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Landshut testet Plusenergiekonzepte

Wie sich Plusenergiehäuser auch im „ganz normalen“, durch Bauträger finanzierten Wohnungsbau realisieren lassen, wird derzeit in Landshut erprobt. Dort entsteht in zentraler Lage auf einer ehemaligen Industriebrache der „Ludmilla-Wohnpark“ mit 68 Wohneinheiten, die mehr Energie erzeugen sollen, als sie verbrauchen.

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Ludmilla-Wohnbau GmbH

In Landshut ist auf dem ehemaligen Röderstein-Firmengelände ein neues Wohnareal in zentraler, aber auch naturnaher Lage entstanden. Nach Abriss der alten Bausubstanz konnte das Grundstück von rund 7.300 Quadratmetern für ein Ensemble aus vier Einfamilienhäusern, zwei Doppelhäusern, sechs Reihenhäusern und acht Mehrfamilienhäusern genutzt werden. Die Mehrfamilienhäuser umschließen in zwei Reihen das Wohnareal, in dessen Mitte die Reihen- und Einfamilienhäuser parallel angeordnet sind. Im Innenbereich sind zudem eine Grünanlage mit Wasserfläche sowie eine Spielfläche für Kinder vorgesehen. Zur Renatastraße schließen die beiden Doppelhäuser mit eigenem Grünflächenareal an. Bewusst wurde das Grundstück nicht maximal mit der Bebauung verdichtet, sondern auf großzügigen Freiraum zwischen den Gebäuden geachtet.

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Lageplan
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( Ludmilla-Wohnbau GmbH)

Hoher Wärmeschutz ohne WDVS

Alle Wohnungen im Areal erfüllen mindestens den Standard des Effizienzhauses 55 (ehemals KfW 40). Die Wahl der Baustoffe spielte dabei eine besondere Rolle: Die eingesetzten Bauteile unterschreiten deutlich die geforderten Maximalwerte aus der Energie-Einsparverordnung 2009. Neben dreifach verglasten Fenstern (U2-Wert 0,92 W/m²K) kommen so auch massive, gefüllte Mauerziegel zum Einsatz. Sie eignen sich aufgrund seiner Füllung aus Mineralgranulaten, die für eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit sorgen, besonders für energieeffizientes Bauen. Mit einem Wärme¬leitwert von 0,07 W/(mK) ermöglicht der hier verwendete „Coriso“-Ziegel von Unipor den Bau von Außenwänden, die einen U-Wert von 0,14 W/(m²K) erreichen – und liegt damit sogar unter dem Passivhaus-Richtwert des Wärme¬schutzes der Bauteile der Gebäudehülle von 0,15 W/(m²K).

Beheizung und Stromversorgung aus erneuerbaren Energien

Die Nutzung erneuerbarer Energien spielt beim Ludmilla-Wohnpark naturgemäß eine Schlüsselrolle, um den Plusenergiestandard zu erreichen. Wichtigste Energielieferanten sind eine Photovoltaik-Anlage auf den Dächern des Wohnparks, ein Biogas-Blockheizkraftwerk und eine Biogastherme. Die Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser werden über Kleinstwärmepumpen beheizt, welche über die Photovoltaik-Anlage mit Strom versorgt werden. Das Blockheizkraftwerk beliefert die Mehrfamilienhäuser ebenfalls mit emissionsfreier Energie für Beheizung und Warmwasser. Der nicht im Wohnpark verbrauchte Strom aus der Photovoltaik-Anlage und dem Blockheizkraftwerk wird in das Stromnetz eingespeist.

Mit dem Zusammenspiel der eingesetzten Energiequellen soll während der Nutzung der Gebäude eine positive, emissionsfreie Energiebilanz und primärenergetisch der Plusenergiebereich erreicht werden. Zum Konzept zählen dabei auch die Überprüfung und das Monitoring der erzielten energetischen Werte. Die Hochschule München und die TU Dresden betreuen den Ludmilla-Wohnpark als Forschungsprojekt. Die TU Dresden legt dabei den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf den Bereich der Gebäude- und Anlagensimulation sowie auf bauphysikalische Gutachten, während sich die Hochschule München auf die messtechnische Erfassung des Geländes, die Erarbeitung des Energiekonzeptes und die Betriebsoptimierung konzentriert.

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Energiekonzept

Wohnkonzept mit hohem Anspruch

Zu den Besonderheiten des Ludmilla-Wohnparks gehört nicht nur die energieeffiziente Bauweise, sondern auch seine Ausrichtung auf die Bedürfnisse von Menschen unterschiedlichen Alters und Wohnanspruchs: Die barrierearme Ausführung der Gebäude für Menschen mit Behinderung oder für ältere Menschen findet sich in der Planung des Gebäudeensembles genauso wieder wie die Adaption an Bedürfnisse von jungen Familien.

Insgesamt wird der Ludmilla-Wohnpark einem hohen Wohnraumanspruch gerecht. Nachhaltigkeit wird hier nicht nur in Hinblick auf die Wahl der Baustoffe und der energetischen Ausrichtung groß geschrieben, sondern spiegelt sich auch in dem auf mehrere Generationen ausgerichteten Wohnkonzept wider.

Projektbeteiligte:

Bauherr: Ludmilla-Wohnpark GmbH, Landshut
Architekt: Architektin Dipl.Ing. (FH) Heinke Gschlößl, Ergolding
Statik: Planungsbüro Seitz, Pollanten
Rohbau: Grabmeier Bau GmbH & Co. KG, Dingolfing
Ziegelhersteller: Ziegelwerke Leipfinger-Bader KG, Vatersdorf, Mitglied der UNIPOR-Gruppe
Innenausbau: Schönreiter Baustoffe GmbH, Altheim
Photovoltaik: Volthaus GmbH, Mainburg
Erdkollektoren: TerraQ600 GmbH, Bischberg

Stichworte:
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DETAIL 9/2018, Schulen

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