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DETAIL research, Die Zukunft des Bauens, Nachbericht Frankfurt

Klimagerechtes Bauen, Frankfurt // Rückblende

Der Klimawandel stellt auch Bauplaner vor neue Herausforderungen. Seit einigen Jahren experimentieren Architekten in der ganzen Welt mit neuartigen Materialien und Materialkombinationen, um energieeffizient, nachhaltig und gleichzeitig kosteneffizient zu bauen. Komplexe, integrative Produkte und technische Lösungen sollen multiple Bedürfnisse erfüllen und den wachsenden Anforderungen gerecht werden, die an moderne Gebäude gestellt werden – unter der Prämisse einer wachsenden Anzahl an zu berücksichtigenden nationalen und internationalen Normen, Vorschriften und Zertifizierungen. Aber: Wie viel Technik brauchen wir wirklich, um ein Gebäude qualitativ hochwertig, flexibel, haltbar und nicht zuletzt identitätsstiftend und behaglich zu gestalten? Nach dem nicht-öffentlichen Round-Table stellten die fünf Referenten in ihren Vorträgen unterschiedliche Ansätze für klimagerechtes Bauen vor.

Klimaschutzpotentiale und Anpassungsstrategien
Schon das Gebäudegrün mit seiner Feinstaubbindung oder auch die Gebäudeklimatisierung mit dem Effekt der Senkung des Energieverbrauches können als Klimapotential verbucht werden, so Dr. Bernhard Fischer vom Referat »Bauen und Umwelt« des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung in Bonn. In seinem Vortrag setzte er sich mit Klimaschutzpotentialen von Gebäuden und Quartieren, unterschiedlichen Anpassungsstrategien sowie mit dem Zusammenwirken des Gebäudes mit den Außenanlagen auseinander. Insbesondere wies er auf eine gebotene Weitsicht der Architekten hin: Alles, was jetzt geplant und gebaut wird, sollte dem Wandel der nächsten achtzig Jahre Stand halten können.

Rückkehr zur neuen Einfachheit
Eine Zeitenwende attestiert Martin Haas, haas cook zemmrich STUDIO2050, Stuttgart, der Architekturbranche, in der es gilt, Mensch, Raum und Umwelt in Einklang zu bringen. Er stellt dem Einsatz innovativer Technologien die Rückkehr zu einer neuen Einfachheit entgegen: eine Rückbesinnung auf teilweise in Vergessenheit geratene Bauweisen, die im Zusammenspiel mit technologischen Errungenschaften aufgewertet wird. Anhand eines Bauprojekts für die Firma Alnatura zeigt er die Bedeutung einer guten Balance zwischen Hightech und Lowtech auf: Wichtig ist eine ganzheitliche Betrachtung sowohl des Raumes sowie des Gebäudes und die Verwendung natürlich vorhandener Ressourcen. Neben der Berücksichtigung menschlicher Bedürfnisse liege in der Entwicklung reagibler Systeme das größte Potenzial zukünftiger Architektur, so Haas.

Menschliche Bedürfnisse im Blick
Die Herausforderungen des anstehenden Transformationsprozesses standen im Fokus der Ausführungen von Thomas Auer, Professor am Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen der TU München sowie Partner und Geschäftsführer bei TRANSSOLAR Energietechnik. Er arbeitet weltweit an Energie- und Komfortkonzepten, die sich durch innovatives Design auszeichnen. Im Hinblick auf das in der EU Carbon Roadmap vorgegebene Ziel eines CO2-neutralen Gebäudebestands bis 2050 weist er darauf hin, dass dabei die Integration aller Skalierungsebenen in die Überlegungen hinsichtlich Energieeffizienz und Aufenthaltsqualität von Bedeutung ist: Raum, Gebäude, Quartier. Die Umgestaltungsprozesse müssen zwar einerseits radikal sein, gleichzeitig aber immer auch auf die Bedürfnisse des Menschen eingehen – ein gelungenes Beispiel: Die Neugestaltung des Place de la République in Paris.

Neue Potentiale durch digitale Methoden
Adaptive Gebäude und die Entstehung neuer Potentiale durch digitale Methoden waren Thema des Vortrags von Arno Schlüter, Professor für Architektur und Gebäudesysteme an der ETH Zürich. So bietet das modulare Forschungsgebäude NEST (Next Evolution in Sustainable Building Technologies) eine Experimentierfläche zur Verwirklichung neuer Modelle: Hier werden Technologien, Materialien und Systeme unter realen Bedingungen getestet, erforscht, weiterentwickelt und validiert. In der Unit HiLo der ETH Zürich, einem zweigeschossigen Penthouse, das akademischen Gästen als Wohn- und Arbeitsraum dienen soll, werden neuartige bautechnische Lösungen aus ultra-leichten Betonschalen eingesetzt. Hier wird deutlich: Nachhaltiges Bauen kann auch außergewöhnlich sein.

Nachhaltige Architektur im Kontext ihrer Umgebung
Anhand der Projekte von Dietrich Untertrifaller Architekten zeigte Patrick Stremler, wie harmonisch sich nachhaltige Architektur sowohl in den ländlichen als auch in den urbanen Kontext einfügen kann. Und zwar so, dass der Übergang zwischen High Tech und Low Tech tatsächlich verwischt. Die Gebäude demonstrieren eindrücklich, wie wichtig es ist, mit Gebäuden einen Bezug zum Ort und damit zum kulturellen Hintergrund eines Projektes zu schaffen – egal ob es sich dabei um eine Sporthalle in Lyon, eine Schule in der Bretagne oder ein Unternehmenssitz in Voralberg handelt. Es geht um das Bauen für den Menschen und das Schaffen von Lebensräumen – und dabei neben Funktionalität, Qualität und Behaglichkeit auch um das Verständnis für lokales Handwerk, Innovation und Raum.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Eva Maria Herrmann, Architektin und freie Journalistin. Nach den inspirierenden Vorträgen und einer anregenden Diskussion bot das Get-Together die Gelegenheit zum intensiven Austausch und zum zwanglosen Networking. Die Veranstaltungsreihe wird bereits seit fünf Jahren von DETAIL durchgeführt – in Kooperation mit der Forschungsinitiative Zukunft Bau, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Bundesministerium für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Im Fokus steht der Austausch zwischen Architekten und Akteuren aus Forschung, Industrie und Politik, die in ihren Vorträgen über aktuelle Themen referieren und Chancen für neue Märkte aufzeigen.

Nächste Termine und Ausblick

Nach den Vorträgen in Leipzig zum Thema »Umbauen, Umnutzen, Umdenken« am 26. Oktober 2017 endet die diesjährige Vortragsreihe „Die Zukunft des Bauens“ mit der Veranstaltung zum Thema »Material und Konstruktion« am 21. November 2017 in München.

Informationen zur Reihe »Zukunft des Bauens« und den bisherigen Veranstaltungen erhalten Se hier.

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