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Karolingische Basilika vor dem Verfall gerettet

Festiger, KSE, Remmers, Einhards, Basilika, Dachziegel
Foto: Maximilian Promny, Michelstadt

Die Einhards-Basilika in Steinbach im hessischen Odenwald ist ein architektonisches Juwel aus der Karolingerzeit. Der Kirchenbau aus dem 9. Jahrhundert gehört zu den wenigen gut erhaltenen Zeugnissen karolingischer Baukunst in Deutschland und ist ein Baudenkmal von europäischem Rang. Unübersehbare Schäden machten eine rasche Sanierung dringend erforderlich. Verfaulte Balkenenden und gelöste Holzverbindungen wiesen auf ein schadhaftes Dachwerk hin, aber es war das ausdrückliche Ziel der Staatlichen Verwaltung, die aus dem Ende des 12. Jahrhunderts stammenden handgestrichenen Ziegel und Dachbalken so weit wie möglich zu erhalten. In den 1960er Jahren waren die Ziegel zum Schutz vor Moos mit Alaun behandelt worden. Die Vergrünung wurde zwar verhindert, es kam jedoch zu schwerwiegenden Nebenwirkungen, die damals keiner der Restauratoren erwartet hatte – hauptsächlich Salzausblühungen, die sowohl das historische Gebälk als auch die Ziegel erheblich schädigten.

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Foto: Maximilian Promny, Michelstadt

Gebraucht wurde daher ein Konzept und ein Steinfestiger für die über 500 Jahre alten Dachpfannen, ohne erneuten Eintrag schädigender Substanzen. Die Bruno Marx GmbH aus Michelstadt, der führende Restaurator Hans-Michael Hangleiter und Remmers entschieden sich für folgende Vorgehensweise: In einem ersten Schritt wurden die Ziegel katalogisiert und kartiert, um sie in ihrem Erhaltungszustand zu klassifizieren. Die in Gitterboxen zusammengefassten Ziegel wurden in einem vor Ort gebauten, 100 m³ großen Tauchbecken eingelagert, um durch Waschungen das Alaun aus den Ziegeln herauszuspülen. Nach der Reinigung wurde das Tauchbecken überdacht, um die Dachziegel in einen Zeitraum von ca. einem halben Jahr auszutrocknen. In einem zweiten Schritt diagnostizierte die Bruno Marx GmbH stichprobenartig die abgetrockneten Dachziegel im Labor, um eine denkmalgerechte und substanzerhaltende Methodik für die Steinfestigung zu entwickeln. Dazu sollte der Remmers Festiger KSE 300 zum Einsatz kommen. Das Spezialprodukt zur Festigung mittelporöser, saugfähiger, entfestigter mineralischer Baustoffe reagiert mit dem im Porenraum eingelagerten Wasser bzw. mit Luftfeuchtigkeit. Hierbei wird Siliciumdioxid (Kieselgel) als mineralisches Bindemittel abgeschieden, das als Ersatz für das durch Verwitterung verloren gegangene, ursprüngliche Bindemittel dient. Anhand der gewonnenen Parameter wurden Zeitfenster für die Arbeitsabläufe geplant und Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Nach Abschluss des Tränk- und Aushärtungsprozesses der Dachziegel und der übrigen Restaurierungsarbeiten ließ sich die Basilika mit den verfestigten Dachziegeln neu eindecken.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 11/2010

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