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Lichtkunst am Bau: Ingo Maurer gestaltet Weinguthotel in Georgien

Es sind nicht nur die berühmten »Zettel’z«- und »Birdie«-Leuchten, der Klassiker »Bulb« oder sonstige, von Insekten und Designliebhabern umschwirrten LEDs in Glühbirnenform, die in den letzten Jahrzehnten dem Verständnis von gängiger Wohnbeleuchtung neue Facetten gaben. Es ist auch immer wieder die Auseinandersetzung mit Architektur, die Ingo Maurer im Lauf seiner über 50 Jahre währenden Schaffenszeit an den Tag legt. Davon zeugen unter anderem Projekte in München, wie die U-Bahnhöfe Westfriedhof oder Münchner Freiheit, eine Installation für eine Pariser Modenschau von Issey Miyake oder maßkonzipierte Leuchtobjekte und die Lichtplanung für die renovierten Innenräume des Atomiums in Brüssel. Eine neue Kooperation erlaubte es nun dem Planer und Industriedesigner, die Disziplinen Licht, Kunst, Architektur, Innenarchitektur und Außenraumgestaltung in neuer Konstellation zusammenspielen zu lassen. 

Ein Hotel für ein Weingut
Auf dem Gelände des 200 Jahre alten Weinguts Tsinandali im Weinanbaugebiet Kachetien, rund zwei Autostunden östlich der georgischen Hauptstadt Tiflis gelegen, steht seit Kurzem ein 5-Sterne-Hotel einer weltweit agierenden Kette. Das in die historischen Bausubstanz einer ehemaligen Weinkellerei eingebettete Objekt der Luxuskategorie wurde von Architekt Damian Figueras konzipiert und umgesetzt. Die künstlerische Leitung oblag Ingo Maurer, der die Architektur gemeinsam mit seinem Team in unterschiedlichen Bereichen wirkungsreich ergänzte. Dazu gehören die Gestaltung des Innenhofs und eines markanten Brunnens, die Beteiligung an der Grundrissplanung sowie am Entwurf von Fassadenteilen, die Innenarchitektur im Restaurant, im Ballroom oder im Frühstücksraum sowie die Lichtplanung und Ausstattung mit Leuchtobjekten und Möbeln an zahlreichen Stellen innerhalb des historischen Komplexes. 

Neuinterpretierte und neu kreierte Kunst
Bei einigen seiner Entwürfe ließ sich der Meisterdesigner von der handwerklichen Tradition Georgiens inspirieren. Oftmals bekleiden dortzulande Teppiche nicht nur den Boden, sondern werden auch über Möbelstücke drapiert. Vor diesem Hintergrund entstanden beispielsweise Bänke mit Bezügen aus original georgischen, farbig gemusterten Teppichen und Kelims. An das künstlerische Erbe einer ganz anderen Region angelehnt ist Maurers Entwurf für das Deckenfresko im Restaurant. Hierfür nahm er eindeutigen Bezug zu den Höhlenmalereien von Lascaux und überließ dem Atelier des Fac-Similés du Périgord AFSP, das bereits einige originalgetreue Nachbildungen der Höhle erstellt hatte, die Ausführung. Im Haupteingang des Hotels, dem sogenannten Passageway, befinden sich zwei längliche Metalltische mit großformatigen weißen Marmorplatten sowie einem Weinflaschendisplay aus Holz. Darüber schwebt eine weitere Kreation Ingo Maurers. Von einem meterlangen Stahlträger sind acht große Kupferleuchten mit tellerförmigen Schirmen und jeweils 2 m Durchmesser abgehängt. Auf dem verbindenden Element sind Blechfiguren platziert, die Ingo Maurer selbst entwarf. Im Detail zeigen diese eine rennende Frau mit Weinflasche und Pistole, die von einem Mann und einem Hund verfolgt werden. 

Gestaltungsdetails im Innen- und Außenraum
Für die Beleuchtung des sogenannten Ballrooms, der auch für festliche Konzerte genutzt wird, kreierte Ingo Maurer drei große Aluminiumringe. Daran befestigt sind zahlreiche Objekte in Glühbirnenform, die von in den Ringen verbauten LEDs angestrahlt werden. Im Innenhof der Anlage finden sich weitere Gestaltungselemente. Der Platz ist mit großen, hellen Travertinplatten im Römischen Verband belegt. In der Mitte dieses Außenraums steht ein skulpturaler Brunnen namens »Spitting heads«. Zwei als Menschenköpfe skizzierte Figuren aus Aluminium neigen sich von unsichtbarer Kinetik gesteuert vor und zurück. Aus deren Mund entspringt immer wieder ein Wasserstrahl. Einen weiteren Blickfang bildet hier die Fassade zum Ballroom. Die Gebäudehülle prägt ein unregelmäßiges Muster auskragender Ziegelsteinen. Dieser weite Versprung einzelner, quer gemauerten Steine schafft während des Tagesverlaufs ein wandelbares Schattenspiel.

Erweitertes Leuchtenrepertoire 
Nicht nur bekannte Ingo Maurer Leuchten kamen im Hotel zum Einsatz, es wurden auch viele neue Objekte dafür kreiert. Dazu zählen unter anderem Stehleuchten für den Golden Room, Flaschenlüster für die Lounge und die neue Edition »Butterflies Dreaming«: eine überdimensionale LED-Leuchte im Glühlampenmotiv mit einem Durchmesser von 60 cm, die von 20 hochwertigen Replika von Schmetterlingen und anderen Insekten umschwirrt wird. Eigens kreiert wurden auch die drei »Glowing Wings« im VIP-Dinner Raum, die an Flugflächen von Segelflugzeugen erinnern.

Ingo Maurers Neuheiten auf der Euroluce 2019 
Neben diesem umfangreichen Planungsprojekt ist Ingo Maurer im Alltagsgeschäft weiterhin ein erfolgreicher Unternehmer. Zuletzt präsentierte er in Mailand zwei neue Modelle der OOP’s-Familie. OOP’Sala ist ein Lichtobjekt für die Tischbeleuchtung aus in Handarbeit gebogenen, parallel geführten Aluminiumbänder, die eine geschwungene Kreisfigur bilden und 240 cm von der Decke abhängen. Die Leuchtdioden befinden sich zwischen den beiden Bändern im unteren Bereich und geben ihr Licht nach unten ab. Mithilfe eines ovalen Ausstrahlwinkels erreicht das Objekt eine hohe Ausleuchtung in radialer Richtung. Dadurch wird nicht die Mitte sondern der Tischrandbereich beleuchtet. Die kleine OOP’S 2 mit einer Größe von 30 x 20 x 20 cm ist aus einem 300 g/m2 starken Papierstreifen gefertigt und als Wandleuchte konzipiert. Auch dieses Objekt ist in Handarbeit gebogen und rankt sich entlang der Wand, wobei wenige Handgriffe reichen, um die Papierleuchte am Untergrund zu befestigen. 

www.ingo-maurer.com

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