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Julia Schambeck

Lebhafte Textur: Doppelturnhalle in Landshut

Die alte Sporthalle der Ursulinenrealschule in Landshut hielt den funktionalen und sicherungstechnischen Anforderungen nicht mehr stand und war nach über 50 Jahren sanierungsbedürftig. Das Erzbischöfliche Ordinariat München rief einen Wettbewerb aus, den Hirner & Riehl Architekten 2009 für sich entscheiden konnten. Der einstige Plan, die alte Schule abzureißen und zu ersetzen, wurde verworfen. Stattdessen wurde für den Neubau ein nahe der Realschule gelegenes Grundstück ausgewählt, das zuvor als Parkgelände genutzt wurde. Zwischen Isar und der Ursulinenrealschule entstand nach zweijähriger Bauzeit die neue Zweifeldsporthalle, von der nicht nur die Schülerinnen und Schüler seit 2014 profitieren. Der großzügige Bau bietet dank der ausklappbaren Bühne zusätzlichen Platz für Veranstaltungen mit rund 800 Besuchern.

Das Bauvolumen fügt sich behutsam in die städtebauliche Umgebung ein – die Denkmalpflegebestimmung gab eine Gesamthöhe von maximal zehn Meter vor. Mit ihrer rostroten Erscheinung nimmt die Halle Rücksicht auf die umgebenden Backsteinbauten. Um die Kleinteiligkeit der Landshuter Altstadt zu wahren, ist die Baumasse in zwei Gebäudeteile gegliedert. Eine Fuge, die das Treppenhaus beherbergt, vermittelt zwischen den unterschiedlich großen Gebäudeteilen. Der größere Bauteil umfasst die Doppelturnhalle mit aufklappbarer Bühne und Geräteraum. Umkleideräume, eine Küche und das für Kraft- und Lagerräume vorgesehene Untergeschoss formen das kleinere Gebäude.

Charakteristisch für den Baukörper ist die abgestufte Trauflinie. Sie bezieht sich auf die Zinnen und Türme der Stadtmauer. Die Fluchten der Umgebungsbauten werden aufgenommen und stimmig weitergeführt. Rund um die Sporthalle entstehen enge Gassen, die in weiten einladenden Plätzen enden und das Quartier qualitativ beleben. Zwischen Stadtmauer und Hallenkomplex lädt ein begrünter, innerstädtisch geschützter und attraktiver Freibereich zum Verweilen ein. Ein weiterer Platz für Veranstaltungen entsteht vor der historischen Rochuskapelle.

Das Dach gewinnt als »fünfte Fassade« besondere Wichtigkeit. Gegeneinander versetzte, kleinere Dachflächen markieren die abgestufte Fassade, sodass die höhergelegenen umliegenden Gebäude einen exklusiven Ausblick auf die gestaltete Dachlandschaft erhalten.

Der rot pigmentierte Sichtbeton ist eine Reminiszenz an die mittelalterliche Stadtbefestigung. Das Fugenraster der Betonfertigteile nimmt die Struktur der Stadtmauer auf. Edelstahlblech mit Kupferbeschichtung überzieht die außergewöhnliche Dachlandschaft. Im Inneren sorgt der Kontrast von Sichtbeton und Holz für eine einladende Raumstimmung, die den rund 50 Schulklassen Spaß am Sport bereiten soll.

Inmitten der Landshuter Altstadt verwirklichen Hirner & Riehl Architekten einen Komplex, der rücksichtsvoll auf die umgebende Bebauung eingeht, vorhandene Wegestrukturen weiterführt und den Grundstein für neue räumliche Bezüge legt. Als korrespondierender Baustein im Gefüge ist die Turnhalle nicht nur tagsüber ein Blickfang, sondern auch bei Nacht.

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2015

Massive Bauten

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