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Kunststoffhaut spart Energie

Niemand behauptet, dass energetische Sanierung automatisch „Wärmedämmverbundsystem“ bedeutet. Im dänischen Kolding hat ein Wohnhaus von 1949 nun eine gut gedämmte zweite Haut aus schimmernden GFK-Platten erhalten.

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Das an einem Südhang nicht weit vom Koldinger Stadtzentrum gelegene Einfamilienhaus verbrauchte vor seiner Sanierung rund 200 Kilowattstunden Wärmeenergie pro Quadratmeter und Jahr – Durchschnitt für nicht sanierte Wohnbauten aus jener Zeit. Eine Wärmedämmung war teilweise vorhanden: Im Dach war sie 100 Millimeter stark; auch die 19 cm starken Außenwände aus Gasbetonsteinen waren am Westgiebel und der Nordfassade teilweise nachträglich mit 100 Millimetern Innendämmung aus Mineralwolle versehen wollen. Die Fenster mit ihren Holzrahmen waren teilweise nur einfach verglast, teilweise war bereits eine Doppel-Isolierverglasung eingebaut worden.

Für die nun angestrebte energetische Sanierung (Architekten: Sofie Thorning in Zusammenarbeit mit Tegnestuen Mejeriet) lautete die erste Devise wie stets in solchen Fällen: die Dämmung verstärken und Wärmebrücken eliminieren. Die Dämmung im Dach und an den Außenwänden wurde um jeweils 30 Zentimeter verstärkt. Ferner wurde die alte Zirkulationspumpe der Heizanlage gegen ein energieeffizienteres Modell ausgetauscht, und die Radiatoren im Haus erhielten Thermostatventile. Der Heizenergiebedarf konnte auf diese Weise um 80 % gesenkt werden.

Doch auch gestalterisch hat sich das Haus völlig gewandelt – und es ist gewachsen: Ein Anbau im Westen führt die Gebäudekontur mit ihrem Giebeldach nahtlos fort. Im Erdgeschoss kam auf diese Weise ein zusätzliches Schlafzimmer hinzu, im Obergeschoss – das bei diesem Haus das Wohngeschoss ist – ein Eßbereich mit angeschlossener Loggia.

Ein zuvor in der Südfassade des Erdgeschosses vorhandener Rücksprung wurde „begradigt“ und das gesamte Haus – inklusive Dach und Schornstein – in eine Hülle aus glasfaserverstärkten Kunststoffplatten (GFK) gehüllt. Mit dem Umbau wollte der Bauherr nicht zuletzt einen Präzedenzfall schaffen: Er ist Miteigentümer von Fiberline A/S, einem führenden Hersteller von Bauelementen aus GFK. Auch einen (inoffiziellen) Namen hat das runderneuerte Haus bereits – der Bauherr und seine Architekten nennen es schlicht „Coat House“, abgeleitet vom britischen Begriff „coat“ für „Mantel“.

Auch zu den Amortisationszeiten macht der Bericht des am Umbau beteiligten Energieberaters, Kristian Rasmussen vom Büro Kr.Bo-Syn, Angaben: Auf Basis heutiger Energiepreise sollen sich die Maßnahmen am Heizsystem zwischen 3 und 6 Jahren und die Dämmmaßnahmen an der Gebäudehülle immerhin noch innerhalb 16 bis 19 Jahren amortisieren. Bei steigenden Energiekosten verkürzen sich diese Zeiten entsprechend. Ferner hat sich, so der Bauherr, der eventuelle Wiederverkaufswert seines Gebäudes durch die Umbaumaßnahme entscheidend erhöht.

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