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Klimakonzept Wohnhaus in Santiago de Chile


Beim Wall House verschmelzen durch die Trennung der einzelnen Wandlayer das architektonische Raum- und das Klimakonzept, bei dem zwischen den einzelnen Membranen eine Serie von differenzierten Klimazonen entsteht. Vor diesem Hintergrund bauen die einzelnen Wandlayer vom rechteckigen extrudierten Betonkern (Concrete Cave) bis zur diamantartigen Soft Skin nicht nur geometrisch formal aufeinander auf, sondern bilden auch in Bezug auf das Klimakonzept eine eng miteinander verwobene Hierarchie.

Im Betonkern (Concrete Cave) und der Bodenplatte des Hauses befindet sich die gasbetriebene Strahlungsheizung. Das Erdgeschoss wird dabei vom Boden her klimatisiert, während im offenen OG-Raum der Betonkern Wärme abstrahlt. Zu diesem Zweck befinden sich PEX (vernetztes Polyethylen)-Schlaufen in den Betonbauteilen. Im Sommer kann dieser Kreislauf mittels einer Wärmepumpe zur passiven Kühlung genutzt werden. Dabei wird das Wasser in den Serpentinen auf ca. 15 Grad abgekühlt. Die Bauteilkühlung verbraucht im Gegensatz zu einer herkömmlichen Klimaanlage wesentlich geringere Strommengen.

Milky Shell, die transluzente / transparente Klimahülle umfasst allseitig den „Innenraum“ des Hauses und trennt ihn klimatisch von der Umgebung. Die Hülle besteht aus Polycarbonatstegplatten (40mm, 4 Stege/3Kammern, Wärmedurchgangskoeffizient von 1,65 W/m²K) und Zweischeiben Isolierverglasung (U-Wert ca. 1,4 W/m²K). Zwei Oberflächen der Geometrie sind dabei vollflächig verglast. Sie beinhalten raumhohe Schiebetüren, die – je nach Tageszeit und Saison die vollständige Öffnung zum Außenraum ermöglichen.


Auf beiden Seiten der Firstlinie befindet sich in der Polycarbonathaut je ein längliches Klappfenster, das im Sommer geöffnet werden kann. Durch diese Öffnungen entweicht die aufsteigende warme Innenraumluft.

Die äußerste Hülle des Wall Houses, Soft Skin, besteht aus zwei verschiedenen textilen Geweben, dem Energieschirm und dem Insektengewebe. Beide Materialien finden normalerweise Anwendung im Gewächshausbau. Das Gewebe des Energieschirms besteht aus einer Kombination von reflektierenden Aluminiumbändchen, die mit Polymerfäden verwoben sind. Die diamantförmige Haut der Soft Skin verwendet je nach Himmelsrichtung Gewebe, das mit Hilfe des Aluminiums zwischen ca. 50 und 75% des Sonnenlichtes vom Haus wegreflektiert. Es ermöglicht dadurch eine Energieeinsparung von bis zu 35%. Die bodennahen Flächen der Haut sind durch Insektengewebe bespannt. Indem sich die Membran im Erdgeschoss bis zu ca. 4,5 Metern von der Polycarbonathülle entfernt, entsteht so ein nutzbarer Außenraum, in den Stechmücken und andere Insekten nicht eindringen können. In die Membran sind drei Reisverschlüsse eingenäht, durch die man in nach draußen gelangen kann.

Entlang des Firstes reduziert sich der Abstand zwischen den beiden Layern Soft Skin und Milky Shell auf ca. 45cm. Durch diesen Zwischenraum strömt Luft, welche die warme Abluft, die sich unter dem First sammelt, durch die Dachklappen aus dem Gebäudeinneren herauszieht.

Durch die räumliche und materielle Konfiguration der verschiedenen Wandlayer entwickelt das Projekt einen angemessenen architektonischen Umgang mit dem Klima vor Ort (im Sommer steigt die Temperatur auf bis zu 30-35 Grad, im Winter fällt sie auf bis zu 10 Grad). Die Energieeffizienz und die baulichen Standards (z.B. Isolierverglasung) des Hauses ist im lateinamerikanischen Vergleich extrem hoch.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2008

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