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Kunststoffe boomen – umweltfreundlich und mit neuen technischen Eigenschaften

Allen voran Werkstoffe aus der Gruppe der Polyolefine. Zu dieser zählen auch das klassischerweise für Verpackungsmaterial verwendete Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP). Laut der Pyramide zur Umweltverträglichkeit von Kunststoffen, bildet PVC als gefährlichster Stoff die Spitze während biologisch abbaubare Biopolymere zukünftig die Basis stellen sollen. Polyolefine, Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) ordnen sich dort als umweltfreundliche Variante eine Stufe über den Biopolymeren ein. Allerdings haben die technischen Eigenschaften der Polyolefine wie Härtegrad, Licht- oder Wärmebeständigkeit bisher den Einsatz als Möbelstück – beispielsweise als Stuhl auf den im Gebrauch hohe Kräfte einwirken – stark eingeschränkt. Klassische Plastikmöbel bestanden bisher meist aus dem hochgiftigen PVC.

Als Bodenbelag sind organische und chlorfreie Polyolefine schon seit einigen Jahren als umweltfreundlicher Ersatz für PVC-Beläge im Einsatz. Dort werden sie als physiologisch unbedenklich, frei von Chlor und Weichmachern, geruchsneutral, umweltverträglich und wiederverwertbar beschrieben. Nun erobert das Material auch die Möbelbranche. Möglich wird dies beispielsweise durch die Verstärkung mit Glasfasern.

Das Designerduo LucidiPevere hat für den italienischen Hersteller Kristalia den Stuhl LP aus glasfaserverstärktem und spritzgegossenem Polypropylen entworfen. Dieser ist für den Indoor- und Outdoor-Einsatz gleichermaßen geeignet und zeichnet sich durch eine weiche und sichtbar matte Oberfläche aus. Ebenfalls von Kristalia präsentiert und aus dem Material Polypropylen hergestellt, ist der Stuhl Colander von Patrick Norguet. Um die Statik des Sitzmöbels zu gewährleisten wurde hier eine Struktur bestehend aus Aluminiumguss und Pressaluminium verwendet. Die gestaltgebende Sitzfläche und die Rückenlehne sind aus formgepresstem Polypropylen gefertigt. Für den Einsatz im Freien dienen kleine Löcher, die das Regenwasser abfließen lassen. In Anlehnung an das Herkunftsland des Möbelherstellers, aber sicherlich auch, um die Unbedenklichkeit des Materials für Umwelt und Gesundheit zu symbolisieren, existiert eine augenzwinkernde Grafik von Colander in Verwendung als Nudelsieb. Auch am Stand von Kartell konnte man sich zur Mailänder Möbelmesse von einer neuen Begeisterung für Kunststoffe anstecken lassen. Hier kamen Werkstoffe mit unterschiedlichsten Eigenschaften verschiedener Designer zum Einsatz. Der Organic Chair von Antonio Citterio verwendet das absolut neuartige Material Biodura, ein Werkstoff aus nachwachsenden Rohstoffen. Durch ein biologisches Verfahren aus Abfallmaterial, das von Mikroorganismen angegriffen wird, entsteht eine Biomasse, die dem Kunststoff sehr ähnlich ist. Nach einer Reihe von weiteren Bearbeitungsprozessen, die die Stoffzusammensetzung weiter optimieren, entsteht aus dieser Biomasse ein äußerst hochwertiges Material, das im Injektions- und Pressverfahren angewandt wird wie Kunststoffmaterialien. Hinter dem schlichten Design des Möbelstücks Piuma von Designer Piero Lissoni, ebenfalls von Kartell, stehen drei Jahre intensive Forschung. Entstanden ist dabei ein komplexes thermoplastisches Polymer mit Carbon-Verstärkung, die eine hohe mechanische Festigkeit bei gleichzeitig hoher Leichtigkeit verleiht. Diese Verbindung, die aus anderen Industriebranchen wie zum Beispiel der Automobil- und Luftfahrtindustrie stammt, ist damit – laut Hersteller – absolut neu in der Möbelindustrie. Durch diesen Materialmix ist Piuma nicht nur federleicht und dünn, sondern auch langlebig und flexibel. Auch Objekte aus transparentem Polycarbonat erweitern das Spektrum der Kunststoffe, wie z.B. die Schaukel Airway von Philippe Starck.

Designer und Designfans lieben die neuen Objekte aus Kunststoffe. Die Plastiken aus Plastik können nun auch (fast) mit einem reinen Umweltgewissen erworben werden. Polyolefine sind mit weniger Risiken verbunden als viele andere Kunststoffzusammensetzungen und gut für mechanisches Recycling geeignet. Trotzdem können sie natürlich aus der Ressourcen- und Umweltperspektive niemals den gleichen sauberen Stellenwert erreichen wie natürliche Materialien. Aber bei Design geht es ja auch um Kunst – und es ist nun mal so, dass kein anderer Werkstoff so vielseitig sein kann wie Kunststoff.

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