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L'architecture engagée – Manifeste zur Veränderung der Gesellschaft

Von Peter Popp

Eine systematisch aufbereitete Ausstellung im Architekturmuseum der TU München zeigt noch bis zum 2. September 2012 unterschiedliche Spielarten der »architecture engagée«. Den enzyklopädischen Part übernimmt die gleichnamige Begleitpublikation. In sieben fundiert recherchierten Kapiteln werden komplexe Theoriegebilde greifbar.

Ort: Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne, Arcisstraße 21, 80333 München
Ausstellungsdauer: 14. Juni - 02. September 2012

Architecture Engagée, Victor Theodor Slama
Victor Theodor Slama, Plakat mit Werbung für die Baupolitik der Wiener Sozialdemokraten, 1927; Copyright: Wienbibliothek im Rathaus, Plakatsammlung, P 441

Utopien streben nach Perfektion. In Form eines idealisierten Gegenentwurfs artikulieren sie seit jeher ihre Unzufriedenheit mit bestehenden politischen, ökonomischen oder sozialen Zuständen. Erst das Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert erhebt die Vorstellung, mit den Künsten direkt auf die Gesellschaft einwirken zu können, schließlich zum Programm. Genau hier setzt die systematisch aufbereitete Ausstellung im Architekturmuseum der TU München ein. In sieben klar definierten Kapiteln analysiert sie unterschiedliche Spielarten der »architecture engagée« in Bezug zum jeweiligen gesellschaftlichen Kontext und erzählt dabei auch eine Geschichte des Scheiterns.

Franz Heinrich Ziegenhagen, Verhältnislehre, Hamburg 1792, Die Kolonie, Kupferstich von Daniel Chodowiecki
Bruno Taut, Alpine Architektur, Das Baugebiet, Blatt 17, Hagen 1919, Copyright: Architekturmuseum der TU München

Weder vernunftgesteuerte Utopien, die »gutes Leben« durch geordnete Räume anstrebten, noch anarchistische Varianten, die individuelle Autonomie in Einklang mit der Natur propagierten, ließen sich jemals großmaßstäblich umsetzen. Zwar wurden die »Garden Cities« von Ebenezer Howard in ganz Europa begeistert aufgenommen. Als pervertiertes Gartenstadt-Modell werden sie allerdings bis heute von Architekten und Immobilienmaklern als Synonym für durchgrünte Vororte missbraucht.

In einer überaus reichhaltigen Begleitpublikation werden die komplexen Theorien sehr ausführlich dargestellt und mit Skizzen, Fotos, Zitaten und entsprechenden Fußnoten historisch verankert – eine ideale Ergänzung zur lohnenswerten Ausstellung, deren hermetischer Duktus die Informationsfülle auf ein verbal und visuell prägnantes Maß zu reduzieren versteht.

Architecture Engagée
Große Bild- und Texttafeln gliedern den Raum in sieben thematische Bereiche und formulieren die Kernaussagen der jeweils behandelten Utopie. Foto: Peter Popp

Begleitpublikation:
L‘architecture engagée – Manifeste zur Veränderung der Gesellschaft

Winfried Nerdinger (Hg.) in Zusammenarbeit mit Markus Eisen und Hilde Strobl, Architekturmuseum München/DETAIL Institut für internationale Architekturdokumentation, München 2012, 320 S., Hardcoverausgabe im Buchhandel ISBN 978-3-920034-66-9, € 49 Euro

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2012

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