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Kalter Krieg, Ausstellung, Wien

Kampf der Ideologien: Ausstellung »Kalter Krieg und Architektur«

Wettstreit der Weltbilder
Das Architekturzentrum Wien präsentiert in der aktuellen Ausstellung neue Erkenntnisse zur Architekturentwicklung der Stadt zwischen 1945 und 1955. Direktorin Angelika Fitz macht dabei auf einen blinden Fleck in der Geschichte Wiens aufmerksam, der bislang wenig reflektiert wurde. Im besetzten Wien der Nachkriegszeit kam es zu einem Powerplay der Alliierten, einem Wettstreit der jeweiligen Weltbilder zum Wiederaufbau eines neuen demokratischen Österreichs. Visionen entstanden zwischen einer Stadt des kollektiven Wohnens und der Einfamilienhäuser, zwischen einem Wien der Gartenstädte und der Hochhäuser.

Ideologische Konzepte für Wien
Die über 1000 Exponate erzählen von den unterschiedlichen Vorhaben der jeweiligen Besatzungsmächte für Wien.
So versuchten die Briten mit ihrem Konzept eines demokratischen Wohlfahrtsstaates, einen 3. Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus zu propagieren. Dabei sollte das neugegliederte und aufgelockerte Wien von New Towns und Nachbarschaften geprägt sein.
Frankreich dagegen setzte stark auf eine Kulturoffensive, die sich gezielt an die Elite und Jugend richtete. 1948 besuchte Le Corbusier die österreichische Hauptstadt und präsentierte seine radikalen Visionen zu Architektur und Städtebau, welche die junge Architekturszene – im Gegensatz zu den Hochschulen – begeistert aufnahm.
Die US-Amerikanische Besatzung importierte ihr Know-how zum Wohnbau nach Österreich und errichtete Mustersiedlungen wie die in der Wiener Veitingergasse (1952–1954). Ganz nach dem American Way of Life wurde in Eigenheime und Wohnbauten für Arbeitende investiert – nicht aber in den sozialen Wohnbau.
In voller Überzeugung an den technischen Fortschritt plante die Sowjetunion für Österreich einen Idealstaat des Sozialismus, geprägt von Wolkenkratzern und Wohnhäusern.

Logentheater versus Rangtheater
Die unterschiedlichen politischen Vorstellungen reichten bis in den Zuschauerraum der Wiener Staatsoper – für deren Wiederaufbau die Amerikaner für das historische Logentheater plädierten, die Sowjetunion allerdings für ein demokratisch-gleichgestelltes Rangtheater.
Schlussendlich setzte sich das westliche Vorbild durch, mit Logen reserviert für Unternehmen wie Ford, Philips oder Mercedes – was auf dem großen Sitzplan der neuen Staatsoper, im Ausstellungsraum zu erkennen ist.

Die Ausstellung „Kalter Krieg und Architektur” läuft bis 24. Februar 2020.

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