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Landmark im Oldenburger Stadtbild - der Neubau der Landessparkasse zu Oldenburg

Die Landessparkasse zu Oldenburg – kurz LzO – ist die älteste bestehende Sparkasse der Welt und zählt zu den 25 größten Sparkassen in Deutschland. Die Zentralverwaltung am Schlossplatz in Oldenburg bot schon seit Jahren nicht mehr genug Platz, sodass weitere Standorte über die Stadt verteilt notwendig wurden. Im Jahr 2004 beschloss daher der Verwaltungsrat, in unmittelbarer Bahnhofsnähe ein Grundstück zu kaufen und eine neue Zentralverwaltung für die über 600 Mitarbeiter zu bauen, die im August 2009 eingeweiht wurde.

Den Wettbewerb, zu dem sieben renommierte Architekturbüros aus Deutschland eingeladen waren, hatte das Düsseldorfer Büro Rhode – Kellermann – Wawrowski (RKW) für sich entschieden, mit einem Entwurf von Lars Klatte, der die Vorgaben für Raumprogramm und Wirtschaftlichkeit in den Augen der Jury am besten mit der Identität und der Bedeutung des Unternehmens, aber auch mit städtebaulichen Aspekten verband.

Neues Landmark im Stadtbild von Oldenburg ist das prägnante, weithin sichtbare, zehngeschossige Hochhaus der Bank. Der knallrote Würfel mit dem Sparkassenlogo auf dem Dach wirkt durch den Kontrast mit dem grauschwarz erscheinenden geometrischen Baukörper noch auffälliger. Um das Hochhaus herum sind vier viergeschossige Kuben in der gleichen dunklen Anmutung gruppiert. Drei der Gebäude sind als Kammstruktur verbunden, das vierte spiegelt das Hochhaus. Als Gegenpart zu den orthogonal angeordneten Rechteckkuben ist ein hell und filigran erscheinender vier­geschossiger Bau mit amorph geformter Grundfläche durch einen verglasten Gang wie ein Satellit angefügt.

Die mit dunklen Granitplatten verkleideten Fassaden mit dem umlaufenden Sockel werden homogen durch geschosshohe Fenster gegliedert, ohne Portale und Eingänge zusätzlich zu akzentuieren. Die allgegenwärtigen rechteckigen Rasterungen zeugen von Konsequenz und Kraft des Entwurfs, der bei aller Klarheit jedoch leicht wirkt.

Wilkhahn, Wilkening Hahne, LzO, Landessparkasse zu Oldenburg, Bürostuhl, ON

Die geometrische Strenge setzt sich in der Materialität des Innenausbaus fort, im Gegensatz zum dunklen Granit der Fassaden, der bei Sonneneinfall funkelnd zum Leben erwacht. Der Innenbereich überrascht durch seine helle, lichte Atmosphäre. Rahmenlose Glasbrüstungen mit polierten Edelstahlhandläufen, glänzende Steinböden in Glashallen und Magistrale, sorgfältige Details in der Ausformulierung der Treppen, eine vom Erdgeschoss bis zum Glasdach reichende eingestellte Wandscheibe zum Mitarbeiterrestaurant – als Akustikwand ausgeführt komplett mit grauem, perforiertem Leder bezogen – und die ebenfalls in hellen, natürlichen Tönen gehaltene Büroeinrichtung zeugen von einer durchgängigen Material- und Gestaltungsqualität.

Auch der Vorstandsbereich im Hochhaus fügt sich nahtlos ein: hier glänzen die weißen Wände in den Fluren, dafür ist der Fußboden in mattem Eichenparkett ausgeführt. Cremeweißes Ledergestühl, Konferenztischanlagen in Raucheiche, Glas, Chrom, polierter Edelstahl und Kunstwerke aus dem eigens entwickelten Kunstkonzept der LzO schaffen eine angenehm klare und dennoch gedämpfte Atmosphäre.

Ungewöhnlich mutig für einen Bauherrn im Allgemeinen und für eine Bank im Besonderen war die Bürostuhlentscheidung: hier wurde mit dem ergonomisch neuartigen Bürostuhlkonzept »ON« von Wilkhahn Wilkening + Hahne GmbH + Co KG ein Produkt gewählt, das zum Zeitpunkt der Entscheidung noch gar nicht auf dem Markt war, sondern lediglich als prototypischer »Erlkönig« getestet werden konnte.

Der eindrucksvollste Beweis für die Bereitschaft, auch ungewöhnliche Wege zu gehen, ist der »Raum der Stille«, ein Betonkubus mit elliptischem Oberlicht, der in einem der beiden Innenhöfe platziert ist. Der Raum ist Rückzugsort, der durch seine kontemplative Wirkung überzeugen will. Die Atmosphäre ist mit der einer Krypta vergleichbar. Wie viele der gut 600 Mitarbeiter in der Zentrale diesen Raum nutzen und ob die innere Einkehr hilft, in den Wirren der Finanzmärkte einen klaren Kopf zu behalten, sei dahingestellt. Verbürgt aber ist, dass die neue Zentrale von Mitarbeitern wie von Oldenburger Bürgern gleichermaßen hoch geschätzt wird. Als eine räumliche Qualität, die der LzO auf den Leib geschrieben ist und kaum Erklärungen benötigt, weil sie sich unmittelbar und in jedem Detail mitteilt. Das in die Sprache der Architektur übersetzte Selbstverständnis des Unternehmens wird von allen verstanden.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
10/2010

Bauen mit Holz

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