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Lichtbehälter in Dunkelgrau: Sprengel-Museum in Hannover

Nach dem Dafürhalten vieler Museumsdirektoren benötigen Kunstmuseen keine Fenster: Das Tageslicht schadet den Kunstwerken, Wandöffnungen reduzieren die Hängefläche für Gemälde und Ausblicke ins Freie lenken tendenziell vom Kunstgenuss ab.

Bei ihrem Entwurf des Erweiterungsbaus für das Sprengel-Museum Hannover haben sich Meili, Peter Architekten dieses Credo auf den ersten Blick radikal zu eigen gemacht. Mit einem weitgehend geschlossenen, anthrazitfarbenen Ortbetonkubus ergänzten sie den eher kleinteiligen Museumskomplex am Nordufer des Maschsees. Dieser war in zwei Bauabschnitten 1979 und 1992 entstanden, nachdem der Schokoladenfabrikant Bernhard Sprengel seine umfangreiche Kunstsammlung 1969 der Stadt Hannover vermacht hatte.

2010 hatten Meili, Peter Architekten einen internationalen Architektenwettbewerb für den Erweiterungsbau gegen 64 Mitbewerber gewonnen. Das Grundkonzept aus jener Zeit ist geblieben: ein langrechteckiger, nah an die Straße gerückter Baukörper mit gedrungenem verglastem Erd- und auskragendem Obergeschoss. Dessen Fensterlosigkeit wollten die Architekten im Wettbewerbsentwurf noch durch eine Fassadenverkleidung aus großen Spiegelglasschindeln zu überspielen. Darin sollten sich die Bäume vor dem Gebäude, der Himmel und der Verkehr am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer entlang des Sees reflektieren.

Dieses Konzept wurde nicht realisiert. Stattdessen trägt der Neubau eine anthrazitfarbene, reliefierte Ortbetonfassade zur Schau, die nur an wenigen Stellen von Glasflächen durchbrochen wird. Die kerngedämmten Außenwände wurden in Betonierabschnitten von bis zu 18 Metern Länge und 3,5 Metern Höhe hergestellt; das Relief entsteht durch unterschiedliche Dicken der Außenschale (25, 36 und 47 Zentimeter). Teilweise wurde die Außenoberfläche nach dem Ausschalen geschliffen.

Einen starken Kontrast zum eher düsteren Äußeren bilden die lichterfüllten Museumssäle. Die Verbindung zwischen Bestand und Neubau stellt der zweigeschossige Alexander-Calder-Saal her, wo eine Rampen- und Treppenspirale die beiden Ebenen miteinander verbindet. Bis zur endgültigen Eröffnung des Anbaus im kommenden Jahr soll hier noch ein Mobile des amerikanischen Künstlers seinen Platz finden. Die Glasfront dieses Raums lässt sich zum Hof großflächig öffnen, so dass auch größere Kunstwerke direkt in den Neubau angeliefert werden können.

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„Tanzende“ Säle voller Tageslicht

In Kunstmuseen sind die Ausstellungsflächen oft in der Minderheit. Das gilt auch für den Anbau von Meili, Peter: Rund 5250 Quadratmeter beträgt seine Gesamtfläche; davon sind 1400 m2 den Ausstellungssälen vorbehalten. Ergänzt werden sie von Werkstätten, Depots und speziell klimatisierten Lagermöglichkeiten für fotografische Arbeiten im Erd- und Untergeschoss.

Die zehn Säle im Obergeschoss ergänzen sich zu einem klaren und dennoch abwechslungsreichen Rundgang. Dafür sorgen nicht zuletzt die unterschiedlichen Raumformen und Deckenhöhen (4,80, 5,10 und 5,70 Meter). Außerdem „tanzen“ die Räume leicht aus der Reihe, da ihre Innenwände sind gegen die Gebäudeachse geringfügig verdreht wurden. An drei Stellen fügten die Architekten verglaste Loggien an den Nahtstellen zwischen Innen- und Außenraum ein. Sie bieten dann doch eine Ablenkung vom Kunstgenuss und Ausblicke Richtung Maschsee.

Auch in die Museumssäle dringt das Tageslicht vor. Dafür sorgen Oberlichter mit Verschattungslamellen, die oberhalb der lichtstreuenden Glasdecken angeordnet sind. Darüber hinaus sind oberhalb der Lichtdecken dimmbare Leuchten angebracht. Sie sorgen dafür, dass Tages- und Kunstlicht in der Summe stets eine gleichbleibende Beleuchtungsstärke im Raum ergeben.

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