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Enoura Observatory, Hiroshi Sugimoto, Odawara Art Foundation, Enoura

Memoiren japanischer Kultur: Enoura Observatory von Hiroshi Sugimoto

In der Anlage des Enoura Observatory finden sich neben japanischen Gartenelementen auch verschiedene japanische Bautypologien wieder. Darunter sind unter anderem das Herzstück, die Fotogalerie, sowie mehrere Tore, eine Glasbühne, eine Steinbühne und ein Teehaus.

Das Meigetsu-Tor markiert den Zugang zum südlichen Teil der Gartenanlage. Der Bau, in seinen einzelnen Elementen geprägt von der Kultur des Zen-Buddhismus, stammt aus der Muromachi-Zeit (1336 – 1573). Trotz mehrfacher Beschädigungen konnte ein Großteil der ursprünglichen Bausubstanz erhalten werden. Nach dem großen Kantō-Erdbeben im Jahr 1923 musste das Tor erstmals wiederaufgebaut werden. Damals restaurierte der japanische Architekt und Meister der Teezeremonie, Ōgi Rodō, das Tor. Sugimoto achtet dessen Schaffen sehr.

Weiter in Richtung Meer folgend, gelangt man zu einer Steinbühne. Deren Abmessungen beruhen auf den einer »Noh« Bühne, dem Schauplatz des traditionellen japanischen Theaters. Größtenteils konnte das Gestein für die Bühne aus der Umgebung gewonnen worden. Große Felsen, die ursprünglich für den Bau des Edo-Schlosses ausgehoben worden sein sollen, markieren die vier Eckpunkte der Bühne.

Die Glasbühne öffnet dem Besucher den weiten Blick auf den Pazifik. Einerseits finden sich hier Elemente des griechischen Amphitheaters wieder. Andererseits spielt Sugimoto mit der Unterkonstruktion der Bühne auf die japanische Zimmermannstechnik »kakezukuri« an. Die traditionelle Holzbauweise konnte durch den Kiyomizu-Tempel in Kyoto Berühmtheit erlangen. Für die Spielfläche der Bühne wählt Sugimoto anstatt Holzbrettern massives Glas. So changieren auf dessen Oberfläche verschiedene Farbtöne in Abhängigkeit von Lichteinfall und Perspektive des Betrachters.

Der Weg durch den Garten endet am U-chō-ten, »Listen to the rain«, Tea House. In dem Bau in Hommage an das »Tai-an« - Teehaus des Architekten Sen-No-Rikyu - drückt sich die einfachste Form der Teezeremonie aus. Die schlichten Lehmputz-Wände umfassen den zwei Tatami-Matten großen Raum. Lediglich zwei kleine Fensteröffnungen belichten den Pavillon. Möchte der Gast eintreten, muss er auf die Knie gehen, um den »nijiriguchi«, den traditionellen, niedrigen Kriecheingang, passieren zu können. Ein Trittstein erleichtert dem Besucher den Weg. Auf Grund seiner gläsernen Beschaffenheit leuchtet der Stein, wenn Sonnenlicht auf ihn einfällt. 

An den Tagundnachtgleichen, dem astronomischen Frühlings- und Herbstbeginn, scheint die Sonne direkt durch den »nijiriguchi« hindurch. Das Licht bewirkt eine besondere Atmosphäre im Inneren des Teehauses.
Einen akustischen Effekt bewirkt das Wellblechdach einer alten Steinscheune aus Enoura. Wenn es regnet, hört man die Regentropfen vom Himmel auf das Wellblechdach prasseln. Die sinnliche Wahrnehmung verleiht dem Teehaus seinen Namen.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 7+8/2018 mit dem Themenschwerpunkt »Urbane Räume«.

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2018
DETAIL 7+8/2018, Urbane Räume

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