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Megacity Istanbul – visualisierte Mobilität als Planungstool

In Zusammenarbeit mit den New Yorker Grafikdesignern projectprojects, der Istanbuler Garantie Galerie und dem Geografen Murat Güvenç entstand 2011 die Publikation „Mapping Istanbul“. Anhand der darin veröffentlichten Karten verarbeitete das Team um Superpool selbst gesammelte und statistische Daten, die die Struktur von Stadt und Umland analysieren und ein ganz neues Bild zeichnen. Ob Nutzungsart von Grund und Boden, Bildungsgrad der Bewohner oder Erdbebensicherheit der Gebäude – Superpool setzt die Angaben in einfach lesbare Kartengrafiken um und stellt mit den visualisierten Informationen eine Grundlage für Diskussion, Partizipation und nicht zuletzt Veränderung. Problematiken der Stadtentwicklungen werden dabei ebenso sichtbar wie bisher unbekannte Ressourcen und Potenziale.

Seit den 1950er-Jahren wächst die türkische Metropole weitgehend ungeplant. An den Rändern entstehen Barackensiedlungen, die den ausufernden Hochhaussiedlungen immer weiter ausweichen müssen. Infrastruktursysteme wie Strom, Wasser oder Verkehr rücken nur langsam nach. „Häufig organisieren Istanbuls Einwohner ihre eigenen Verkehrsnetze, so wie sie auch ihre Häuser selbst gebaut haben“, führt Gürdoğan aus. Bestes Beispiel bildet das undurchdringliche Netz der Dolmuş-Linien, deren Flotte aus privaten Kleinbusunternehmen als Ersatz einspringt, wo der öffentliche Nahverkehr in Istanbul fehlt. Fahrpläne oder Netzübersichten gab es jedoch nie. Fast ein Jahr sind die beiden Superpool-Gründer per Dolmuş durch Istanbul gefahren, um deren Streckenplan visuell ausarbeiten zu können. Auch wenn die Busse heute schon wieder ein anderes Wegenetz nutzen, kann Superpool für sich verbuchen, dass nun eine Webseite über die Routen und Abfahrtszeiten informiert.

Zugleich trägt die Einbeziehung der Kleinbusse dazu bei, das Verkehrchaos der Megacity zu lösen. Die Mobiltät im digitalen Zeitalter ist für die beiden Architekten eines der Hauptprobleme der rasant wachsenden Metropole. Von ihr ist nicht nur die Umweltbelastung durch Abgase etc. abhängig, sondern auch der zu Verfügung stehende städtische Raum, die soziokulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Metropole. Eine sinnvolle Verknüpfung von Schienen-, Straßen- und Wasserverkehr auf der einen Seite sowie von öffentlichen und privaten Transportmitteln auf der anderen bildet eine Lösungsstrategie für Istanbul. Die Zukunft sieht Superpool in ihrer Studie Mobility 2030 für den Audi Urban Future Award 2012 auch in fahrerlosen Fahrzeugen mit optimierter Routenfindung. Der frei werdende Stadtraum ist dann wieder als Ort der Kommunikation und des Flanierens zu nutzen. Entlastung im Istanbuler Verkehrschaos bietet auch Superpools neuestes Karten-Projekt: ein Stadtplan für Radfahrer. Bisher sind Fahrräder im dichten Verkehr der hügeligen Stadt bestensfalls Ausnahmeerscheinungen. Gürdoğan und Thomsen haben nun geeignete Wege mit wenig Steigungen markiert und die Diskussion um autofreie Zonen in Gang gebracht.

Durch informative Visualisierungen Veränderungen anzustoßen, zählt auch außerhalb von Istanbul und seiner Stadtentwicklung zu Superpools Arbeit neben ihrer klassischen Forschungs- und Planungstätigkeit als Architekten. Auf der Architekturbiennale in Rotterdam zeigten sie ihr Frauenhandbuch von Diyanbakir, das als Guide für kurdische Frauen am Rande der türkischen Gesellschaft dient. Auf einer Karte der südanatolischen Stadt sind Hilfsorganisationen und ihre Angebote verzeichnet, so dass die Frauen Zugang zu Beratung, Ausbildung, Gesundheitsversorgern oder auch Kinderbetreuung erhalten und zugleich ihre Unabhängigkeit stärken. Mit Bildern langsame Wandlungen zu erzwingen und zugleich den soziokulturellen Dialog zu förden, ist für Selva Gürdoğan und Gregers Tang Thomsen ein probates Mittel für ihr integratives und demokratisches Verständnis von Planungsarbeit. Nicht umsonst trägt ihr international besetztes und arbeitendes Büro den Namen Superpool.

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