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Modellhäuser für die Zukunft

Das Model Home 2020 und die europäische Perspektive von Nachhaltigkeitskonzepten

Gibt es eine europäische Perspektive für Nachhaltigkeitskonzepte? Welche länderspezifischen Bedingungen müssen dabei berücksichtigt werden? Welche Zukunftsaussichten ergeben sich daraus? DETAIL-Redakteur Tim Westphal sprach mit Lone Feifer, Strategic Project Director bei Velux, über das Experiment zukunftsweisender Modellhäuser und über ihr Zukunftspotenzial im europäischen Raum.

Das LichtAktiv Haus in Hamburg ist der deutsche Beitrag zum europaweiten Experiment Model Home 2020
Das LichtAktiv Haus in Hamburg ist der deutsche Beitrag zum europaweiten Experiment Model Home 2020. Weitere Informationen zum LichtAktiv Haus

DETAIL: Mit dem Experiment Model Home 2020 betritt Velux internationales Terrain. Die sechs europäischen Teilnehmerländer richten sich bei ihren Modellhäusern nach den jeweils national gültigen Energieeinsparverordnungen. Das erschwert die einheitliche Bewertung der Gebäude. Wie gehen Sie damit um?

Lone Feifer: Die Erhebung der Daten und deren Vergleich sind Teil der vorgesehenen Nachbearbeitung. Zwar  wurden und werden die Projekte nach den länderspezifischen Verordnungen entworfen und gebaut, doch für alle gelten die Richtlinien der kürzlich überarbeiteten European Parlament Building Directive (EPBD). Sie besagt, dass ab 2018 alle öffentlichen Bauten und ab 2020 alle Neubauten Null-Energiehäuser sein müssen.

DETAIL: Also sind alle Gebäude des Experiments als Null-Energiehäuser konzipiert?

Lone Feifer: Ja, wobei aber in der EPBD nicht festgelegt ist, wie die Richtlinien im Endeffekt umgesetzt werden sollen. Wir suchen mit unserem Konzept nach praktischen Lösungswegen und setzen für alle Projekte die gleiche Bedingung voraus: CO2-Neutralität bei höchstmöglichem Wohnwert. Für die Nachbearbeitung haben wir uns vorgenommen, ein einheitliches Vergleichssystem zu entwickeln. Im Moment ist das aber aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich. Zu erwähnen sind hier die unterschiedlichen Endenergiefaktoren oder Berechnungsarten der Wohn- und Nutzfläche, um nur einige Länderdifferenzen zu nennen. Die Tatsache, dass es noch keine länderübergreifende Energieeinsparverordnung gibt, erschwert die Umsetzung eines solch international ausgelegten Projekts wie Model Home 2020. Ohne einheitliche Regelungen, die die sogenannten Mindestwerte festlegen, kann aber auch die Politik letztendlich nicht handeln. Wir sehen unser Projekt daher mitunter als politisches Werkzeug.

Velux Home for Life, Aarhus, und Velux Green Lighthouse, Kopenhagen, Dänemark
Velux Home for Life, Aarhus, und Velux Green Lighthouse, Kopenhagen, Dänemark

DETAIL: Welche Rolle spielt in Ihrem Projekt die europäische Umweltnorm CEN/TC 350, die ab 2012 europaweit für alle Gebäude in Kraft treten soll?

Lone Feifer: In der Tat richten wir uns bei Model Home 2020 nach den Richtlinien der geplanten CEN/TC 350. Diese Norm wird den eigentlichen Rahmen für die Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden bilden. Während die EPBD nur das übergeordnete Ziel angibt, geht die CEN/TC 350 detailliert auf die Errichtung, Erstellung, den Betrieb und die Entsorgung eines Gebäudes ein. Sie beschreibt seine Umweltqualität und definiert beispielsweise die Nutzung von Umweltdeklarationen für Bauprodukte. Mit ihr werden ökologische, ökonomische und soziale Maßstäbe im Bauwesen gesetzt. Gerade die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat in Deutschland zu diesem Thema viel Pionierarbeit geleistet. Speziell mit Manfred Hegger, dem derzeitigen Präsidenten der DGNB, arbeiten wir sehr eng zusammen. Erst kürzlich hat die Technische Universität Darmstadt ee (Dipl.-Ing. Joost Hartwig) für unseren deutschen Beitrag, das LichtAktiv Haus, eine Ökobilanz erstellt, die an das Verfahren der DGNB angelehnt ist. Die Richtwerte des Referenzgebäudes wurden deutlich unterschritten. Mit Projekten wie dem Model Home 2020 übertreffen wir also bereits heute die gültigen Erwartungen.

DETAIL: Das LichtAktiv Haus ist das einzige Modernisierungsprojekt von Model Home 2020. Aber weit über 90 Prozent der Gebäude in Europa sind Bestand, der Anteil an Neubauten gibt sich im Vergleich dazu sehr gering aus. Warum haben Sie nicht auch in anderen Ländern Sanierungsprojekte umgesetzt?

Lone Feifer: Auch wenn das Thema Sanierung ein sehr großes Potenzial darstellt, haben wir uns bei den anderen Projekten bewusst dagegen entschieden: Die Konzepte der einzelnen Modellhäuser richten sich nach nationalen, teilweise sogar regional spezifischen Gesichtspunkten. Die Vertriebsgesellschaften der einzelnen Länder haben in eigener Verantwortung entschieden, welches Thema aus ihrer Sicht für sie und ihre Kunden am meisten Sinn macht. In Frankreich beispielsweise stand das Thema Sommerkomfort an erster Stelle, in Österreich hingegen eine Weiterentwicklung der Passivbauweise. Die englischen und französischen Kollegen entschieden sich für das Thema Typen- bzw. Fertighaus. Ihr Ziel war es, die Fertighausbranche von der Möglichkeit zu überzeugen, gleichzeitig erschwingliche und CO2-neutrale Häuser von höchstmöglichem Wohnwert zu bauen. Die für das jeweilige Land typische Wohn- und Lebensweise drückt sich wiederum im architektonischen Grundkonzept der Gebäude aus. Unter diesem Aspekt betrachtet, liegen zum Beispiel Österreich und Dänemark nicht nur geografisch gesehen "Welten" auseinander.

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