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Modellprojekte im Bestand - DETAIL research Round Table

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat in Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft Neu-Ulm im Rahmen der Forschungsinitiative "Zukunft Bau" den Wettbewerb "Effizienzhaus Plus im Altbau" durchgeführt. Gegenstand des Wettbewerbs war die Entwicklung eines Sanierungskonzepts unter Anwendung modernster Technologie für ein Energie-Plus-Gebäude im Altbau am Standort Neu-Ulm. Im Rahmen des öffentlichen DETAIL research Round Table wurde diskutiert, welche Lehren aus den eingereichten Wettbewerbsbeiträgen zu ziehen sind und welche energetischen Standards künftig sinnvoll erscheinen.

Die Hochschule Ruhr West in Mülheim an der Ruhr, Institut Energiesystem und Energiewirtschaft, Prof. Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus mit dem Büro Werner Sobek Stuttgart GmbH und Oehler Archkom – Solar Architektur

Ein Ziel, zwei Konzepte

Dass die Planer Herzblut und zielführende Konzepte für den ungeliebten Bestand parat haben, zeigen die vielfältigen Arbeiten, die im Rahmen des Wettbewerbs "Effizienzhaus Plus im Altbau" eingereicht wurden. Gleich zwei Beiträge mit unterschiedlichen Herangehensweisen für die sanierungsbedürftigen Mehrfamilienhäuser (Baujahr 1936) wurden prämiert.

Der von Stefan Oehler vorgestellte Siegerbeitrag der Hochschule Ruhr West mit dem Büro Werner Sobek Stuttgart und Oehler Archkom Solar Architektur, arbeitet mit einem auf Maß vorgefertigten hochwärmegedämmten Hüllsystem, welches die gesamte Haustechnik zugunsten der Innenraumqualität in die Außenhülle integriert. Die Energiegewinnung über Photovoltaik auf den südgerichteten Dachflächen ermöglicht zudem eine Einspeisung des Stromüberschusses in ein quartiersinternes Versorgungsnetz.

Den Ansatz des zweiten Preisträgers von der Technischen Universität Darmstadt mit o5 architekten und der ina Planungsgesellschaft erläuterten Ruben Lang und Michael Keller. Diese verfolgen neben der flächenreduzierten Implementierung der energetischen Versorgung einen behutsamen Umgang mit dem Bestand. Der Erhalt der städtebaulichen Situation, eine Neuorganisation der Grundrisse, sowie sorgfältige Tageslichtplanung und optimierter Materialeinsatz nach den Vorgaben einer umfassenden Ökobilanzierung sind selbstverständlich. Helmut Mildner, Bauherr der zwei konträren Modellprojekte, sieht die größte Herausforderung in der Wirtschaftlichkeit der Ansätze. Denn Innovation entsteht erst, wenn mit vertretbaren ökonomischen Einsatz eine höhere Effektivität erzeugt wird und damit die Zukunftsvision in eine Handlungsanweisung überführt werden kann. Die Begleitung der Realisierung bis 2013 mit einem zweijährigen Monitoring wird hochgesteckte Zielsetzungen verfolgen.

Lehren aus dem Wettbewerb

Schon vor Baubeginn und Auswertung des Monitoring können Erkenntnisse und Lehren aus den Anforderungen des Wettbewerbs gezogen werden, die sich in den folgenden Tischvorträgen manifestiert haben. Prof. Dr.-Ing. Karsten Tichelmann (TU Darmstadt) thematisierte die ökologischen und ökonomischen Anforderungen für die Modernisierung von Bestandsgebäuden und die Frage nach dem Mehrwert – funktional, strukturell, baukulturell, wirtschaftlich – der Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Baumaßnahme sein muss. Für Prof. Axel Bretzke (Hochschule Biberach) stellt sich weniger die Frage nach den kommenden virulenten Geschäfts- und Forschungsfeldern, sondern eher die Suche nach den richtigen Stellschrauben zur Optimierung und vorsichtigen Abwägung zwischen Komfort und Technikeinsatz. Die Forderung von Prof. Georg Sahner (Hochschule Augsburg) nach einem "Sanierungspass" statt eines Energieausweises identifiziert ein überholtes Schubladendenken bezüglich energetischer Standards. Statt einer strengen Klassifizierung nach vordefinierten Kriterien sollte die Angemessenheit der Mittel mit einem Mix aus ökonomischem Ansatz und gestalterischen Mitteln im Vordergrund stehen.

Die anregende Diskussion, moderiert von Hans-Christian Wilhelm (TU München) und Martin Luce (DETAIL research), hat Impulse für eine Nachjustierung der gängigen Regelwerke angestoßen. Eine erhöhte Variabilität zwischen einzelnen Förderkategorien sowie neue Kombinationsmöglichkeiten von technischen Systemen führen zu mehr Innovation – darüber waren sich die Round Table Teilnehmer einig. Die Umsetzung des Modellprojekts in Neu-Ulm könnte ein Anfang für das Umdenken sein.

Nächste Termine der Reihe "Die Zukunft des Bauens"

Hamburg: Donnerstag, 15. November 2012 
Die Zukunft ganz nah: Plusenergie und E-Mobilität

München: Donnerstag, 14. Februar 2013 
Einfluss von Nachhaltigkeitskriterien auf den Wert der Immobilie

Anmeldung unter projektedo not copy and be happy@detaildot or no dot.de

 

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