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Materialrevolution

„Nachhaltige und multifunktionale Materialien für Design und Architektur“ verspricht der Untertitel des neu bei Birkhäuser erschienenen Buchs von Sascha Peters. Wer nach einer optisch ansprechenden und inspirierenden Lektüre sucht, ist damit gut bedient. Der Praxisnutzen der Publikation hält sich indes in Grenzen.

Ein Mangel an „Materialbüchern“ für Architekten und Designer ließ sich in den vergangenen Jahren auf dem Markt gewiss nicht feststellen. Im Gegenteil – zeitweise fiel es schwer, den Überblick zu behalten über all die Neuerscheinungen in diesem Gebiet. Meist präsentierten sie Auszüge aus dem Fundus professioneller Materiabibliotheken wie Material ConneXion (www.materialconnexion.com), Materia (www.materia.nl) oder Raumprobe (www.raumprobe.de). Fast immer zeichneten sich diese Bücher durch optisch ansprechende Gestaltung aus, doch nur selten gelang es ihnen, eine schlüssige Systematik zu etablieren, die dem Leser eine Orientierung in der Materialvielfalt ermöglicht hätte.

Diese Bücher sind teils seit Jahren auf dem Markt. Wenn nun Sascha Peters und der Birkhäuser Verlag mit dem Band „Materialrevolution“ nachziehen, ließe sich annehmen, dass sie damit Neuland beschreiten wollen. Doch im Grunde folgt auch diese Neuerscheinung mehr oder minder den Konzepten ihrer Vorgänger.

Zunächst zu den positiven Aspekten dieses Buchs:
Seine Funktion als Inspirationsquelle erfüllt „Materialrevolution“ voll und ganz. Der Band ist reich bebildert und hält eine Fülle an Informationen bereit, wobei das kleinteilige Layout doch ein wenig auf Kosten der Übersichtlichkeit geht. Die Texte sind gut recherchiert und erläutern – oft im Zusammenspiel mit eigens für das Buch nachgezeichneten Grafiken - Herstellung und Eigenschaften der Werkstoffe anschaulich.

Weniger überzeugen kann „Materialrevolution“ bezüglich Gliederung und Vergleichbarkeit der Produkte sowie in Bezug auf seine Praxistauglichkeit insgesamt. Die Kapitelteilung wirkt recht beliebig (warum etwa erscheinen unter „biologisch abbaubare Materialien“ ausschließlich Kunststoffe?). Die Nennung von Produkteigenschaften und Verwendungszwecken der Materialien ist in keiner Weise systematisiert. Auch die Nachhaltigkeitseigenschaften der Werkstoffe werden kaum hinterfragt. So fehlen Ökobilanzergebnisse, die eine solche Bewertung und Vergleichbarkeit ermöglicht hätten, praktisch durchweg. Viele Materialien deklariert der Autor durch Nennung ihrer vorgeblich positiven Eigenschaften als nachhaltig, ohne auf die Kontroversen hinzuweisen, die sich um einige von ihnen (z. B. die Nanomaterialien) bereits entsponnen haben.

Am meisten verwundert bei diesem Buch jedoch die unsystematische Nennung einzelner Werkstoffe und ihrer Hersteller. Zwar sind in fast jeder Materialkategorie einzelne, konkrete Produkte beim Namen genannt, doch die Nennung der jeweiligen Hersteller fehlt bei einem großen Teil von ihnen. So bleibt dem Leser nichts weiter als eine Internetrecherche, wenn er mehr über die Produkte und deren Bezugsquellen erfahren will. Wenn hier schon das „Roß“ (also das Produkt) genannt wird, sollte konsequent auch der „Reiter“ (d. h. der Hersteller mit seiner Web-Adresse) hinzugefügt werden.

Vielleicht hat die diesbezügliche Zurückhaltung auch mit dem Geschäftsmodell des Buches zu tun. „Materialrevolution“ ist teilweise durch Anzeigen finanziert, die sorgfältig der Grafik des Buchs angepasst wurden und ausgewählte Materialhersteller ausführlich mit Produktbildern, Text, Logo und kompletter Adresse vorstellen. Gegen diese Finanzierungspraxis ist prinzipiell nichts einzuwenden; allerdings sind die Anzeigen doch etwas störend und auch verwirrend in der Buchmitte platziert und daher erst auf den zweiten Blick als solche überhaupt erkennbar.

Fazit: „Materialrevolution“ hinterlässt bei mehrmaliger Lektüre einen zwiespältigen Eindruck. Den „systematischen Überblick“, den der Verlag in seinem Pressetext verspricht, gibt das Buch eindeutig nicht. Eher handelt es sich um eine reich gefüllte, aber etwas unsortierte Stoffsammlung, die zwar eine Vielzahl von Anregungen vermittelt, die eigene, weiter gehende Recherche aber nicht wirklich ersetzen kann und die vor allem kaum Querbeziehungen zwischen den einzelnen Materialgruppen herstellt.


Materialrevolution: Nachhaltige und multifunktionale Materialien für Design und Architektur. Autor: Sascha Peters. Birkhäuser Verlag 2010. 240 Seiten, Hardcover. 59,90 €. ISBN 978-3-0346-0575-5.

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