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Keine falsche Bescheidenheit: Umbau der Kathedrale von Créteil

Wer in Frankreich das Wort “Kathedrale” hört, denkt dabei an die majestätische Gotik von Chartres, Notre-Dame-de-Paris oder Reims – aber gewiss nicht an einen bescheidenen Zweckbau aus den 70er-Jahren. Einen solchen, errichtet 1976 nach Entwürfen von Charles-Gustave Stoskopf, nutzte die Diözese von Créteil südöstlich von Paris seit 1987 als ihre Hauptkirche. Fast 40 Jahre nach ihrer Fertigstellung war eine Sanierung und Erweiterung des Gebäudes eigentlich überfällig. Den Auftrag hierzu erhielt das Pariser Büro Architecture-Studio, das seinerseits bereits drei Jahre älter ist als die Kathedrale mit 200 Mitarbeitern zu den größten Architekturbüros im Land zählt.

Mit ihrer Erweiterung, die in weiten Teilen einem Neubau gleichkommt, griffen die Architekten die Grundrissform des Bestandsgebäudes auf. Die Höhenentwicklung der Kirche ist nun jedoch eine völlig andere: Rund 22 Meter wölbt sich das neue Kirchendach empor, das sich wie eine Muschel aus zwei von Leimholzrippen getragenen Schalen zusammensetzt. Zwischen diesen öffnet sich ein Lichtspalt, den der (1951 in Braunschweig geborene) Künstler Udo Zembok mit einem Buntglasfenster versehen hat.

Der Grundriss der Kirche ist nahezu spiegelsymmetrisch. Bedingt durch die städtische Situation, führt der Hauptzugang jedoch nicht entlang der Symmetrieachse ins Gebäude. Stattdessen wird der Kirchenraum seitlich von zwei Eingängen erschlossen. Der Altarwand gegenüber – wo bei einer „klassischen“ Kathedrale das Hauptportal läge – gelangt man in die Nebenräume, die für den Betrieb der Diözese notwendig sind: Büros, Ausstellungsräume, einen Konferenz- und einen Vortragsraum. An der Schnittstelle zum dreigeschossigen Nebenraumtrakt stellten die eine halbkreisförmige Empore in das Kirchenschiff ein. Auf dem Vorplatz der Kirche ließen sie außerdem einen 40 Meter hohen, holzbekleideten Campanile errichten, in dem drei aus dem Vorgängerbau übernommene Kirchenglocken hängen.

Hinter der Holzverschalung des Glockenturms verbirgt sich eine Stahlkonstruktion. Das Kirchenschiff hingegen wird von bis zu 26,5 Meter langen Leimholzbögen aus Fichte getragen. Sie haben einen Querschnitt von 16x75 Zentimeter und einen Achsabstand von nur 56 Zentimetern. Das ist dichter, als es aus statischen Gründen erforderlich gewesen wäre, doch die Architekten wollten mit der engen Bogenstellung jene Raumatmosphäre schaffen, die in gotischen Kathedralen durch die rhythmische Staffelung der Dienste und Rippen hervorgerufen wird. Auf den Rippen liegt eine Holzschalung auf, darüber folgen eine Dampfbremse, die Wärmedämmung und die Dachabdichtung. Die äußere Wetterhaut besteht aus einem tragenden Metallrahmen mit schwarzen Blecheindeckung, auf der wiederum eine Lattung aus insgesamt 25 Kilometern vorpatiniertem Douglasienholz aufgebracht wurde.

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