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Foto: Nathaniel McMahon

Kristall in der Flussoase: Weingut in Yinchuan

Der Norden der zentralchinesischen Provinz Yingxia gleicht einer Oase inmitten von Halbwüsten. Besiedelt und landwirtschaftlich genutzt wird hier praktisch nur die Ebene am Oberlauf des Gelben Flusses. Im Westen grenzt sie an die kahlen Bergrücken der Helan-Berge, hinter denen sich die Wüste Gobi anschließt.

In dieser »wunderschönen Mondlandschaft«, so Fabio Anderloni, Gründer des Architekturbüros a+a Anderloni Associates, wachsen einige der besten Weine in China. Weil Europa vielen Chinesen immer noch als kulturelles Vorbild gilt, bezeichnen die Einheimischen ihre Gewächse oft auch als »chinesischen Bordeaux«.

Wenn es hingegen um Größe geht, schauen die Chinesen lieber in die eigene Vergangenheit zurück. Die bekannteste Weinmarke des Landes etwa heißt »Great Wall«, und dieser Winzerkonzern war auch Auftraggeber für den Neubau der »Great Wall Yunmo Winery« durch a+a Anderloni Associates. Das seit 2006 operierende, chinesisch-italienische Architekturbüro aus Peking gestaltete den 14500 Quadratmeter großen Neubau als kristallinen Fremdkörper inmitten der Weingärten. Seine orangegelbe, gefaltete Putzfassade ist mit zahlreichen quadratischen Stahl-Hohlprofilen überzogen, deren Muster die lineare Anordnung der Weinreben ringsum aufgreift. Große verglaste Öffnungen geben den Blick frei aus den Innenräumen über die Ebene.

Ein besonders imposanter Panoramablick bietet sich von der Dachterrasse sowie aus dem Restaurant im Obergeschoss, wo die verspiegelten Betonstützen das Bild der Landschaft nochmals vervielfältigen. Der Rest des Obergeschosses ist vorwiegend Büroräumen vorbehalten. Das Erdgeschoss gliedert sich von Süden nach Norden in fünf Abschnitte. An den beiden Büroenden liegen hier ebenfalls Büros, während in der Gebäudemitte das Eingangsfoyer, eine Ausstellungshalle sowie ein Laden mit Probierstube untergebracht sind. Das Untergeschoss beherbergt schließlich das »Allerheiligste« des Weinguts – den Fasskeller. 

In den Innenräumen sind die Schrägstellungen und Faltungen der Ostfassade kaum wahrnehmbar, da dahinter eine zweite, innere Fassade verläuft und der Fassadenzwischenraum als thermischer Puffer dient. Das Eingangsfoyer und der Verkaufsladen sind dem langgestreckten Gebäude als Kreisformen einbeschrieben. Eine zweigeschossige Holzskulptur im Eingangsbereich soll formal an Weinfässer erinnern. Darunter lässt ein kreisrunder Glasausschnitt im Boden Tageslicht in das Untergeschoss passieren, wo die die Weinfässer »wie in einem römischen Zirkus« (Fabio Anderloni) auf erhöhten Rängen um ein rundes Wasserbecken gruppiert sind. Nicht weniger repräsentativ ist der benachbarte, große Kellerraum unter der Ausstellungshalle. Betonböden, braun gestrichene Decken und Unterzüge, rote Vorhänge und kronleuchterartige Pendelleuchten verleihen ihm eine Atmosphäre irgendwo zwischen Krypta und Industriehalle. 

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