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Besucherzentrum, Atacama-Wüste, Chile

Kultur-Oase im Niemandsland: Besucherzentrum in der Atacama-Wüste

Über den touristischen Wert von Landschaften lässt sich bekanntlich streiten. Zivilisationsferne Gegenden, in denen sich die einen erst richtig entspannen können, sind für andere Zeitgenossen schlicht wilde Ödnis. Um jedoch die Notwendigkeit eines Besucherzentrums mitten in der Atacama-Wüste, dem trockensten Ort der Erde, zu verstehen, sind ein paar Erklärungen notwendig.

Auch in Chile verpflichten die Gesetze Unternehmen, die großflächige Eingriffe in die Landschaft vornehmen, zu Kompensationsmaßnahmen, die den angrenzenden Gemeinden zugute kommen. Diese Verpflichtung galt auch für den Energieversorger Enel Green Power, der zwischen San Pedro de Atacama und Ayquina den ersten Windpark im Norden Chiles errichtet hat. Ohne genaue Vorstellung, wofür die Kompensationszahlungen denn nun ausgegeben werden sollten, bat das Unternehmen die beiden Architekten Emilio Marín und Juan Carlos López um Vorschläge.

Marín und López konzipierten ein Gebäude, das seine Nutzer die umliegende Wüstenlandschaft mit ihren vielfältigen Zusammenhängen – dem natürlichen, dem kulturellen und dem energetischen – erleben und verstehen lassen soll. Der sternförmige Neubau steht in der Nähe einer Überlandstraße, die den Windpark durchquert. Seine sechs einwärts geneigten Flügel beherbergen den Empfang, WCs, einen Mehrzweckraum, Technikflächen sowie zwei Ausstellungsräume. Teils großflächige Verglasungen an den Stirnseiten ermöglichen weitläufige Ausblicke in die umliegende Wüstenlandschaft und bis zu den Andengipfeln in der Ferne.

Im Zentrum der Anlage schufen die Landschaftsarchitekten Cristobal Elgueta und Macarena Calvo einen mit Wüstenpflanzen begrünten Innenhof. Die umliegenden Eingangswände der sechs Pavillons muten auf den ersten Blick an wie Sichtbeton. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um grau verputzte Trockenbauplatten. Fast das ganze Gebäude wurde, dem Wassermangel der Atacama geschuldet, in Stahlskelettbauweise errichtet. Außen ist es mit Cortenstahl-Trapezblechen verkleidet; die Innenoberflächen der Wände und Decken bestehen hingegen aus MDF-Platten.

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Weitere Informationen:

Mitarbeit:
Alessandra dal Mos, Thomas Batschenlager

Landschaftsarchitektur:
Cristobal Elgueta, Macarena Calvo

Tragwerksplanung:
Victor Palma

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