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Metallisches Origami: Biomedizinisches Forschungszentrum in Pamplona

Das Biomedizinische Forschungszentrum auf dem Campus des »Hospital de Navarra« basiert auf einem strengen Raster, dessen modulares Grundmaß aus der Größe eines Laborraums resultiert. Funktional abstrahiert und metrisch gebunden treten dadurch auch von der Natur inspirierte Analogien in Erscheinung, die in Hülle und Form des Gebäudes anklingen.

Architekten: Vaíllo & Irigaray + Galar, E-Pamplona
Standort: Campus »Hospital de Navarra«, E-Pamplona

Die Höcker eines Kamels, die Haut eines Eisbären, die Faltungen eines Blattes: Für die äußeren Schichten ihres Gebäudes spannen die Architekten einen sehr expliziten Referenzrahmen auf.

Wechslende klimatische Bedingungen stellen für Kamele kein allzu großes Problem dar. Ihre Höcker können Wasser und Nahrung in Abhängigkeit des jeweiligen Bedarfs speichern. Entsprechend ändert sich Ihre äußere Erscheinung. Auch die containerartigen „Rucksäcke“ auf dem Dach des Forschungszentrums, bepackt mit haustechnischen Anlagen und Geräten, reagieren flexibel auf neue Anforderungen durch Veränderungen in den arbeitstechnischen Abläufen und Prozessen.

Das strenge Raster, dem sich alle Räume unterordnen, erlaubt Anpassungen an die Bedürfnisse in den darunter liegenden Geschossen, ohne die Gesamtform zu beeinträchtigen. Für Anlieferung und Abfallbeseitigung vorgesehene Aussparungen im Erd- und Untergeschoss können nach demselben Prinzip zu einem späteren Zeitpunkt unproblematisch „nachverdichtet“ werden. So kann das Gebäude auch auf kurzfristige Notwendigkeiten maximal flexibel reagieren.

Die Vielfalt technischer und räumlicher Anforderungen war der Hauptgrund für die Entwicklung einer ebenso homogenen wie markanten Fassade, die unterschiedlichste Qualitäten zu bündeln vermag. Die multifunktionale Hülle greift das Bild gefalteter, sich selbst stabilisierender Blätter auf, kombiniert es mit dem Mehrschichten-Prinzip der Haut eines Eisbären und formt daraus eine rigide, selbstragende Außenhaut aus leichten, fein gelochten Aluminium-Streckblechplatten die so kraftvoll ist, dass sie die überdeutlichen Naturbilder eigentlich gar nicht nötig hat.

Natürliche Temperaturregulierung, gefilterter Lichteinfall, kontrollierte Luftzirkulation: die auf Abstand montierten 4,5 x 0,8 Meter großen Elemente sollen klimatische Anforderungen im Alleingang lösen. Fast schon nebenbei formt die reliefartige Oberfläche mit ihren Einschnitten und Appendices eine Silhouette, die stark genug ist, ein städtebauliches Zeichen zu setzen.

Stahlrahmen im Abstand von 120 cm bilden ein strenges, nach außen sichtbares Raster, strukturieren und umschließen den rechtwinkligen Baukörper über die Gesamtlänge von ca. 100 Metern und sorgen für die notwendige Flexibilität in der räumlichen Organisation. Ausstülpungen oder Einkerbungen in der Gebäudehaut verweisen auf räumliche Bereiche, die von der allgemeinen Neutralitätspflicht ausgenommen sind. Der Haupteingang ist besonders hervorgehoben durch einen horizontalen Einschnitt über die gesamte Gebäudebreite.

Im Innenraum setzt sich das Prinzip maximaler Flexibilität mittels multifunktional nutzbarer Räumlichkeiten und sich wiederholender Raummodule fort. Eine Mittelachse mit Serviceräumen bildet das dienende Rückgrat.

Die räumliche Organisation im Inneren folgt einer klaren Aufteilung: Im Untergeschoss befinden sich Lagerräume, Gemeinschaftseinrichtungen sind im Erdgeschoss untergerbracht, die Obergeschosse dienen der Forschung.

Auch die Obergeschosse basieren auf einem strengen Raster, dass die Größe eines Laborraumes als modulare Basisgröße zugrunde legt. Die Laborräume sind als eigenständige Boxen ausformuliert. Räumlich sind sie, wie auch der mittlere Servicebereich, durch je eine Achsbreite voneinander getrennt. Die so jeweils über die gesamte Gebäudebreite verlaufende freie Achse, sorgt für informell nutzbare Zwischenräume, holt das durch die Außenhaut gefilterte Tageslicht in den Gebäudekern und schafft einen angenehmen Rhythmus der die Linearität der langen Flure durchbricht.

Fazit: Analogien zur Natur bilden zwar einen ideell nicht unbedeutenden Referenzrahmen für das Forschungszentrum. Durch intelligente Überlagerung biomimetischer Aspekte mit einem rigiden „Strukturalismus“ erzielt das fertige Gebäude jedoch einen hohen, Freiräume generierenden Abstraktionsgrad und entgeht dadurch souverän der Gefahr, in Formelhaftigkeit zu erstarren.

Peter Popp

Weitere Informationen
www.vailloirigaray.com
www.rubenpb.com

Weitere Projekte zum Thema »Bauen mit Stahl« finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe
DETAIL 2013/7+8
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Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2013

Bauen mit Stahl

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