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London 2012 - Infrastrukturgebäude

Von Peter Popp und Emilia Margaretha

Optischer Genuss statt unauffälligem Einerlei: Neu errichtete Infrastrukturgebäude zählen zu den architektonischen Highlights im Olympiapark. Sie holen unpopuläre energietechnische Aspekte auf eindrucksvolle Weise ins Bewusstsein Zerstreuung suchender Olympia-Touristen.

 

Projekt: Olympic Park Energy Centre
Architekten: John McAslan & Partners, London
Fertigstellung: Oktober 2010

Das Olympic Park Energy Centre ist eines der größten und modernsten Kühl-, Heiz- und Stromerzeugungsanlagen in Großbritannien. Die modulare Leichtbauweise des am östlichen Rand des Olympiaparks gelegenen Gebäudes symbolisiert Fortschrittlichkeit. Sie bildet eine deutlichen Kontrast zu den massiven Mauerwerkskonstruktionen der Bankside (jetzt: Tate Modern) und Battersea Power Stations.

Paneele aus einem Cortenstahl-Netz umhüllen das 18 Meter hohe Gebäude.  Ein vollverglaster Bereich im Erdgeschoss durchbricht den monolithischen Charakter und ermöglicht Fußgängern einen Blick ins Innere. Ein 45 Meter hoher Turm entsorgt die Abluft und verleiht der Anlage den Charakter eines neuen Wahrzeichens innerhalb des städtebaulichen Konzepts für East London – ein eindrücklicher Hinweis darauf, wo die für ein Großevent benötigte Energie erzeugt wird.

Das 65 Meter lange und 29 Meter breite Energy Centre wurde flexibel konzipiert um zukünftige Technologien leicht intergieren zu können. Während der Olympischen Spiele werden die Kapazitäten nur teilweise ausgelastet.

 

 

Projekt: Pudding Mill Lane Pumping Station
Architekten: John Lyall Architects, London
Fertigstellung: Januar 2010

Mit einer Fläche von 325 m² zählt das Pumpwerk zu den kleinsten Anlagen im Olympiapark. Dafür hat es den größten Symbolwert: Es ist der einzige oberirdische Hinweis auf das 1,8 km lange Abwassernetz, das unter dem Park verläuft.

Das Gebäude zeigt unkonventionellen Ideen- und Einfallsreichtum. Die Architekten forderten die Ingenieure auf, die für einen effizienten technischen Ablauf notwendigen Elemente als Einzelobjekte zu isolieren. Anschließend entwickelten sie für jedes Element ein markantes Design.

Neben einem beleuchteten Turm für die Abluft und grell rosa Geruchsfiltertanks wurden Pläne der nahegelegenen Abbey Mills Pumpstation von Joseph Bazalgette (1819–1891) als Relief in die Betonfassade eingearbeitet. Deren Oberfläche kann abhängig von der Beleuchtung und Position des Betrachters unterschiedlich wahrgenommen werden. Aufgrund einer helleren Pigmentierung wirken die Betonelemente in der oberen Reihe leichter.

 

 

Projekt: Primary Substation
Architekten: Nord Architecture, Alan Pert, Glasgow
Fertigstellung: Januar 2010

Das mit dem Brick Award 2012 ausgezeichnete Umspannwerk liefert den nötigen Strom für die Olympischen Spiele. Die Schlichtheit der monolithischen Gebäudehülle aus dunklem Ziegel hebt sich bewusst von der spektakulären Formenvielfalt der Sportstätten ab und ist eine Reminiszenz an die traditionelle Verwendung des Materials bei den ehemaligen Industriebauten auf dem heutigen Olympiagelände. Ursprünglich war sogar geplant alte Abbruch-Ziegel zu verwenden. Belastungstests ergaben jedoch, dass sie den tragwerksplanerischen und brandschutztechnischen Anforderungen nicht standhalten würden. Schließlich wurden 130.000 Lehmziegel der Firma Ibstock verwendet.

Das Umspannwerk bekennt sich klar zu seiner Nutzung als Industriebau, kann jedoch auch als skulpturales Bauwerk in den Grünräumen Londons verstanden werden. Hierzu trägt die Verwendung dreier unterschiedlicher Texturen bei, die für eine abwechslungreiche Oberfläche mit interessanten Licht- und Schattenspielen sorgen. Gestalt prägend ist der Kontrast zwischen massiver Sockelzone – in einfachem flämischen Verband – und den Perforationen im oberen Teil der Mauer, die durch Aussparungen entstehen. Sie dienen der Belüftung der Transformatoren und der dazugehörigen Kühlanlagen. Bei Nacht werden die oberen Bereiche der Fassade von hinten beleuchtet und verwandeln das Umspannwerk in einen beeindruckenden, weithin sichtbaren Orientierungspunkt.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2012

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