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Modellraum aus Körpern und Schichten: E2A in Berlin

Wettbewerbsbeitrag Kunstcampus Berlin, Foto: Jon Naiman

Eine ungewöhnliche Darstellungsform für die Präsentation seiner Architektur wählt das Schweizer Büro E2A Eckert Eckert Architekten (Zürich) in seiner aktuellen Ausstellung bei Aedes in Berlin: Ganz in Weiß gehaltene Modelle wachsen wie nahezu abstrakte Skulpturen aus weißen Sockeln und bilden rechts und links von raumhohen Leinwänden jeweils einem Projekt zugeordnete Exponatinseln. Es ist kein Zufall, dass hier fast ausschließlich Wettbewerbsarbeiten von E2A gezeigt werden, denn hier geht es weniger um eine Werkschau des Büros – dafür gibt es eine umfangreiche Publikation – als vielmehr um die Vermittlung einer Architekturauffassung.

Und dabei sind Modelle existentiell: „Modelle leisten für uns die größtmögliche Anschauung architektonischer Ideen und Konzepte. Sie ermöglichen es, den Kerngedanken des Entwurfs räumlich nachzuvollziehen und die räumliche Konsequenz einer konzeptionellen Entscheidung zu entdecken. Dabei brachen sie nicht ‚wahr‘ zu sein, – als ‚dreidimensionale Skizzen‘ liegt die Qualität ihrer Aussage in der Hervorhebung des Wesentlichen durch bewusste Vereinfachung der Realitäten. Die ausgestellten Modelle sollen zeigen, was uns wichtig ist, also eine Unterscheidung zwischen dem Essentiellen und dem Akzidentiellen treffen. In der Gegenüberstellung architektonischer Raumprinzipien werden unterschiedliche Kräfte, die auf den Entwurfsprozess einwirken sichtbar.“

Wettbewerbsbeitrag Kunstcampus Berlin

Dabei stellen die Modelle unterschiedliche Strategien dar oder greifen wichtige Entwurfsbestandteile auf: Beim Wettbewerbsbeitrag für ein Haus auf dem Kunstcampus am Hamburger Bahnhof ist es die Erschließung, die aus einem eingehausten Fluchttreppenhaus und einer weit ausgreifenden Treppenskulptur besteht, die wie frei in die Hülle eingestellt erscheint – wobei der Berliner an der streng gerasterten Hülle gleich erkennt, dass E2A diesen Wettbewerb durchaus gerne gewonnen hätte...

Der Entwurf von 2011 für ein Oberstufenschulhaus in Horw wurde aus den Freiräumen heraus entwickelt: Der kompakte Baukörper besetzt wenig der qualitativ hochwertigen Flächen, sein Entwurfsprinzip erinnert an einen Rubikwürfel: Um eine imaginäre Achse werden die einzelnen Geschosse jeweils um neunzig Grad versetzt gedreht, so entsteht ein dreidimensionales Geflecht aus offenen und geschlossenen Räumen.

Wettbewerbsbeitrag Universitätsbibliothek Duisburg-Essen, Foto: Jon Naiman

Beim Entwurf für die Universitätsbibliothek Duisburg-Essen hatten E2A 2009 mit einem noch radikaleren Prinzip experimentiert: Der aus der Bebauungsflucht zurückspringende Baukörper besteht aus alternierend gestapelten, massiven „Bücherringen“ und offenen „Lernhorizonten“. Der zentrale Erschließungsbereich wird hier zusätzlich durch brückenartige Fachlesesäle in Szene gesetzt.

Wettbewerbsbeitrag Schillerbibliothek Berlin, Foto: Jon Naiman

Der Wettbewerbsbeitrag von E2A für die Erweiterung der Schillerbibliothek in Berlin-Wedding rückt wieder die Qualitäten des Freiraums in den Vordergrund: Aus schmalen „halben Giebeln“  zusammengesetzte Gebäudestreifen formen als Gegenüber zum Bestandsensemble von Fritz Bornemann einen geschützten Freiraum. Durch die großflächige Verglasung auf der Erdgeschossebene wird das vorhandene räumliche Kontinuum fortgeführt; die ungewöhnliche Dachlandschaft des neuen Ensembles schafft jedoch eine neue kleinmaßstäbliche Bezugsebene, die im Inneren eine andere Form von „Behaustsein“ ermöglichen könnte.

Wettbewerbsbeitrag Württembergische Landesbibliothek, Foto: Jon Naiman

Der Entwurf für die Württembergische Landesbibliothek von 2011 spielt wie beim Haus für den Kunstcampus in Berlin wieder mit dem Thema der abstrahierten Hülle, der ein differenzierter Innenraumkörper eingestellt wird: „Die in Nord-Süd-Richtung orientierte, dem Hauptlesesaal vorgelagerte schlanke Scheibe der Freihandbibliothek wird als großes Bücherregal erfahrbar, das mit den Lesesälen und weiteren Publikumsfunktionen innere wie äußere Sichtbezüge in Form von Galerien, Nischen und Leerräumen freilegt.“

(Cordula Vielhauer)

Wettbewerbsbeitrag Württembergische Landesbibliothek

Die Ausstellung Körper und Schichten – E2A Eckert Eckert Architekten läuft noch bis 30. August bei Aedes, Christinenstr. 18-19, 10119 Berlin, www.aedes-arc.de

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