You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
La Marseillaise, Ateliers Jean Nouvel, Frankreich, Hochhaus

La Marseillaise: Ein Hochhaus als Hymne an das Licht

Ein banales Investorenprojekt in ein Kunstwerk zu verwandeln, darauf verstehen sich nur wenige Architekten. Um das eigene Werk dann auch noch in einem Gedicht verbal zu verklären, muss man Franzose sein – oder Jean Nouvel. Mit La Marseillaise ist er seiner Vorliebe für das Außerordentliche treu geblieben. Es wirkt als hätte er den Turm erst kurz vor Eröffnung mit einem Pinsel selbst bemalt.

Und tatsächlich, die 3500 einzelnen Fassadenelemente aus faserbewertem Ultrahochfesten Beton UHPC wurden im Werk von Hand gestrichen. Anders wäre es nicht möglich gewesen an einzelnen Elementen bis zu 26 verschiedene Farbtöne aufzutragen. So wirkt die Fassade trotz der seriellen durchrationalisierten Fertigung unverkrampft locker und spontan. Genau das wollte Nouvel erreichen: Eine Bürofassade, die nicht so verwechselbar und abweisend ist, wie der benachbarte Glasturm von Zaha Hadid Architects. Außerdem wollte er die Wirkung von Zwillingstürmen in der Silhouette vermeiden, ist der Büroturm La Marseillaise doch Teil eines ganz anderen Ensembles, des Quartiers d’Arenc, das von einem einzigen Investor entwickelt wird.

Zurück zum Farbkonzept: Es ist nicht das erste Mal, das Nouvel mit einem farbigen Turm die ganze Silhouette einer Hafenstadt dominiert. In Barcelona hat er mit dem Torre Agbar, der Hauptverwaltung der Wasserwerke von Barcelona, eine neue Ikone geschaffen, die wie eine Fontäne als rote heiße Säule aus dem Boden dringt und nach oben hin zunehmend abkühlt und blau wird. Das Bild des in Architektur verwandelten Wassers wird außen durch die glänzende transparente Hülle aus tausenden Glaslamellen verstärkt. Im Innern erzeugen hochreflektierende Edelstahlbleche an Fensterlaibungen und Decken das Gefühl, als befände man sich inmitten von Schaum.

In Marseille arbeitet er mit denselben Farben Rot, Blau und Weiß, jedoch in einer gänzlich anderen Konnotation. Er nimmt den Ortsnamen Marseille zum Anlass, die Marseillaise, die französische Nationalhymne, als Thema für seinen assoziativen Diskurs durchaus improvisiert zu interpretieren. Anstelle glänzender Glasscheiben tritt die matte Oberfläche des Betons, der die Fenster auf den Sonnenseiten in tiefe Schatten taucht und so die Transparenz der Verglasung bis zur optischen Entmaterialisierung steigert.

Kurze Werbepause

Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 4/2019 mit dem Themenschwerpunkt »Farbe und Textur«.
> Online Shop

Weitere Artikel zur Ausgabe DETAIL 4/2019 finden Sie hier.

In unserer Datenbank DETAIL inspiration finden Sie weitere Informationen zu dem Projekt »Torre Agbar«.
> DETAIL inspiration

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2019
DETAIL 4/2019

Farbe und Textur

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.