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Kunst als Vehikel: Museum in Singen am Hohentwiel

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Ein neues Kunstmuseum wird in wenigen Tagen in der Stadt Singen unweit der Schweizer Grenze eröffnet. Es liegt am Fuß des Hohentwiels unterhalb der gleichnamigen Burg. Ein neues Kunstmuseum? Nein, das MAC Museum Art and Cars will viel mehr sein als „nur“ ein Ausstellungsraum für Kunst: Bau-Kunstwerk, Oldtimer-Showroom, Eventgastronomie – die Wunschliste der Bauherren war lang. Und sie haben das Projekt aus eigener Tasche bezahlt – bar. Das Grundstück dafür stellte allerdings die Stadt zur Verfügung. Von der FAZ wurde das Projekt bereits als Architektur vom Feinsten gefeiert. Dabei sind Architektur und Geschichte des MAC vor allem eins: voller Widersprüche.

MAC Museum Art and Cars, Singen, Foto: Panthera

Eigentlich sollte es ein Depot mit Ausstellungsräumen für die Südwestdeutsche Kunststiftung und ihre 3.000 Werke umfassenden Sammlungen werden: das gerade fertig gestellte MAC Museum Art and Cars. Die Stadt Singen schenkte der Stiftung mit ihrem Schwerpunkt auf Kunst mit regionalem Bezug – HAP Grieshaber und Horst Antes sind hier unter anderem vertreten – sogar ein Grundstück. Doch dann wollten die Bauherren, Hermann Maier und Gabriela Unbehaun-Maier, die gleichzeitig im Vorstand der Stiftung sitzen, unbedingt ein eigenes „Kunstwerk“ aus dem Projekt machen – und legten beim Entwurf dafür sogar selbst Hand an: „Ich entwarf zu Weihnachten 2007 das erste Modell eines Museums, damals noch sehr bescheiden und weit entfernt vom heutigen Kunstwerk MAC,“ so Gabriela Unbehaun-Maier. Sie suchten sich einen jungen Architekten, der diese Vision gemeinsam mit ihnen in die Realität umsetzen sollte: Daniel Binder aus Gottmadingen konnte bis dahin zwar keine Erfahrung im Bereich der Museumsplanung aufweisen, besitzt aber immerhin ein Diplom der ETH Zürich.

MAC Museum Art and Cars, Singen, Foto: Hans Noll, Otto Kaper Studios, Singen

Und dann wurde das Programm erweitert: Plötzlich war da die Idee, auch noch die große Leidenschaft der Bauherren, ihre Begeisterung für Oldtimer, in das Projekt einfließen zu lassen. Wäre es nicht großartig, ein Museum zu bauen, in dem nicht nur Kunst, sondern auch alte Autos gezeigt würden? Könnte man dadurch nicht noch mehr Besucher anlocken? Bauherr Hermann Maier fand sogar ein Künstlerzitat, mit dem er die Entscheidung untermauerte: „War es nicht Joseph Beuys, der sagte, dass ein Panzer, ein U-Boot oder das inzwischen ausgemusterte Flugzeug Concorde viel ästhetischer seien, als alle heute zur Verfügung stehende Kunst von Picasso bis zu seinem – ich zitiere – ‚eigenen Mist‘?“ Dass es bei diesem Zitat gerade darum geht, die Kunst der Moderne von dem Kreieren „ästhetisch schöner Objekte“ im Sinne eines Produktdesign abzugrenzen, kümmerte den Vorstandsvorsitzenden der Südwestdeutschen Kunststiftung nicht. Überall wurden nun Verbindungen zwischen Kunst und Automobil recherchiert – und zum Beispiel im maschinenverliebten Futurismo gefunden, einer Stilrichtung, die zwar gar nicht in den Sammlungen der Südwestdeutschen Kunststiftung vertreten ist, aber doch die Möglichkeit bot, an ein Stück Kunstgeschichte anzuknüpfen. Und damit eine im ursprünglichen Gebäudezweck nicht angelegte Entscheidung zu rechtfertigen.

MAC Museum Art and Cars, Singen, Foto: Hans Noll, Otto Kaper Studios, Singen
MAC Museum Art and Cars, Singen, Foto: Hans Noll, Otto Kaper Studios, Singen

Nun sieht man dem Museum allerdings an, dass die vielfältigen Anforderungen an den Bau Architektur und Architekten überfordert haben: Kunstwerk sein und gleichzeitig Kunst ausstellen müssen; einem organisch geformten Modell der Bauherrin gerecht werden, aber gleichzeitig das an der ETH bei Hans Kollhoff gelernte „tradierte Regelwissen der Architektur“ vermitteln wollen; als skulpturale Bauform genauso wie als Eventgastronomie funktionieren müssen; Malerei ebenso wie alte Autos repräsentativ zur Geltung bringen... Es ist ein schweres Päckchen, das das MAC zu schultern hat.

MAC Museum Art and Cars, Singen, Foto: Hans Noll, Otto Kaper Studios, Singen

Das Päckchen war zu schwer. Wohin man beim MAC auch blickt – überall Unstimmigkeiten: Ob man den zur Straße hin merkwürdig kantigen Sockel betrachtet, auf dem der organisch geschwungene Baukörper wie auf einem Tablett präsentiert wird, der aber auf der Rückseite eher unmotiviert in sein Präsentationsobjekt „hineinwächst“; oder, ob man sich über die großformatigen „Kisten“ wundert, die sich auf der Rückseite aus dem weich mäandrierenden Körper herausschieben und dessen Formsprache stören (hat innen etwa der Platz für die „Eventgastronomie“ nicht ausgereicht?). Man fragt sich auch, ob die DIN-gerechte Blechverwahrung des Dachabschlusses einem Gebäude entspricht, das für sich den Anspruch erhebt, ein skulpturales „Kunstwerk“ zu sein. Und, wie an den geschwungenen Wänden im Museumsinneren eigentlich Gemälde aufgehängt und ausgeleuchtet werden. Der Pressetext beantwortet die Frage so: „Die Wände bieten nicht den prinzipiellen sachlichen Hintergrund; die Hängung der Kunstwerke erfordert größte Sorgfalt, bietet aber die Chance auf eine pointierte Präsentation der Werke. (...) Bei Tageslicht ist die Farbwiedergabe zwar optimal, unterliegt jedoch starken tages- und jahreszeitlichen Schwankungen.“

MAC Museum Art and Cars, Singen, Foto: Hans Noll, Otto Kaper Studios, Singen

Doch die oben abgebildete Eröffnungsausstellung des MAC mit dem Titel „Wachgeküsst“ macht ohnehin den Eindruck, als wären die Schätze der Stiftung hier zum dekorativen Hintergrund für die omnipräsente Oldtimer-Schau degradiert worden. Und zum Vehikel, um einen publikumsträchtigen Anziehungspunkt zu schaffen – für eine „Eventgastronomie“ oder was auch immer.

(Cordula Vielhauer)

MAC Museum Art and Cars, Singen, Fotos: Hans Noll, Otto Kaper Studios, Singen
MAC Museum Art and Cars, Foto: Panthera
MAC Museum Art and Cars, Singen, Foto: Hans Noll, Otto Kaper Studios, Singen
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