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Man spricht BIM

Ob national oder international – die Planungsmethode BIM ist eine Universalsprache, die alle verstehen. Building Information Modeling, kurz BIM, sorgt technisch gesehen für eine zentrale Verwaltung aller projektrelevanten Informationen. Dabei nutzt es Dateiformate, mit denen alle Beteiligten problemlos arbeiten können.

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Quelle: de.fotolia.com

BIM gewährleistet eine Planungssicherheit, die mit den klassischen Methoden eigentlich nicht zu erfüllen ist. Denn zusammengefasst ist Building Information Modeling – das digitale Bauwerkmodell – alles, was ein Projekt an Informationen beinhaltet. Es dient als Quelle für Entscheidungen während des gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks. In anderen Ländern, etwa in Großbritannien, ist BIM bereits Standard. Die sichere Planungsmethode hat etwa die termingerechte Fertigstellung der Sportstätten für die Olympischen Spiele 2012 in London gewährleistet.

Viele Schnittstellen – eine Sprache
Die Bezeichnung BIM kann dabei kaum vermitteln, was wirklich hinter den drei Buchstaben steht. Das National Building Information Model Standard Project Committee (NBIMS) defi niert BIM wie folgt: „Building Information Modeling (BIM) ist eine Planungsmethode im Bauwesen, die die Erzeugung und die Verwaltung von digitalen virtuellen Darstellungen der physikalischen und funktionalen Eigenschaften eines Bauwerks beinhaltet. Die Bauwerksmodelle stellen dabei eine Informationsdatenbank rund um das Bauwerk dar, um eine verlässliche Quelle für Entscheidungen während des gesamten Lebenszyklus zu bieten; von der ersten Vorplanung bis zum Rückbau.“

Das Stichwort „Informationsdatenbank“ ist dabei sehr wichtig, denn in dieser Datenbank stecken alle Daten wie Mengenauswertungen, Kostenermittlungen, Flächenauswertungen, Raumbücher, Leistungsbeschreibungen und Terminabläufe.

Das dazugehörige 3D-Bauwerksmodell besteht aus dreidimensionalen virtuellen Bauteilen. Der objektorientierte Aufbau der 3D-Modelle ermöglicht es, zusätzliche Informationen zu hinterlegen und aus der Geometrie abzuleiten, zu speichern und zu verteilen. Durch diese Vielfalt vorhandener Informationen sind die Modellelemente als intelligent zu bezeichnen – sie kennen ihre Abhängigkeiten und ihre physischen Eigenschaften. Da die Kosten- und Mengendaten für die Materialien ebenfalls vorhanden sind, werden Änderungen auch in der Kostenstruktur sofort neu abgebildet.

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Quelle: de.fotolia.com

Zugriff für alle Beteiligten
Die entsprechende BIM-Software gewährt in allen Phasen den Zugriff für die Beteiligten. Dabei lassen sich die Rechte für die einzelnen Zugreifenden regeln oder begrenzen. Ändert ein Projektbeteiligter Daten, so hat das gleich Einfluss auf das ganze Modell. Alle Beteiligten sehen die dokumentierten Änderungen und können leichter reagieren. Der klassische Weg mit 2D-Plänen und dem Versand von Dateien via E-Mail oder Tauschservern ist hingegen nur schwer zu überblicken und fördert die Entstehung von Fehlern.

Europa setzt neue Rahmenbedingungen und Zielvorgaben für öffentliche Bauprojekte
Im Januar 2014 empfahl das Europäische Parlament, das Vergaberecht der Europäischen Union zu modernisieren, indem der Einsatz von computergestützten Methoden wie Building Information Modeling (BIM) zur Vergabe von öffentlichen Bauaufträgen und Ausschreibungen empfohlen wird.

Die Verabschiedung der Richtlinie für das EU-Vergaberecht bedeutet, dass bis 2016 alle 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union die Nutzung von BIM bei der Realisierung von öffentlich finanzierten Bau- und Infrastrukturprojekten fördern sollen. Großbritannien, die Niederlande, Dänemark, Finnland und Norwegen schreiben die Nutzung von BIM bei öffentlich finanzierten Bauvorhaben bereits vor.

Kostenersparnis für die Steuerzahler
In Deutschland wird das Gesamtvolumen des öffentlichen Ausschreibungsmarkts auf mehr als 180 Milliarden Euro geschätzt. Eine Kostenminderung um 5 Prozent würde demnach eine Ersparnis von 9 Milliarden Euro pro Jahr bedeuten. In Großbritannien ist der Einsatz von BIM bei der Vergabe von öffentlichen Großbauprojekten bereits Pflicht. Die britische Regierung schätzt, dass dadurch seit 2012 bei solchen Projekten 1,7 Milliarden Pfund (etwa 2 Milliarden Euro) eingespart wurden. (Quelle: Construction News).

Roland Zelles, Vice President EMEA bei Autodesk
Roland Zelles

Kommentar von Roland Zelles, Vice President EMEA bei Autodesk: „Erstmalig fordert die EU von ihren Mitgliedsstaaten, bei der Modernisierung und Verbesserung von öffentlichen Vergabeprozessen auch moderne Softwaretechnologien zu nutzen. Der heutige Richtlinienerlass bedeutet für die EU und ihre Mitgliedsstaaten einen großen Schritt nach vorne.“

Weitere Informationen: buildingSMART

Artikel aus DETAIL Sonderpublikation 4|2014 Architekt & IT. Die Sonderpublikation gibt es gratis vollständig als PDF zum Download.

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