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Foto: Philip Vile

Literarisches Spiegelkabinett: Umbau einer Scheune bei Oxford

Unter Großbritanniens Kunstsammlern gibt es seit einigen Jahren einen neuen Trend: Neben ihren Galerien in der Hauptstadt eröffnen sie zunehmend Dépendancen in Herrenhäusern und alten Bauernhöfen auf dem flachen Land. Weitab des Großstadttrubels finden hier privatere Kunstschauen mit oft handverlesenem Publikum statt.

Einer dieser Galeristen und Sammler ist Michael Hue-Williams. Der in Oxford geborene Kunstsammler nennt die Od Belchers Farm in Little Milton, einem kleinen Straßendorf etwa 15 Kilometer südöstlich der altehrwürdigen Universitätsstadt, sein eigen. Der Bauernhof stammt ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert. Heute verteilen sich auf seinem Grundstück mehrere Skulpturen von Künstlern, die Hue-Williams vertritt; darunter ein Pavillon mit einem „Skyspace“ von James Turrell.

Das Zentrum des Galeriebetriebs ist seit ihrem Umbau die Albion Barn; das von der Straße etwas zurückgesetzte, größte Nebengebäude der Farm. In nur neun Monaten Planungs- und Bauzeit hat die Architektin Christina Seilern hier Galerieräume, ein Büro, eine Bibliothek sowie ein Speisezimmer eingerichtet.

Die ehemalige Scheune gliedert sich in einen höheren Haupttrakt mit Krüppelwalmdach und einen flach gedeckten, niedrigeren Annex. Beide sind mit einer schwarz gestrichenen Stulpschalung aus grob bearbeiteten Holzdielen verkleidet. Der Kontrast zwischen den wettergegerbten Fassaden und den cleanen, weiß gestrichenen Wänden und Decken im Inneren könnte größer kaum sein. Neue, großzügige Oberlichter im Dach des Annexes belichten die Ausstellungsräume und das Büro von oben.

Im Haupttrakt sind die eher privaten Räume des Hausherren untergebracht – allen voran das Esszimmer, in dem Hue-Williams auch Gäste bewirten kann, und die quadratische Bibliothek. Drei Eingänge führen in diesen Raum; eine vierte Tür geht auf eine Treppe hinaus, die die obere Galerie erschließt. In geschlossenem Zustand ist jedoch keine dieser Regaltüren auf den ersten Blick erkennbar. Der Betrachter hat den Eindruck, ringsum von Büchern umgeben und in einem Lesekabinett ohne Ausgang gefangen zu sein.

Die einzig verbleibende Öffnung befindet sich in der Decke: Ein konisches, innen in kräftigem Pink gehaltenes Oberlicht bringt Tageslicht herein. Doch auch dieses Element lässt sich beim ersten Anblick kaum verorten; es scheint im Nirgendwo zwischen den Bücherregalen und Galerien zu schweben. Tatsächlich ist es von einer spiegelnden Decke umgeben, die den zweigeschossigen Raum optisch nach oben erweitert. Gerahmt wird die Decke von der markanten Galeriebrüstung aus weiß lackierten Flachstählen, die, in die Horizontale umgeknickt, auch den Galeriefußboden bilden. Sie sind in kräftigen Querträgern in den Außenwänden der Bibliothek rückverankert.

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