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Mit Rheinwasser gekühlt

Am Rheinufer in Köln entsteht derzeit eines der bis dato energieeffizientesten Bürogebäude in Deutschland: Die „Cologne Oval Offices“, geplant von sauerbruch hutton im Auftrag der Krankenversicherung DKV und des Projektentwicklers MEAG, kommen dank intelligenter Verschattung und Nutzung von Umweltenergie mit 105 kWh/m2a Primärenergie nach EnEV aus.

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Foto: sauerbruch hutton

Die Cologne Oval Offices – beauftragt von der Kölner DKV AG, entwickelt von der Münchener MEAG und geplant von den Berliner Architekten sauerbruch hutton – bieten gut 30.000 Quadratmeter Büroflächen in zwei mäandrierenden Baukörpern am Westufer des Rheins in Köln. Das Ensemble tritt den Beweis an, dass hoher gestalterischer Anspruch mit einem sehr niedrigen Energieverbrauch und hohem Nutzerkomfort vereinbar ist. Der eigens für die Gebäude entwickelten Fassade und der Gebäudetechnik kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.

Hervorragender g-Wert
Die Außenhaut der beiden Bauten passt sich der Umgebung an. So wird das dem Rheinufer etwas näher gelegene Gebäude vollständig mit gläsernen Sonnenschutzklappläden in sieben verschiedenen Rottönen ausgestattet. Beim zweiten Haus changieren die Sonnenschutzelemente in Grünfarben. Sommer- und Herbstlaub standen der Farbgebung der Architekten Pate. Die 5.000 farbigen Klappläden an den 2.500 Fenstern sind mit einem Sonnenstandswächter auf dem Dach verbunden, der ständig prüft, ob die Sonne scheint. Diese Information wird an eine Software weitergegeben, die den genauen Stand der Sonne zur gegebenen Jahres- und Tageszeit kennt und danach jeden der gläsernen Klappläden optimal ausrichtet. Eine diffizile Aufgabe angesichts der organischen Form der Cologne Oval Offices. Da jedoch jedes Paar Klappläden mit einem eigenen Motor ausgestattet ist, kann jeder Teil der Fassade individuell angewählt und gesteuert werden. Der Gesamtenergiedurchlasswert (g-Wert), der Aufschluss darüber gibt, wie viel Wärme im Sommer nach innen dringt, liegt für die Klappläden bei zirka 24 % der einstrahlenden Sonnenenergie. Die dahinter liegenden Isolierglasfenster sind mit einer Wärmeschutzbeschichtung versehen. Für die Gesamtfassade ergibt sich damit ein g-Wert von nur 12 Prozent. Schon Systeme mit einem Wert von 20 % gelten heute als besonders gut.
Zur Minimierung des Stromverbrauchs sind die Büroleuchten an das Außenlicht gekoppelt, so dass sich die Helligkeit und damit der Stromverbrauch der künstlichen Lichtquellen am einfallenden Tageslicht orientiert.

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Rheinuferfiltrat als regenerative Energiequelle
Für die Cologne Oval Offices wurde ein Energie- und Lüftungskonzept entwickelt, das die Wasserlage der Cologne Oval Offices ausnutzt: Grundwasser, gemischt mit Rheinwasser, das durch das Ufer des Flusses sickert, kann als Kältequelle genutzt werden. Die Nutzung des Rheinuferfiltrats für die Cologne Oval Offices machen Unterwasserpumpen möglich, die aus zwei Brunnen das Wasser an die Oberfläche fördern. Das Grundwasser ist mit einer Temperatur von 14 bis 16 Grad hervorragend geeignet, die Bürohäuser zu kühlen.
Unterirdische Rohre leiten das Wasser weiter zum Gebäude, wo ihm ein Wärmetauscher Wärme entzieht. Die Kühlung der Cologne Oval Offices kommt - anders als herkömmliche Verfahren – ohne den Einsatz von Treibhausgasen aus. Das erwärmte Brunnenwasser wird anschließend in einen alten, auf dem Grundstück vorhandenen Regenwasserkanal geleitet, den die Stadtwerke nicht mehr nutzen. Von dort aus fließt es in den Rhein zurück.

Heizen und Kühlen durch Kapillarrohrmatten
Im Gebäude gelangt das Umlaufwasser in Kühldecken aus millimeterdünnen Rohren, die unter den Decken der Cologne Oval Offices befestigt und überputzt wurden. So entstehen effektiv arbeitende Kühldecken. Im Winter erwärmt heißes Wasser aus dem Fernwärmenetz in einem Wärmetauscher das Wasser, das durch die Rohrnetze fließt. Der Vorteil dieser Deckenstrahlungsheizung: Sie erzeugt weniger Luftbewegung als Luftheizungen, Fußbodenheizungen oder Heizkörper; Hausstaub bleibt liegen.

Niedriger Primärenergiebedarf bringt EU-GreenBuilding-Zertifikat
Ihre Energieeffizienz beweisen die Cologne Oval Offices schon bei den Berechnungen für den Primärenergiebedarf: Dieser wird bei nur rund 105 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr liegen. Ein durchschnittliches, klimatisiertes Verwaltungsgebäude bringt es sonst auf rund 180 Kilowattstunden. Die MEAG wurde für den niedrigen Primärenergiebedarf der Cologne Oval Offices mit dem GreenBuilding-Zertifikat der EU ausgezeichnet.

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