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Kühle Dreiecksbeziehung

Deutsche Architekten bauen eine indische Forschungsstation in der Antarktis: Noch 2012 soll dort die „New Indian Research Station Bharati“ nach Plänen der Hamburger bof Architekten eingeweiht werden. Auch die Fassadenkonstruktion, die Höchstleistungen erbringen muss, entstand in Deutschland.

Indische Forschungsstation in der Antarktis
bof architekten

Auch 100 Jahre nachdem Roald Amundsen den Südpol erreichte, hat der „sechste Kontinent“ wenig von seiner Unwirtlichkeit eingebüßt. Aber sie ist zu einem internationalen Forschungsstandort für Meteorologie, Klimatologie und Astrophysik geworden.

Forschungszwecken soll auch die neue Station Bharati an der antarktischen Küste dienen. Sie wurde von der IMS Ingenieurgesellschaft mbH und bof Architekten aus Hamburg in einer speziellen, rationell vorgefertigten Containerbauweise geplant, um den Schiffstransport von Deutschland rund um die halbe Welt zu erleichtern. Die Architekten hatten Ende 2006 einen weltweit offenen Wettbewerb für den Neubau gewonnen.

Station Bharati an der antarktischen Küste
WICONA

Entwicklungsdetails und Konstruktion der Aluminium-Fassade orientieren sich an den extremen Wetterbedingungen der Südpolregion. Thermische und mechanische Belastungen durch Blizzards mit riesigen Schneemengen und rasenden Windgeschwindigkeiten sowie Temperaturen von -40°C und darunter stellen höchste Anforderungen an das Material. Um den Forschern einen großzügigen Ausblick auf die Polarregion zu bieten und einem Gefühl der Beengtheit entgegenzuwirken, ist ein großer Anteil der Fassade verglast. Die Außenhülle besteht in diesem transparenten Bereich aus einer speziell modifizierten Pfosten-Riegel-Konstruktion mit hochwärmegedämmten Aluminium-Paneelen und dreifach isolierten Glaselementen mit einer Neigung von bis zu 15° an den beiden Stirnseiten. Mit diesem Aufbau erreicht die Fassade einen Ucw-Wert von 0,8 W/(m²K). Durch die Bauweise mit vormontierten Elementen passte sich die Fassadenkonstruktion dem notwendigen Modularkonzept des Auf- und Abbaus bei der Testmontage in Duisburg und für die Endmontage am antarktischen Zielort flexibel an.

Die Forschungsstation Bharati hat ein Gewicht von ca. 1.000 Tonnen und eine Grundfläche von rund 2.000 qm. Das aus 134 Containern bestehende Bauwerk gelangte per Schiff vom Verladeort Antwerpen zunächst nach Kapstadt, wo nochmals 50 Container für das Bau-Camp, weiteres Ausrüstungsmaterial und das 50köpfige Montageteam an Bord genommen wurden. Vom Kap aus waren es noch rund 5.200 km bis zum endgültigen Standort „Larsemann Hills“ am Nordrand der Antarktis. 15.000 km von diesem Zielort entfernt, im Duisburger Binnenhafen, war die Station Bharati im Sommer dieses Jahres schon einmal zur Probe errichtet worden. Dabei wurden die einzelnen Container fertig ausgerüstet, alle Ein- und Anbauten anschließend hochseetauglich fixiert.

Forschungsstation Bharati
WICONA

Am Zielort bleibt für den Aufbau nur ein begrenztes Zeitfenster im antarktischen Sommer bis etwa März 2012, da dürfen keine Teile fehlen, alle Montageschritte müssen passen. Ob diese logistische Meisterleistung gelingt, entscheidet sich derzeit, denn der Bau der Station hat begonnen. Im Januar 2012 wird eine zweite Schiffsladung das restliche Material für den Endausbau der Forschungsstation Bharati anliefern. Zum geplanten Fertigstellungstermin März/April werden dann etwa 25 Experten die Polarstation in Betrieb nehmen, dort leben und arbeiten.

Südpolar-Forschungsstation Bharati
Planung: bof Architekten, Hamburg; IMS Ingenieurgesellschaft mbH
Generalunternehmer: Kaefer Construction GmbH
Fassadenbau, Metallbau: Lenderoth GmbH
Aluminiumprofile Fassade/Fenster: WICONA

Das Projekt wurde mit dem Europäischen Stahlbaupreis 2013 ausgezeichnet.

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