

Kurze Werbepause

Aktuelles Heft
DETAIL 9/2018
DETAIL 9/2018, Schulen

Konzept: Schulen

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.