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Bungenäs, Gotland, Skälsö Arkitekter, Feriensiedlung

Masterplan für ein Stück Wildnis: Feriensiedlung Bungenäs auf Gotland

Die Halbinsel Bungenäs im Nordosten Gotlands wurde während des 20. Jahrhunderts als Truppenübungsplatz und Kalksteinbruch genutzt. 2000 öffnete sich der Grenzzaun, und das Areal war erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Um das 165 Hektar große Gelände vor seiner Banalisierung als Ferienresort mit Golfplatz zu bewahren, erwarb es der Immobilienunternehmer Joachim Kuylenstierna und praktiziert dort seither das Alternativmodell eines sanften, autofreien und den Charakter des Orts wahrenden Tourismus. Die Umsetzung dieser Vision hat Kuylenstierna dem jungen Architekturbüro Skälsö Arkitekter anvertraut, dem er auch als stiller Teilhaber angehört.

Vor Beginn der ersten Bauvorhaben entwarfen Skälsö zunächst einen Masterplan für Bungenäs. Das Dokument gliedert die Halbinsel in 18 Baugebiete mit sehr unterschiedlichem Charakter – von den mit Kiefern- und Tannenwald bestandenen Flächen im Nordosten über den riesigen Krater des Steinbruchs im Zentrum bis zu der fast baumlosen Heidelandschaft an der Südspitze der Halbinsel, die dem Militär früher als Schießplatz diente. Die detaillierten Bauregeln für die einzelnen Häuser unterscheiden sich je nach Gebiet leicht, lassen sich aber auf einen Nenner bringen: Erlaubt sind fast ausschließlich eingeschossige Häuser mit Flach- oder Pultdächern sowie Fassaden aus Sichtbeton, Holz in gedeckten Farben oder Cortenstahl.

Rund 120 Baugrundstücke weist der Masterplan aus, wobei die Architekten zwischen den einzelnen Baugebieten und entlang der Küste immer wieder größere, unbebaubare Areale freiließen. Intensiv widmeten sie sich auch dem baulichen Erbe der alten Nutzungen: Das Militär hat zwar nur wenige Baracken hinterlassen, aber rund 100 Bunker, von denen rund 20 mehr sind als nur einfache Unterstände. Je nach Vorliebe, baulichen Gegebenheiten und Budget nutzen die Bewohner die umgebauten Bunker als Wohnraum, Wein- und Partykeller, Musikstudio oder unterirdisches Spa.

Entscheidend dafür, dass der Charakter des Gebiets erhalten bleibt, ist auch die Gestaltung der Freianlagen: Gartenzäune und Hecken sind auf Bungenäs nicht erlaubt. Wesentlich ist stattdessen die Gliederung der Häuser in einzelne Baukörper, die bei geschickter Anordnung ganz von selbst eine Trennung zwischen privaten und öffentliche Freibereichen herstellen.

Natürlich ist es über die Jahre hier und da zu Kompromissen gekommen: Ein Bauherr hat das Grundstück seines Bunkerhauses mit einem filigranen Drahtzaun umgeben, um es vor den hier wild grasenden Schafen und allzu neugierigen Touristen zu schützen. Zwei andere, deren Häuser direkt aneinandergrenzen, haben als gegenseitigen Sichtschutz einen hohen Lattenzaun errichtet. Die meisten Grundstücke sind jedoch nach wie vor bemerkenswert offen und naturbelassen.

Das Wachstum der Siedlung verläuft eher bedächtig: Rund drei bis fünf Häuser kommen jährlich dazu, so die Büropartner Joel Phersson und Erik Gardell, etwa die Hälfte entwirft Skälsö selbst. In gewissem Widerspruch zu dieser Langsamkeit steht die Betriebsamkeit, die in Bungenäs in den Sommermonaten ausbricht: An guten Tagen, so Erik Gardell – und man darf zweifeln, ob dies der richtige Ausdruck ist – strömen bis zu 1000 Schaulustige und Erholungssuchende auf das Areal.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 10/2018 mit dem Themenschwerpunkt »Reuse Recycle«.


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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 10/2018
DETAIL 10 2018, Reuse Recycle

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